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Schutz für Herz und Gefäße

Herzinfarktrisiko steigt nach der Menopause

Nach den Wechseljahren steigt bei Frauen das Herzinfarktrisiko deutlich an. Eine Ursache ist der Hormonmangel, zudem spielen weitere Risikofaktoren eine Rolle. Ein Online-Rechner ermittelt das individuelle Risiko.

Eine fettreiche Ernährung, wenig körperliche Bewegung in Beruf und Freizeit, Übergewicht, Rauchen und Stress - all das sind für viele Menschen normale Begleiter ihres Lebensalltags geworden. Was in jungen Jahren scheinbar noch keine oder kaum Probleme verursacht, kann sich im höheren Lebensalter bitter rächen: Eine typische Folge ist die Gefäßverkalkung, die so genannte Arteriosklerose, in deren Folge Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall entstehen können.

In jungen Jahren haben Frauen durch die weiblichen Sexualhormone Östrogene einen gewissen Schutz vor Arteriosklerose und den damit einhergehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mit dem Eintritt in die Wechseljahre und dem Versiegen der Hormonproduktion fällt dieser Schutz jedoch nach und nach weg und die Häufigkeit von Herzinfarkten bei Frauen nach der Menopause nimmt deutlich zu.

Mit Hormonen das Herzinfarktrisiko senken?

Eine gesunde Lebensweise mit viel körperlicher Bewegung und einer ausgewogenen, kalorien- und fettarmen Ernährung ist ein guter Weg, der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einem Herzinfarkt vorzubeugen. Zusätzlich kann es - insbesondere bei Wechseljahresbeschwerden - sinnvoll sein, die fehlenden Hormone zu ersetzen.

Allerdings ist in Bezug auf das Herzinfarktrisiko vermutlich nicht jede Form der Hormonersatztherapie geeignet. So wiesen Studien bei einer dauerhaft durchgeführten Kombinationstherapie aus Östrogenen und Gestagenen ein erhöhtes Herzinfarktrisiko gegenüber Frauen ohne Hormontherapie nach. Vorteilhaft für das Herz scheint es dagegen zu sein, eine Kombinationstherapie zyklisch durchzuführen, also Behandlungsphasen mit Behandlungspausen abzuwechseln, oder Östrogene allein anzuwenden.

Besonders empfehlenswert ist zudem womöglich die Anwendung von Östrogenen über die Haut als Gel oder Pflaster. Denn in einer großen Studie aus Dänemark von der Arbeitsgruppe um Dr. Ellen Lokkegaard, Rigshospitalet, Kopenhagen, Dänemark, hatten Frauen, die Östrogene über die Haut zuführten, ein deutlich niedrigeres Herzinfarktrisiko als Frauen, die niemals eine Hormonersatztherapie durchgeführt hatten oder während der Studie Östrogene in Tablettenform einnahmen. Auch bei einer vaginalen Anwendung von Hormonen sank das Herzinfarktrisiko.

Auch andere Studien deuten darauf hin, dass sich das Ersetzen der fehlenden Östrogene in der Menopause womöglich günstig auf die Gesundheit des Herzens auswirkt. Zu ihnen gehört eine Untersuchung von Dr. Joann E. Manson, Harvard Medical School, Boston, Massachusetts, USA, an der Frauen im Alter zwischen 50 und 59 Jahren teilgenommen haben: Hier wiesen die Frauen, die gegen Wechseljahresbeschwerden mit Östrogenen behandelt worden waren, seltener Kalkablagerungen in den herzversorgenden Blutgefäßen auf als Gleichaltrige, die ein Scheinmedikament erhalten hatten.

Da die bisherige Forschungslage zum Herzinfarktrisiko bei Hormonersatztherapie jedoch nicht eindeutig ist, müssen nach Aussage von Experten weitere große Studien durchgeführt werden. Deshalb gilt derzeit die allgemeine Empfehlung: Eine Hormonersatztherapie dient in erster Linie der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden und nicht der Vorbeugung eines Herzinfarkts.

Wie hoch ist das individuelle Herzinfarktrisiko?

Sein individuelles Herzinfarktrisiko kann inzwischen jeder online ermitteln: Anerkannte Experten der International Task Force for Prevention of Coronary Heart Disease haben anhand einer großen Studie einen Algorithmus zur Risiko-Berechnung entwickelt, der im Internet zur Verfügung steht.

Er basiert auf Faktoren wie Alter, Geschlecht, Blutfettwerten ("gutes" HDL-Cholesterin, "schlechtes" LDL-Cholesterin, Triglyzeride), der Höhe des Blutdrucks, Rauchen, dem Vorhandensein von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) sowie der Tatsache, ob ein Verwandter ersten Grades (Eltern, Geschwister) vor dem 60. Lebensjahr einen Herzinfarkt erlitten hat. Aus diesen Angaben ermittelt der Online-Risiko-Rechner das individuelle Risiko, innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Herzinfarkt zu erleiden.

Weitere Informationen und den Risiko-Rechner finden sich unter: www.chd-taskforce.com


Quelle: Nach Informationen von Lokkegaard E, et al. European Heart Journal. 2008 29:2660-8, Manson JE, et al. New England Journal of Medicine. 2007;356,2591-602 sowie International Task Force for Prevention of Coronary Heart Disease
Autor: Kathrin Sommer
Stand: Jan 8, 2009


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