Risiken der Hormontherapie senken - worauf kommt es an?

Art und Anwendungsform der Hormone überlegt auswählen

Hormone richtig anwenden-Präparate überlegt auswählen - Risiken mindern
Die richtige Wahl der Präparate sollten Sie mit einem Arzt besprechen.
(c) Getty Images/iStockphoto

Eine Hormonersatztherapie kann bei Wechseljahresbeschwerden Linderung verschaffen und langfristigen Folgen des Hormonmangels vorbeugen. Die Art und Anwendungsform der Hormone sollten überlegt ausgewählt werden.

Nicht nur die Kindheit und Pubertät sind von körperlichen und seelischen Veränderungen geprägt - auch in der zweiten Lebenshälfte müssen sich Frauen mit großen Umstellungen auseinandersetzen. In und nach den Wechseljahren kommt es durch das allmähliche Versiegen der Hormonproduktion in den Eierstöcken neben den typischen Wechseljahresbeschwerden oft zu einem Anstieg des Körpergewichts sowie zur Zunahme von Herzkreislauferkrankungen, Gallenleiden und Osteoporose.

Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und viel körperlicher Bewegung hilft, diesen Erkrankungen vorzubeugen. Darüber hinaus kann ein Ausgleich der Hormone in Form einer Hormonersatztherapie Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Stimmungsschwankungen lindern, das Befinden verbessern und der Entstehung von Osteoporose entgegenwirken.

Thromboserisiko und Brustkrebsgefahr

Viel Unsicherheit herrscht unter Frauen wie auch Medizinern, seitdem verschiedene Studien ein erhöhtes Risiko für gefährliche Blutgerinnsel (Thrombosen) und Brustkrebs durch die Hormonersatztherapie festgestellt haben. Dabei wird oft übersehen, dass dieser Zusammenhang nicht für alle Formen der Hormonersatztherapie gleichermaßen gilt: Bei den Risiken müssen die verschiedenen Hormonarten und die Darreichungsformen genauer betrachtet werden. Eine Zufuhr von Östrogenen über die Haut (transdermal) in Verbindung mit der Einnahme von natürlichem Progesteron ist die sicherste Art der Hormonersatztherapie - darüber sind sich Experten heute weitgehend einig.

Östrogene über die Haut

Werden Östrogene in Tablettenform aufgenommen, gelangen sie über den Magen-Darmtrakt zuerst in die Leber und werden dort verstoffwechselt ("erste Leberpassage"). Dadurch beeinflussen sie in Abhängigkeit von ihrer Dosis bestimmte Stoffwechselprozesse in der Leber, was beispielsweise zu Veränderungen bei der Bildung von Gerinnungseiweißen und Veränderungen im Fettstoffwechsel führt. So werden etwa in der Leber vermehrt Triglyzeride gebildet, die zu den Blutfetten zählen.

Bei der Anwendung von hormonhaltigem Gel oder Hormonpflastern hingegen nimmt der Körper die Östrogene kontinuierlich in kleinen Mengen über die Haut auf. Die erste Leberpassage fällt daher praktisch weg und damit auch die entsprechende Beeinflussung des Leberstoffwechsels. Bei einer Hormontherapie in Tablettenform sind zudem erheblich höhere Tagesdosen erforderlich, um die bei der ersten Leberpassage gewissermaßen "verlorengehenden" Östrogenmengen auszugleichen und die gleiche Wirksamkeit der Behandlung zu erzielen wie bei einer Anwendung über die Haut.

In Studien wurde gezeigt, dass bei der transdermalen Östrogenzufuhr kein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln besteht. Sie wird von Experten deshalb insbesondere auch für Frauen empfohlen, die bereits aus anderen Gründen eine erhöhte Neigung zur Thrombosebildung aufweisen, etwa für übergewichtige Frauen und für Frauen mit erblich bedingten Blutgerinnungsstörungen.

Natürliches Progesteron statt künstlicher Gestagene

Von großer Bedeutung ist auch die Wahl des Gestagens bei einer Kombinationstherapie. Natürliches Progesteron hat sich hier als vorteilhaft erwiesen. Jüngsten Untersuchungen zufolge erzielt es eine positive Wirkung auf die Blutgefäße und das Gehirn. Zudem scheint bei einer Kombination von transdermalem Östrogen und natürlichem Progesteron - anders als bei der Kombination von Östrogen und synthetischem Gestagen oder bei einer alleinigen Östrogenbehandlung - kein erhöhtes Brustkrebsrisiko zu bestehen. Natürliches Progesteron wirkt zudem stimmungsausgleichend sowie angstlösend und bessert Schlafstörungen.

Autor: Kathrin Sommer
Letzte Aktualisierung: 14. Oktober 2014
Durch: sl / Lifeline
Quellen: Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging Medizin e.V.; Kuhl, H.: "Koronare Herzkrankheit (KHK). Ist die orale oder die transdermale Hormonersatztherapie zu bevorzugen?", gyne 4/2004, 61; Newsletter Prävention, Ausgabe 01/2009, Hrg. Dr. Kade

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