Picknick im GrĂ¼nen mit Fisch

Unterschätztes Risiko Cholesterin

Frauen achten zu wenig auf die Blutfette

Herzkreislauferkrankungen sind bei Frauen nach den Wechseljahren die häufigste Todesursache. Dass hohe Blutfettwerte ein Hauptrisikofaktor für Herzinfarkt oder Angina pectoris darstellen, unterschätzen viele.

Herzkreislauferkrankungen sind in Deutschland die häufigste Erkrankungs- und Todesursache. So starben laut amtlicher Todesursachenstatistik allein im Jahr 2003 in Deutschland fast 30.000 Frauen und 35.000 Männer an einem akuten Herzinfarkt. Demnach gingen bei Frauen mehr als sechs von 100 Todesfällen (6,5 Prozent) auf das Konto eines Herzinfarkts, bei Männern sogar fast neun (8,7 Prozent).

Die gute Nachricht dabei ist: Dank verbesserter Therapien können immer mehr Menschen mit einem akuten Herzinfarkt gerettet werden. Die schlechte: Nach wie vor erkranken sehr viele Menschen an Herzkreislauferkrankungen, obwohl die Risikofaktoren bekannt sind und die Gefahr durch eine gesunde Lebensweise deutlich gesenkt werden kann.

Besondere Gefahr nach der Menopause

Frauen erleiden in jüngeren Jahren erheblich seltener Herzkreislauferkrankungen als Männer, insbesondere einen Herzinfarkt. Nach dem Eintritt der Wechseljahre steigt jedoch das Risiko auch beim weiblichen Geschlecht deutlich an. Dies wird auf die Schutzwirkungen der Östrogene, der weiblichen Sexualhormone, zurückgeführt. Nimmt deren Konzentration während der Wechseljahre ab, geht auch ihr Schutzmechanismus verloren und das Risiko für eine Verkalkung der Blutgefäße (Arteriosklerose) und damit verbundene Herzkreislauferkrankungen steigt.

Blutfettwerte spielen wichtige Rolle

Gerade bei Frauen wird die Rolle, die die Blutfette bei der Entstehung von Arteriosklerose spielen, oft noch unterschätzt. Das Risiko für die krankhaften Vorgänge in den Blutgefäßen wird u.a. durch ein ungünstiges Verhältnis von "gutem" zu "schlechtem" Cholesterin erhöht. Cholesterin als solches ist für den menschlichen Zellstoffwechsel zwar unentbehrlich. Allerdings begünstigen hohe Spiegel an "schlechtem" LDL-Cholesterin, niedrige Spiegel an "gutem" HDL-Cholesterin und hohe Spiegel an Triglyzeriden, die ebenfalls zu den Blutfetten gehören und Energiespeicher darstellen, das Auftreten von Herzinfarkt, Angina pectoris oder Schlaganfall.

Die hohen Werte der ungünstigen Blutfette führen zu Ablagerungen an den Gefäßinnenwänden. Diese erhöhen das Risiko für Blutgerinnsel, die in Richtung Herz oder Hirn wandern, dort die Blutversorgung behindern und auf diese Weise einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen können. So verdoppelt jede Steigerung des Gesamtcholesterin-Werts im Blut um 50 mg/dl nach Angaben der Deutschen Herzstiftung das Risiko für einen Herzinfarkt. Personen mit einem Gesamtcholesterin-Spiegel von 250 mg/dl haben also ein doppelt so hohes Herzinfarktrisiko wie Personen mit einem Spiegel von 200 mg/dl.

Was heißt "hoher Cholesterinspiegel"?

Wie hoch die Cholesterin-Spiegel im Blut sein dürfen, hängt im Wesentlichen davon ab, ob noch andere Risiken für Herzkreislauferkrankungen vorliegen. So werden von Medizinern bei Gesunden ohne zusätzliche Risikofaktoren und ohne Hinweise auf Gefäßerkrankungen deutlich höhere Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterinwerte akzeptiert als bei Personen mit weiteren Risikofaktoren wie frühe Herzinfarkte bei Verwandten ersten Grades, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Rauchen oder Übergewicht.

Empfehlungen bezüglich der Cholesterinspiegel

PersonengruppeGesamtcholesterin (mg/dl)LDL-Cholesterin (mg/dl)
Gesunde ohne zusätzliche Risikofaktoren< 240< 160
Gesunde mit zusätzlichen Risikofaktoren< 200<130
(nach neueren Empfehlungen sogar < 100, besonders bei niedrigem HDL-Cholesterin)
Patienten mit Herz-und Gefäßerkrankungen< 150< 100
(optional <70)




Besonders niedrige LDL- und Gesamtcholesterin-Werte sollten Personen anstreben, bei denen bereits eine Herz- oder Gefäßerkrankung aufgetreten ist, z.B. ein früherer Herzinfarkt oder eine Angina pectoris. Denn Untersuchungen zeigen, dass gerade bei Vorerkrankungen der Blutgefäße eine Senkung des LDL-Cholesterins unter 70 mg/dl das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten kann. Bei verengten Herzkranzgefäßen - diese stellen die Blutversorgung des Herzens sicher - bilden sich die Verengungen teilweise sogar zurück. Die Blutwerte des als "gut" eingestuften HDL-Cholesterins sollten nach den Empfehlungen demgegenüber möglichst hoch sein.

Blutfettwerte günstig beeinflussen

Die Cholesterinwerte im Blut können durch eine gesunde Lebensweise positiv beeinflusst werden. So lässt sich mithilfe einer ausgewogenen kalorien- und fettarmen Ernährung das LDL-Cholesterin deutlich senken. Als günstig gilt die Mittelmeerkost mit viel Obst, Gemüse und Fisch. Besondere Bedeutung scheint den so genannten Omega-3-Fettsäuren und ihren Vorstufen zuzukommen, die z.B. in Raps- und Olivenöl sowie Fisch enthalten sind. Sie erhöhen die HDL-Konzentration und wirken außerdem gerinnungshemmend. Erhöhte Triglyzeride können wirkungsvoll durch eine Reduzierung des Alkoholkonsums und des Verzehrs von zuckerhaltigen Lebensmitteln gesenkt werden. Darüber hinaus lässt sich HDL-Cholesterin durch vermehrte körperliche Aktivität erhöhen.

Mitunter sind Medikamente notwendig

Reicht eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten nicht aus, empfiehlt sich bei besonders hohem Risiko eine Senkung des Cholesterins durch Medikamente. Mittel der Wahl sind so genannte Statine. Sie senken den LDL-Wert je nach Dosierung um 30 bis 50 Prozent. Wenn die Wirkung der Statine nicht ausreicht, ist eine Kombination mit anderen blutfettsenkenden Mitteln möglich.


Quelle: Nach Informationen von Deutsche Herzstiftung e.V., Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V., Gesundheitsberichterstattung des Bundes "Gesundheit in Deutschland 2006" sowie Lipid-Liga e.V.
Autor: Kathrin Sommer
Stand: Jan 20, 2009


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