Brustkrebs durch Hormontherapie?

Art der Hormonzufuhr ist entscheidend

Eine Hormontherapie kann das Brustkrebsrisiko erhöhen, das gilt vor allem für eine Kombination aus Östrogen und Gestagen. Dabei scheint der Einsatz natürlichen Progesterons von Vorteil zu sein.

Nicht bei jeder Hormontherapie gleich
Die Hormontherapie sollte mit dem Frauenarzt abgestimmt werden.
Getty Images/Hemera

Die Hormontherapie (HT) hilft Frauen in den besten Jahren wirkungsvoll und zuverlässig, typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen oder eine trockene Scheide in den Griff zu bekommen. Allerdings ist dabei zu beachten, dass die HT, wie andere Therapien, Risiken bergen kann. So kann die Gefahr, an Brustkrebs zu erkranken, ansteigen. Das Risiko unterscheidet sich aber offenbar je nach Art der Hormontherapie.

Bei Frauen mit Gebärmutter immer kombinierte Hormonersatztherapie

Frauen, denen die Gebärmutter nicht entfernt wurde, sollten eine Kombination aus Östrogen und Gestagen erhalten. Denn das Östrogen kann sich negativ auf die Schleimhaut der Gebärmutter (Endometrium) auswirken. Studien zufolge erhöht sich das Krebsrisiko erheblich, vor allem bei längerer Anwendung der Östrogentherapie: So kann das Risiko nach drei Jahren Therapie um das Fünffache und nach zehn Jahren um das Acht- bis Zehnfache ansteigen. Auch nach Absetzen der Therapie bleibt die Gefahr eines Gebärmutterkrebses für einen längeren Zeitraum bestehen. Durch die zusätzliche Gabe des Gestagens wird der Östrogeneffekt auf das Endometrium sozusagen ausgeglichen und somit das Krebsrisiko deutlich reduziert.

Natürliches Progesteron mit positiver Wirkung

Die Entstehung von Brustkrebs ist vor allem mit einer kombinierten HT verbunden. Aber auch hier spielen Art, Dosierung und Dauer der HT eine wichtige Rolle. So gehen Experten davon aus, dass durch eine Östrogen-Gestagen-Therapie etwa acht von 10.000 Frauen pro Jahr zusätzlich an Brustkrebs erkranken, allerdings scheint das Risiko erst nach fünf Jahren Therapie zuzunehmen. Was ebenfalls wichtig ist: Nach Ende der HT sinkt das Risiko vermutlich wieder relativ schnell innerhalb von ein bis vier Jahren auf das Niveau von Frauen ohne HT.

Neben Dauer und Dosierung der HT ist offenbar auch das verwendete Gestagen von Bedeutung. Studienergebnissen zufolge nimmt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, nicht bzw. kaum zu bei Frauen, die Östrogen in Kombination mit natürlichem Progesteron erhalten hatten.

Was ist natürliches Progesteron?

Natürliches Progesteron entspricht dem sogenannten Gelbkörperhormon, das im Eierstock der Frau gebildet wird. Voraussetzung für die industrielle Herstellung ist ein Wirkstoff (Diosgenin), der zum Beispiel in der Yamswurzel vorkommt. Die Pflanze wächst unter anderem in Mittelamerika und wird dort auch kultiviert. Durch Modifikation der Ausgangssubstanz erhält man am Ende des Prozesses das natürliche Progesteron.

Natürliches Progesteron hat neben seiner möglichen positiven Wirkung auf das Brustkrebsrisiko unter einer HT offenbar weitere günstige Effekte. So scheint es den Nachtschlaf von Frauen mit Wechseljahresbeschwerden verbessern zu können.

Nutzen und Risiken immer sorgfältig gegeneinander abwägen

Ob für eine Frau mit Wechseljahresbeschwerden eine HT infrage kommt und wenn ja, welche, sollte sie gemeinsam mit ihrem Frauenarzt klären. In die Entscheidung fließen diverse individuelle Faktoren ein, etwa der Leidensdruck der Frau oder bestehende Erkrankungen.

Nicht vergessen darf man, dass beim Krebsrisiko bzw. der Krebsentstehung auch andere Aspekte, wie der persönliche Lebensstil, vor allem Übergewicht, Rauchen, Alkoholmissbrauch, zu wenig Bewegung etc.) eine wesentliche Rolle spielen können.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 14. Oktober 2014
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause (HAT). Interdisziplinäre S3-Leitlinie. September 2009. URL: http://www.dggg.de/fileadmin/public_docs/Leitlinien/2-1-4-ht-lang-hp1.pdf (Stand 19.03.2011) Noss, D.; Ortmann, O.: Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause. Malignomrisiko. Gynäkologe 2010; 43: 318-323 Seiffert, B.: Hormontherapie möglichst sicher gemacht. Extracta gynaecologica 2011 (1): 41 Schlaf gut — mit Progesteron! Extracta gynaecologica 2011 (1): 41 Angaben zur Herstellung von Progesteron von Dr. Kade/Besins

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