
Prävention für Frauen - Ernährung
Richtig essen - aber wie?
Zahlreiche Studien zeigen: Viele Deutsche sind zu dick. Zu den Ursachen gehören falsche Ernährung und Bewegungsmangel. Doch was tun, wenn schon die fünfte Diät versagt und auch Sport nicht weiterhilft?
Übergewicht gilt mittlerweile als Volkskrankheit, einige Experten sprechen sogar von einer "Epidemie". Zwei Drittel aller Männer und mehr als die Hälfte aller Frauen in Deutschland sind übergewichtig, jeder fünfte Bundesbürger ist bereits fettleibig. Im Alter nimmt die Häufigkeit von Übergewicht zu: Von den über 60-Jährigen weist knapp ein Drittel eine Fettleibigkeit auf. Der Grund: Der Energieverbrauch lässt mit dem Alter nach. So benötigt eine 50-jährige Frau täglich rund 400 Kalorien weniger als eine 25-jährige.
Der neuen Nationalen Verzehrsstudie der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel zufolge ist der häufigste Grund für Übergewicht die falsche Ernährung. Demnach schätzte nur jeder zehnte Teilnehmer dieser Studie seinen täglichen Energiebedarf realistisch ein. Die überwiegende Mehrheit der Befragten glaubte, sich mehr Kalorien zuführen zu müssen, als es in Hinblick auf ihre Aktivitäten tatsächlich der Fall war.
Und bringt man erst einmal zu viele Pfunde auf die Waage, ist der Kampf gegen sie schwer. Der Markt ist zwar voll mit Angeboten verschiedenster Diäten: Trennkost-Diäten, Mischkost-Diäten, Blutgruppen-Diäten, Fastenkuren, Formula-Diäten, Psycho-Diäten und sogar Internet-Diäten versprechen Abnehmen in Windeseile. Viele dieser Diäten sind im Alltag allerdings nicht praktikabel und nach kürzester Zeit haben die Betroffenen die überflüssigen Pfunde wieder drauf.
"Insulin in Schach halten"
Dr. Detlef Pape, Internist und Ernährungsmediziner aus Essen, weiß, warum die Diäten so wenig bringen: "Abnehmen heißt eben nicht hungern. Wer abnehmen will, muss essen - aber die Nahrungsmittel klug auswählen." Sein Geheimrezept lautet: "Das Insulin in Schach halten". Insulin ist ein körpereigenes Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse insbesondere bei Aufnahme von Kohlenhydraten ausgeschüttet wird. Es senkt den Blutzucker, der nach dem Essen ansteigt, schnell wieder auf die Ausgangswerte und stellt die Nährstoffe den Körperzellen zur Verfügung. Zugleich blockiert Insulin die Fettverbrennung.
Daher wird es vor allem dann problematisch, wenn man Kohlenhydrate (z.B. in Brot, Nudeln, Kartoffeln, Zucker) zusammen mit tierischen Fetten (z.B. in Käse, Quark, Joghurt, Wurst, Fleisch) zu sich nimmt: Die Kombination führt zu einer maximalen Stimulierung der Bauchspeicheldrüse, die darauf mit einer hohen Insulinantwort reagiert. Dadurch werden die tierischen Fette nicht verwertet, sondern in Depots eingelagert.
Schlank im Schlaf
Grundprinzip einer vernünftigen Ernährung, so Pape, seien drei richtige Mahlzeiten zum Sattessen. Zum Frühstück sollten Kohlenhydrate überwiegen, Mittags sei Mischkost zu empfehlen. Abends hingegen rät er zu einem weitgehenden Verzicht auf kohlenhydratreiche Nahrungsmittel, da die Fettverbrennung vor allem nachts erfolgt. Pape empfiehlt Fisch, mageres Fleisch, Magerkäse, Naturjoghurt oder Quark. So könne der Körper nachts Fett aus den Depots verbrennen: Ganz einfach Abnehmen im Schlaf!
Bei den kleinen Mahlzeiten zwischendurch mit süßen oder fettigen Snacks rät Pape zum Verzicht. Gleiches gilt für "geheime Dickmacher" wie Wurst und Käse mit hohem Fettgehalt sowie Limonaden, Fruchtsäfte und Süßigkeiten, die Fruktose enthalten. Oftmals hilft es, sich mit Gleichgesinnten zusammenzufinden, etwa in Form einer Abnehmgruppe. Sinnvoll ist dabei eine medizinische Betreuung, um den Prozess des Abnehmens aus gesundheitlicher Sicht überwachen zu lassen.
Bauchfettsucht erhöht Erkrankungsrisiko
In der Diagnostik hält Pape große Stücke auf das Zentimetermaß. Ist bei Frauen der Taillenumfang größer als 88 Zentimeter, liegt eine Bauchfettsucht vor. Diese ist - anders als das Fett an Hüfte und Oberschenkeln - besonders gefährlich im Hinblick auf mögliche Folgekrankheiten wie Diabetes mellitus, Arterienverkalkung, Bluthochdruck und Herzkrankheiten und sollte daher vermieden werden.
Quelle: Newsletter Prävention, 01/2008, Hrsg. Dr. Kade/Besins Pharma GmbH; Nationale Verzehrsstudie II. Hrsg. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz; D. Pape et al. Satt - Schlank ? Gesund. Das Ernährungs-Praxisbuch nach dem Insulinprinzip. Deutscher Ärzte-Verlag 2003






