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Sexuelles Verlangen

Warum sich die Libido in den Wechseljahren verändert

Auch in den Wechseljahren bleibt Sexualität für Frauen ein wichtiges Thema. Bei einigen kommt es jedoch zum Verlust des sexuellen Verlangens. Die Ursachen für den Verlust der "Libido" sind noch umstritten.

Der Begriff Libido stammt ursprünglich aus der Psychoanalyse und bezeichnet die psychische Energie, die mit dem Sexualtrieb verknüpft ist. Heute wird Libido gemeinhin als Synonym für sexuelles Verlangen und sexuelle Lust verwendet. Eine verminderte Libido, wie sie bei Frauen im höheren Lebensalter gehäuft auftritt, kann das seelische Wohlbefinden und vor allem das Selbstwertgefühl der Betroffenen sehr beeinträchtigen - einer Untersuchung zufolge, die in mehreren europäischen Ländern durchgeführt worden war, teilweise sogar mehr als andere wechseljahresbedingte Beschwerden.

Sexualität ist auch im Alter wichtig

Was bei Männern allgemein bekannt und akzeptiert ist, wird für Frauen oftmals unter den Teppich gekehrt, nämlich dass auch sie sexuelle Interessen und Bedürfnisse bis ins hohe Alter hinein haben. Es ist nachgewiesen, dass Frauen nach den Wechseljahren sexuell genuss- und orgasmusfähig bleiben. Nach Umfragen bleibt für einen Großteil der Frauen ein befriedigendes Sexualleben auch im Alter wichtig.

Allerdings nimmt ihre Lust auf den klassischen Geschlechtsverkehr zunehmend ab. Während sich zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr die meisten noch mehrmals im Monat Sex wünschen, möchte die Hälfte aller Frauen jenseits der 70 gar keine sexuelle Beziehung mehr. Viele Frauen bevorzugen dann stattdessen andere Formen sexueller Stimulierung und zeigen beispielsweise mehr Interesse am Austausch von Zärtlichkeiten mit dem Partner.

Die Hormone können´s sein

Bislang wurde der Rückgang der Libido in und nach den Wechseljahren vor allem auf die hormonellen Umstellungsprozesse zurückgeführt. So können die körperlichen Veränderungen in dieser Zeit, z.B. die auftretenden Hitzewallungen oder Schweißausbrüche, für Verunsicherung sorgen. Viele Frauen fühlen sich dadurch nicht mehr attraktiv und versuchen, sich dem körperlichen Kontakt zu entziehen.

Der Mangel an weiblichen Geschlechtshormonen, den Östrogenen, führt zu Veränderungen der Scheidenschleimhaut. Diese wird weniger gut durchblutet und befeuchtet, wodurch Schmerzen beim Verkehr entstehen. Das mindert natürlich die Lust auf Sex. Abhilfe können hier hormonhaltige (Estriol) Cremes oder - Zäpfchen, eventuell auch Befeuchtungscremes, schaffen.

Doch als Zügler der Libido im eigentlichen Sinne gilt derzeit nicht die Abnahme der weiblichen Geschlechtshormone, sondern der Abfall der männlichen Hormone, also der Androgene wie Testosteron. Denn auch die Androgenspiegel sinken im Laufe der Wechseljahre ab. Ist das tatsächlich der Grund für eine bestehende Verringerung der Libido, kann durch die Einnahme androgenhaltiger Medikamente Besserung erreicht werden.

Weitere Gründe für nachlassende Libido

Neuere Untersuchungen zeigen allerdings, dass die Libido bei Frauen nicht zwangsläufig an den Spiegel der Androgene gekoppelt zu sein scheint. Trotz niedriger Androgenkonzentrationen verspüren demnach viele Frauen ein ungebrochen intensives sexuelles Verlangen. Experten verweisen deshalb bei der Frage nach der Ursache für eine verminderte Libido zunehmend auf andere mögliche Faktoren als Hormonveränderungen.

Dazu gehören Erkrankungen ebenso wie der Verlust des Partners oder Beziehungsprobleme. So hängen sowohl das sexuelle Verlangen als auch ein befriedigendes Sexualleben von der Qualität der bestehenden Partnerschaft ab. Von Bedeutung scheinen außerdem die sexuellen Erfahrungen über den gesamten Lebensverlauf hinweg zu sein. Frauen, die in der Vergangenheit ein zufriedenstellendes Sexualleben hatten, können offenbar auch im Alter häufiger ihr Sexualleben genießen.

Nicht immer nimmt die Libido ab

Längst nicht bei allen Frauen nimmt die Libido nach den Wechseljahren ab. Einige fühlen sich sogar freier in ihrer Sexualität - die lästigen Regelblutungen fallen ebenso weg wie die Verhütungsproblematik und die Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft. Der Auszug der erwachsen gewordenen Kinder kann belebend auf die Partnerschaft wirken und Lust auf einen Neuanfang auch in sexueller Hinsicht wecken.


Quelle: Nach Informationen von Journal für Menopause (Sonderheft 2/2003); JAMA (2005, 294(1):91-96); wissenschaft.de (6. Juli 2005); Berufsverband der Frauenärzte e.V. in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.; Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e.V.: Sexualstörungen bei Frauen. In: Fthenakis, W.E. & Textor, M.R. (Hrsg.): Online-Familienhandbuch (06.03.2006)
Autor: Kathrin Sommer
Stand: Aug 14, 2008


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