Kein erhöhtes Brustkrebsrisiko bei alleiniger Östrogengabe

Aktuelle Studienergebnisse geben Entwarnung

Bei Frauen in den Wechseljahren, denen bereits die Gebärmutter entfernt wurde, hat sich die alleinige Gabe von Östrogen zur Linderung von Beschwerden wie Hitzewallungen bewährt. Entgegen unterschiedlicher Anwendungsbeobachtungen belegt jetzt eine aktuelle Studie, dass diese Form der Hormontherapie nicht mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko einhergeht.

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Ob eine Östrogentherapie für eine Frau mit Wechseljahresbeschwerden infrage kommt, sollte im Gespräch mit einem Frauenarzt geklärt werden.

Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche können durch eine Hormontherapie effektiv gelindert werden. Dabei ist unter Experten allgemein anerkannt, dass Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde (Hysterektomie), eine alleinige Östrogentherapie (ET) erhalten sollten. Bei der Behandlung von Frauen ohne Hysterektomie wird dagegen zusätzlich ein Gestagen verabreicht, um der Entstehung von Krebs in der Gebärmutterschleimhaut entgegenzuwirken.

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Doch so effektiv die Hormontherapie bei derartigen Beschwerden auch sein mag – viele Frauen sind durch Meldungen bezüglich einer potentiellen Erhöhung des Brustkrebsrisikos verunsichert. Aktuelle Studiendaten, die sich auf den Zusammenhang zwischen einer alleinigen Östrogengabe nach entfernter Gebärmutter und dem Brustkrebs-Risiko beziehen, scheinen diese Ängste allerdings nehmen zu können.

Frauengesundheit im Fokus

Im Rahmen der sogenannten Women’s Health Initiative-Studie (WHI) untersuchen amerikanische Wissenschaftler die zentralen Gesundheitsprobleme älterer Frauen. In einer erneuten Auswertung der Studiendaten wurde der Frage nachgegangen, ob und wie sich eine Östrogentherapie auf das längerfristige Brustkrebsrisiko bei Frauen auswirkt, denen die Gebärmutter entfernt wurde.

An dieser groß angelegten Langzeitstudie nahmen insgesamt mehr als 150 000 Frauen im Alter zwischen 50 und 79 Jahren teil. Für die aktuelle Analyse wurden die Daten von mehreren Tausend Frauen in der Menopause herangezogen, denen die Gebärmutter entfernt worden war. Rund die Hälfte dieser Frauen nahm Östrogen in Form von Tabletten ein, während der anderen Hälfte ein Scheinpräparat (Placebo) verabreicht wurde.

In einer ersten Analyse ließ sich bei den Frauen unter einer Östrogentherapie kein erhöhtes Brustkrebsrisiko feststellen.

Brustkrebsrisiko laut Studie nicht erhöht

Auch die aktuelle Auswertung bestätigte die Ergebnisse der ersten Analyse: Es stellte sich heraus, dass das Brustkrebsrisiko unter einer langjährigen Östrogentherapie nicht zunahm. Im Gegenteil: In der Östrogen-Gruppe erkrankten weniger Frauen neu an Brustkrebs (151 pro Jahr) als in der Placebo-Gruppe (199 pro Jahr). Das galt vor allem für Frauen ohne gutartige Brusterkrankungen bzw. ohne erhöhtes familiäres Brustkrebsrisiko.

Die Autoren der Studie schließen daraus, dass diese positiven Ergebnisse den Betroffenen Frauen noch mehr Sicherheit bieten können. Obwohl in der Östrogen-Gruppe sogar eine Reduktion des Brustkrebsrisikos festgestellt wurde, betonen die Wissenschaftler allerdings, dass eine Empfehlung zur Östrogentherapie alleine zur Vorbeugung von Brustkrebs nicht ausgesprochen werden kann.

Östrogentherapie zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden

Diesen Studienergebnissen zufolge ist die Östrogentherapie bei Frauen nach Gebärmutterentfernung eine sichere Therapieoption zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden. Dennoch gilt es nach wie vor, Nutzen und Risiken einer Therapie sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Ob eine Östrogentherapie für eine Frau mit Wechseljahresbeschwerden infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab und sollte im Gespräch mit dem Frauenarzt geklärt werden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 14. Oktober 2014
Quellen: Anderson GL et al.: Conjugated equine oestrogen and breast cancer incidence and mortality in postmenopausal women with hysterectomy: extended follow-up of the Women's Health Initiative randomised placebo-controlled trial. Lancet Oncol. 2012 Mar 6. [Epub ahead of print] Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause (HT). September 2009. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-062_S3_Hormontherapie_in_der_Peri-_und_Postmenopause__HT__lang_09-2009_12-2011.pdf (herunter geladen am 19.09.2011)

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