Aktuelle Untersuchungen zu (Phytoöstrogene

Prüfstand: Pflanzliche Wirkstoffe gegen Wechseljahresbeschwerden

Besonders bei starken Wechseljahres-Symptomen wie Hitzewallungen oder Schweißausbrüchen raten Experten hinsichtlich der Wirksamkeit eher zu einer Hormonersatztherapie als zu pflanzlichen Östrogenen. Denn auch wenn pflanzliche Wirkstoffe zur Linderung von klimakterischen Beschwerden immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sind, können die Ergebnisse nicht überzeugen.

Auf dem Pruefstand Pflanzliche Wirkstoffe gegen Wechseljahresbeschwerden
Pflanzliche Wirkstoffe sind nicht immer ausreichend wirksam.
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Pflanzliche Mittel (sogenannte Phytotherapeutika) und pflanzliche Substanzen mit östrogenähnlicher Wirkung (Phytoöstrogene) zur Behandlung klimakterischer Beschwerden sind bei Frauen in den Wechseljahren sehr beliebt. So nutzt einer US-amerikanischen Umfrage zufolge etwa die Hälfte der Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren derartige Wirkstoffe beispielsweise in Form von Nahrungsergänzungsmitteln oder freiverkäuflichen Arzneimitteln. Die Wirksamkeit allerdings wird unter Experten gerade im Hinblick auf die Linderung starker Beschwerden als zweifelhaft beurteilt, was diverse Untersuchungen bestätigen, in denen pflanzliche Mittel nicht besser abschneiden als wirkstofffreie Scheinpräparate (Placebos). Mit Phytoöstrogenen wird vor allem der Placebo-Effekt genutzt.

Aktuelle Studie: Isoflavone gegen Hitzewallungen – waren die Hoffnungen zu groß?

Zu den am häufigsten eingesetzten Phytoöstrogenen zählen die sogenannten Isoflavone, die vor allem in Soja oder Rotklee vorkommen. Um einen gesundheitsfördernden Effekt zu erreichen, wird eine Tagesdosis von mindestens 50 mg empfohlen. Das entspricht umgerechnet etwa einem halben Liter Sojamilch pro Tag. Da diese hohe Zufuhr mit der üblichen Ernährungsweise kaum zu erreichen ist, greifen viele Frauen auf Isoflavon-Präparate in geeigneter Dosierung zurück. Der Haken daran: Laut Experten können Isoflavone Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche nur unzureichend beeinflussen.

Das bestätigt auch eine aktuelle Studie, an der fast 250 Frauen im Alter zwischen 45 und 60 Jahren teilnahmen. Sie erhielten täglich entweder Tabletten mit Isoflavonen aus Soja oder ein Placebo. Das Fazit: nach zwei Jahren litten in der Isoflavon-Gruppe sogar mehr Frauen an Hitzewallungen als in der Placebo-Gruppe. Auch auf die Knochen ließ sich kein günstiger Effekt der Isoflavone nachweisen. Zudem kam es unter Isoflavonen vermehrt zu Verstopfung.

Traubensilberkerze eher bei leichten Beschwerden

Besonders hierzulande wird die Traubensilberkerze (lat. Cimicifuga racemosa) häufig gegen Wechseljahresbeschwerden eingesetzt. Aber auch sie kann in methodisch genauen wissenschaftlichen Untersuchungen nicht überzeugen und schneidet nicht besser ab als Placebo. So gilt die Traubensilberkerze gerade bei starken Symptomen wie heftigen Hitzewallungen, Schweißausbrüchen oder Schlafstörungen laut Experten als wenig erfolgversprechend, auch wenn Frauen mit leichten klimakterischen Beschwerden über positive Effekte berichten.

Studie untersucht Wirksamkeit von Leinsamen bei Hitzewallungen

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Auch Leinsamen sind offenbar nicht ausreichend wirksam gegen die aufsteigende Hitze, wie eine Studie zeigte. An der Untersuchung beteiligten sich 188 Frauen in den Wechseljahren, wobei ein Teil der Studienteilnehmerinnen täglich über einen Zeitraum von sechs Wochen einen Leinsamenriegel aß, die restlichen Frauen verzehrten einen leinsamenfreien Riegel. Zur Dokumentation der auftretenden Hitzewallungen führte jede Probandin ein Tagebuch. Die Auswertung ergab, dass Leinsamen die Häufigkeit der „fliegenden Hitze“ nicht deutlich stärker senkte als das Placebo. Die Autoren schließen aus ihren Ergebnissen, dass der Einsatz von Leinsamen gegen Hitzewallungen keine Therapieoption darstellt.

Hormontherapie - zuverlässige Hilfe insbesondere bei starken Beschwerden

Die unterschiedlichen Untersuchungen zu diversen pflanzlichen Wirkstoffen belegen, dass die Kraft der Natur zur Linderung von wechseljahresbedingten Symptomen wie Hitzewallungen oder Schweißausbrüchen nicht ausreichend wirksam ist. Vor allem bei starken Beschwerden ist die Hormontherapie die zuverlässigere Behandlungsoption.

Moderne Darreichungsformen (z.B. östrogenhaltiges Gel zum Auftragen auf die Haut) bzw. Hormon-Arten (z.B. Gestagen als natürliches Progesteron) ermöglichen heute eine Therapie, bei der häufig befürchtete Risiken wie Thrombose oder Brustkrebs deutlich reduziert werden können.

Grundsätzlich gilt: Wer eine Hormontherapie in Erwägung zieht, sollte zunächst ein ausführliches Beratungsgespräch durch den Arzt wahrnehmen – ideal, um auch ganz individuelle Fragen zu klären und sich ausführlich über die Möglichkeiten und Risiken einer Hormonersatztherapie zu informieren.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 14. Oktober 2014
Quellen: Foth, D. Menopausale vasomotorische Symptome. Wirksamkeit alternativer Therapien. Gynäkologe 2010; 43: 287-293

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