Nachweislich weniger Risiko

Östrogenzufuhr über die Haut

Anwendung als Hormongel vor allem bei Risikopatientinnen

Gallensteine durch Östrogene-Bei Hormonanwendung über die Haut seltener
Eine Aufnahme der Wirkstoffe ist auch mittels Hormonpflaster möglich.

Herzinfarkt, Thromboembolie, Brustkrebs und Gallensteine - das Risiko für solche Erkrankungen kann auch durch eine Hormonersatztherapie zunehmen. Doch lässt sich dies mit der Östrogenzufuhr über die Haut verringern.

Ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, gefäßverstopfende Blutgerinnsel (Thromboembolie), Brustkrebs und Gallenblasenerkrankungen wie Gallensteine und Gallenblasenentzündung können laut verschiedenen Studien mögliche Folgen einer Hormonersatztherapie sein. Einen entscheidenden Einfluß darauf, ob solche Risiken auftreten können oder nicht, hat jedoch auch die Anwendungsform und die Art der verabreichten Hormone sowie der persönliche Lebensstil.

Östrogenzufuhr über die Haut: Warum besser?

Die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brustkrebs und Gallenblasenerkrankungen können durch eine Zufuhr der Östrogene über die Haut, also transdermal, als Gel oder Pflaster deutlich zurückgehen. Grund dafür sind Unterschiede in der Verstoffwechslung der Hormone bei den verschiedenen Anwendungsformen.

Als Tabletten aufgenommen, gelangen Östrogene über den Magen-Darm-Trakt zuerst in die Leber und werden dort verstoffwechselt ("erste Leberpassage"). Bedingt durch die anfallende hohe Konzentration der Östrogene kommt es zur Beeinflussung von Stoffwechselprozessen in der Leber, was beispielsweise zu Veränderungen bei der Bildung von Gerinnungseiweißen und im Fettstoffwechsel führt. So werden etwa Entzündungsmarker, Cholesterin und Triglyzeride vermehrt gebildet. Bei der Anwendung von hormonhaltigem Gel oder Hormonpflastern hingegen nimmt der Körper die Östrogene kontinuierlich in kleinen Mengen über die Haut auf. Die erste Leberpassage fällt daher praktisch weg und somit auch die entsprechenden negativen Stoffwechseleffekte in der Leber, den Gallenwegen und den Blutgefäßen.

Bei einer Hormontherapie in Tablettenform sind darüber hinaus erheblich höhere Tagesdosen erforderlich, um die bei der ersten Leberpassage verstoffwechselten und gewissermaßen "verloren gegangenen" Östrogenmengen auszugleichen und die gleiche Wirksamkeit der Behandlung zu erzielen wie bei einer Anwendung über die Haut. Bei der Östrogenzufuhr über die Haut als Gel oder Pflaster kann die Hormondosis außerdem individuell dem Bedarf jeder Frau angepasst werden.

Die Risiken sinken nachweislich

Verschiedene Studienergebnisse zeigen, dass die transdermale Östrogenzufuhr im Rahmen der Hormonersatztherapie verträglich ist.

So traten in einer Studie mit fast 700.000 zwischen 51 und 69 Jahre alten Teilnehmerinnen unter transdermaler Östrogengabe signifikant seltener Herzinfarkte auf als unter Einnahme östrogenhaltiger Tabletten. Eine weitere große Studie ergab, dass sich das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln in den Venen, so genannten Thromboembolien, bei der Östrogengabe über die Haut nicht erhöht.

Auch hinsichtlich des Brustkrebsrisikos gibt es neue Erkenntnisse. So legen die Ergebnisse neuerer Studie nahe, dass etwa zwei Drittel des durch die Hormonersatztherapie erhöhten Brustkrebsrisikos auf das Konto künstlicher Gestagene gehen und für das restliche Drittel die Östrogene verantwortlich sind. Werden transdermale Östrogene mit natürlichem Progesteron kombiniert, scheint auch nach längerer Anwendungsdauer von mehr als sechs Jahren kein erhöhtes Brustkrebsrisiko aufzutreten.

Erkrankungen der Gallenblase (Gallensteine, Gallenblasenentzündung) kommen bei Frauen nach der Menopause, die eine Hormonersatztherapie erhalten, häufiger vor. Dieser Effekt wird ganz wesentlich der Leberpassage bei einer Östrogenzufuhr in Tablettenform zugeschrieben. Eine große Untersuchung mit über einer Million Teilnehmerinnen erbrachte, dass sich das Risiko für Gallenblasenleiden durch eine Östrogenzufuhr über die Haut senken lässt.

Fazit: Anwendung über die Haut vor allem bei Risikopatientinnen

Die transdermale Anwendung von Östrogenen, darin sind sich Experten wie Dr. Alexander Römmler, Endokrinologe und Präsident der German Society of Anti-Aging Medicine (GSAAM), heute weitgehend einig, kann viele Erkrankungsrisiken, die mit der Hormonersatztherapie in Verbindung stehen, minimieren. Vor allem bei Frauen, die bereits ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkrankungen aufweisen, aber die durch fehlende Hormone auftretenden Wechseljahresbeschwerden mit einer Hormonersatztherapie lindern wollen, bietet sich deshalb die Anwendung über die Haut an. Dazu gehören Frauen mit einer erblich bedingten Veranlagung für Thrombosen ebenso wie übergewichtige Frauen und Raucherinnen.

Grundsätzlich gilt: Vor der Entscheidung für oder gegen eine Hormontherapie sollten Arzt und Patientin in einem umfassenden Gespräch die Vorteile der Behandlung wie Beschwerdefreiheit, Langzeitschutz und bessere Lebensqualität gegen die individuell bestehenden Risiken abwägen.

Autor: Kathrin Sommer
Letzte Aktualisierung: 14. Oktober 2014
Quellen: Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging Medizin (GSAAM) e.V.; Kuhl, H.: "Koronare Herzkrankheit (KHK). Ist die orale oder die transdermale Hormonersatztherapie zu bevorzugen?", gyne 4/2004, 61; Løkkegaard, E. et al.: "Hormone therapy and risk of myocardial infarction: a national register study". European Heart Journal 2008, 29: 2660?2668; Canonico, M. et al.: "Hormone Therapy and Venous Thromboembolism Among Postmenopausal Women". Circulation 2007, 115: 840-845; Liu, B. et al.: "Gallbladder disease and use of transdermal versus oral hormone replacement therapy in postmenopausal women: prospective cohort study". BMJ 2008, 337: a386; "Hormonersatztherapie in der Postmenopause: Keine Erhöhung des Thrombose-Risikos bei transdermaler Applikation des Estrogens". gyne, Juli 2006, 160-163

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