
Besser natürliches Progesteron
Unterschiede zwischen Gestagenen erneut bestätigt
Bei der Hormonersatztherapie lassen sich die unterschiedlichen Gestagene nicht über einen Kamm scheren. Darin waren sich Experten bei einem Symposium anlässlich der 8. GSAAM-Konferenz in München einig.
Als eine sehr wichtige Studie zum Unterschied zwischen einzelnen Gestagenen, die bei einer Hormonersatztherapie zum Einsatz kommen können, nannte Prof. Dr. Dr. Alfred O. Mueck von der Universitätsfrauenklinik Tübingen anlässlich der 8. Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin (GSAAM) eine französische Untersuchung mit mehr als 80.000 Frauen. Sie ergab ein deutlich erhöhtes Brustkrebsrisiko bei der Kombination von Östrogenen mit synthetischen Gestagenen. Wurden die Östrogene hingegen mit natürlichem Progesteron kombiniert, zeigte sich kein Anstieg des Brustkrebsrisikos.
Dass natürliches Progesteron in Kombination mit einem Östrogengel für die Brust günstiger ist, legen auch aktuelle Untersuchungen von Gewebeproben der Brust nahe: Wie anerkannte Tests bestätigten, bewirkt die Gabe der natürlichen Hormone kein verstärktes Wachstum im Brustgewebe. Mueck zeigte sich deshalb überzeugt, dass erhebliche Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Gestagenen bestehen.
Schützende Effekte vor Alterserkrankungen
Die höhere Sicherheit von natürlichem Progesteron ist aus Sicht von PD Dr. Alexander Römmler vom Hormonzentrum München nicht nur beim Brustgewebe belegt. Denn unabhängig von anderen Hormonsystemen fördert Progesteron die Erweiterung der Blutgefäße auf bestimmte Reize. So schützt es im Tiermodell vor krampfartigen Reaktionen der Herzkranzgefäße in belastenden Situationen. Auf diese Weise unterstützt natürliches Progesteron den schützenden Effekt der Östrogene. Durch die Wahl des falschen Gestagens kann diese erwünschte Wirkung der Östrogene laut Römmler aber aufgehoben oder sogar ins Gegenteil verkehrt werden.
Auch für die Knochen gilt nach Meinung von Römmler offensichtlich: Die Wirkungen der beiden körpereigenen Hormone ergänzen sich. Östrogene hemmen die Abbaumechanismen, Progesteron fördert den Knochenaufbau - beide zusammen schützen stärker vor einer Osteoporose.
Als besonders eindrucksvoll wertet Römmler die schützenden Eigenschaften des Progesterons auf das Nervensystem. Das natürliche Hormon stimuliert die Reparatur von Nervenfasern. Beim Tier ist die Produktion von Progesteron Teil der Antwort des Nervengewebes auf Verletzungen. Dies weist auf die wichtige Rolle des Hormons bei dem Schutz und der Regeneration von Nervenzellen hin. Dieser "Anti-Aging-Effekt" für das verletzte oder alternde Nervensystem ist für Römmler vor allem angesichts der Zunahme von Demenzerkrankungen durch die Alterung der Gesellschaft ein wichtiger Gesichtspunkt.
Natürliches Progesteron bevorzugen
All diese positiven Wirkungen weisen synthetische Gestagene nur teilweise auf, manche bewirken sogar gegenteilige Effekte. Deshalb sieht Römmler gute Gründe dafür, bei einer Hormonersatztherapie natürliches Progesteron - auch zum Schutz vor Alterskrankheiten - gegenüber synthetischen Gestagenen zu bevorzugen.






