
Hormonersatztherapie in der Menopause
Bei jüngeren Frauen senkt sie die Sterblichkeit
Die Hormonersatztherapie (HRT) des Östrogenmangels bei Frauen in der Menopause wird seit über 60 Jahren weltweit angewendet. Die Auswertung bereits vorliegender Behandlungsdaten liefert nun neue Erkenntnisse zur Therapiesicherheit.
Die Hormonersatztherapie (HRT) des Östrogenmangels bei Frauen in der Menopause wird seit über 60 Jahren weltweit angewendet. Mehrere Beobachtungsstudien über Jahre wiesen bei jüngeren Frauen eine verminderte Gesamtsterblichkeit und erhöhte Langlebigkeit nach. 2002 zeigte die große Women’s-Health-Initiative-(WHI-) Studie ein erhöhtes Risiko für bestimmte Parameter bei älteren Frauen, was die Debatte zu den Vor- und Nachteilen der HRT erneut entfachte. US-amerikanische Forscher führten eine sorgfältige Zusammenschau (bayesianische Metaanalyse) der vergangenen Studien zu diesem Thema durch, um Daten aus allen Quellen statistisch auswerten zu können.
Die Suche von 1966 bis 2008 identifizierte hochwertige (RCT-)Studien von mindestens sechs Monaten Dauer und prospektive beobachtende Kohortenstudien, um die mit der HRT verbundene relative Sterblichkeit zu erfassen. Die Resultate wurden mit anspruchsvollen statistischen Methoden ausgewertet.
Die gepoolten Daten von 19 hochwertigen Studien (einschließlich der WHI-Studie), von 16 000 jüngeren Frauen (Altersmittelwert 55 Jahre) über 83 000 Patientenjahre ergaben ein relatives Sterblichkeitsrisiko von RR = 0,73. Im Vergleich zur Kontrollgruppe (ohne Hormonersatztherapie) war die Sterblichkeitsrate der HRT-Gruppe also um 27 Prozent geringer. Wenn die Daten von acht beobachtenden Studien hinzugefügt wurden, betrug das RR = 0,72 (28 Prozent Risikominderung).
Kommentar: Die Auswertung und Zusammenschau (Metaanalyse) der verwertbaren Daten über 40 Jahre mithilfe von anspruchsvollen statistischen Methoden lässt schlussfolgern, dass die HRT bei jüngeren Frauen in der Postmenopause sicher die Gesamtsterblichkeit vermindert. Die Autoren erklären das Endergebnis damit, dass das unter HRT ansteigende Risiko für Brustkrebs und Lungenembolie durch die Reduktion des Risikos für Schlaganfall, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Darmkrebs und Oberschenkelhalsfraktur mehr als ausgeglichen wird. Nicht zu vergessen ist dabei die höhere Lebensqualität während der ersten HRT-Jahre, so die Autoren.
Glossar:
Kohortenstudien: Untersucht wird eine zuvor genau festgelegte Gruppen von Menschen mit und ohne Kontakt zu einem Risikofaktor (bzw. mit oder ohne Anwesenheit eines Risikofaktors). Die Untersuchung verläuft über einen längeren Zeitraum hinweg. Am Ende des Beobachtungszeitraums wird der Erkrankungsstatus gemessen. Durch Vergleich der beiden Untergruppen (mit oder ohne Risikofaktor) kann man nun den Einfluss des untersuchten Risikofaktors auf die Erkrankungswahrscheinlichkeit abschätzen.
Bei prospektiven Kohortenstudien wird die Beobachtungsgruppe "in die Zukunft" (prospektiv) verfolgt. Der Krankheitsstatus ist noch unbekannt. Im Gegensatz hierzu ist bei retrospektiven Kohortenstudien die Beobachtung bereits abgeschlossen und der Krankheitsstatus bekannt. Retrospektive Studien sind in der Regel einfacher und kostengünstiger durchzuführen als prospektive Kohortenstudien. Da die Untersuchung der Studienteilnehmer aber bereits in der Vergangenheit liegt und somit nicht mehr zu beeinflussen ist, steigt u.U. die Fehlerwahrscheinlichkeit (z.B. indem wichtige Daten fehlen oder die Zusammensetzung der Untersuchungsgruppe ungünstig war).
RR (relatives Risiko): Das Verhältnis des Risikos der Merkmal-positiven zum Risiko der Merkmal-negativen ist das Risikoverhältnis (auch relatives Risiko genannt). Es gibt an, wie stark ein Risikofaktor das Erkrankungsrisiko erhöht.






