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Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko

Art der Östrogenzufuhr ist entscheidend

Bei einem deutlich erhöhten Thromboserisiko in den Wechseljahren sollte auf eine Hormontherapie mit Östrogen in Tablettenform verzichtet werden. Alternativ kann eine Zufuhr über die Haut infrage kommen.

Eine Reihe von Frauen in den Wechseljahren leidet erheblich unter den typischen Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schweißausbrüchen. Nach wie vor gilt die Hormontherapie (HT) mit Östrogenen (ggf. kombiniert mit Gestagenen) als die wirksamste Therapie, um diese Symptome zu lindern. Doch unterschiedliche Studienergebnisse belegen: Gerade wenn Östrogen in Tablettenform (orale Gabe) zugeführt wird, erhöht die HT das Risiko für Gerinnselbildungen (Thromben), die Gefäße am Ort ihrer Entstehung (Thrombose) oder aber, wenn sie vom Blutstrom mitgerissen werden, weiter entfernt (Embolie) verschließen können. Eine wesentlich geringere Gefahr scheint laut Experten von der Östrogenzufuhr über die Haut (transdermale Gabe) auszugehen – gerade für Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko ein wichtiges Kriterium bei der Wahl einer individuell geeigneten Hormonersatztherapie.

Nutzen und Risiken sorgsam prüfen – gerade bei erhöhtem Thromboserisiko

Das bedeutet, dass bei der Entscheidung, ob eine HT zum Einsatz kommt, der Nutzen – die deutliche Linderung der Symptome – gegen das Risiko – etwa das erhöhte Risiko für Thrombosen und Embolien (Thromboembolien) – vom Arzt und der Patientin sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen. Das gilt insbesondere, wenn bereits bestimmte Risikofaktoren für eine Thrombose vorliegen, so z.B. höheres Alter oder auch Übergewicht beziehungsweise Fettsucht.

Genetische Veränderungen unterstützen Thrombenbildung

Ein besonders hohes Risiko haben Frauen mit veränderten Erbanlagen, sogenannten prothrombotischen Mutationen.Wie der Name „pro Thrombose“ schon sagt, fördern diese Mutationen die Gerinnselentstehung. Zu den häufigsten dieser Mutationen zählen die Faktor V-Leiden-Mutation und eine bestimmte Prothrombin-Mutation. Faktor V und Prothrombin sind Substanzen, die bei den Gerinnungsvorgängen im Körper eine wichtige Rolle spielen. Frauen mit solchen Mutationen berichten nicht selten, dass andere Familienmitglieder eine Thrombose oder eine Embolie hatten. Außerdem sind sie selbst oft betroffen gewesen, häufig infolge einer Schwangerschaft oder der Einnahme oraler Kontrazeptiva („Pille“). Oft war dies Anlass, nach einer genetischen Veränderung zu fahnden.

Hormontherapie trotz erhöhtem Risiko?

Wie Studien zeigen, spielt die Art der Östrogenzufuhr in Bezug auf die weitere Erhöhung des Thrombose-Risikos eine wesentliche Rolle. So stellte sich in diversen Untersuchungen heraus, dass die orale Gabe das Thromboembolierisiko deutlich steigert. Dagegen ist die transdermale Zufuhr (also über die Haut) anscheinend mit einem niedrigeren Risiko behaftet, wobei weitere Untersuchungen noch klarere Ergebnisse liefern sollen.

Wissenschaftler untersuchen daneben auch die Bedeutung des Gestagens. Frauen, die noch ihre Gebärmutter haben, sollten eine kombinierte HT aus Östrogen und Gestagen erhalten, um so das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs nicht zu erhöhen. Gestagene beeinflussen offenbar auch die Entstehung von Thromben. Doch auch hier gibt es Unterschiede. So sind bestimmte Vertreter wie (mikronisiertes) Progesteron oder Pregnan-Abkömmlinge laut Studien mit einem niedrigeren Risiko behaftet als andere Gestagene.

Bei erhöhtem Thromboserisiko keine orale Gabe

Prinzipiell gilt für alle Frauen in den Wechseljahren, die bereits eine Thrombose oder eine Embolie hatten, dass sie keine orale Hormontherapie erhalten sollten. Das kann auch auf Frauen zutreffen, die eine prothrombotische Mutation haben oder in deren Familie bereits Thromboembolien aufgetreten sind. Nach sorgfältigem Abwägen von Nutzen und Risiko kann bei diesen Frauen eventuell eine transdermale Östrogentherapie erwogen werden, wie Experten empfehlen.


Quelle: Tremollieres, F. et al.: EMAS-Positionspapier: Menopause-Management bei Frauen mit venösen Thromboembolien in der eigenen oder der familiären Anamnese. Maturitas 2011; 69: 190–193

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause (HT). September 2009. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-062_S3_Hormontherapie_in_der_Peri-_und_Postmenopause__HT__lang_09-2009_12-2011.pdf (heruntergeladen am 19.09.2011)
Autor: aks
Stand: Oct 12, 2011


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