
Fragen und Antworten
FAQ: Hormontherapie in den Wechseljahren
Die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren werfen viele Fragen auf. Die wichtigsten Antworten haben wir für Sie zusammengestellt.
Woran merke ich, dass ich in die Wechseljahre komme?
Wenn im Alter um die 50 Jahre die Blutungen unregelmäßig werden oder ausbleiben, wenn Symptome auftreten wie plötzliche Hitzewallungen, Schweißausbrüche oder Schlafstörungen. Wenn man merkt, dass die Konzentration nachlässt, man gereizter reagiert, nicht mehr so leistungsfähig ist, können dies alles Anzeichen sein, dass die Wechseljahre eingetreten sind. Will man sich ganz sicher sein, kann der Arzt mit einer Hormonbestimmung feststellen, ob ein Hormonmangel vorliegt.
Wie lange dauern die Wechseljahre?
Das ist von Frau zu Frau ganz unterschiedlich. Für 95 Prozent der Frauen beginnt diese Übergangsphase zwischen dem 39. und 51. Lebensjahr (im Durchschnitt um die 46 Jahre). Manche Frauen spüren kaum Beeinträchtigungen, manche Frauen leiden nur wenige Monate unter Hitzewallungen, Schlafstörungen und anderen Symptomen. Und bei manchen Frauen können die Beschwerden jahrelang anhalten. Zeiträume zwischen sechs und zwanzig Jahren sind keine Seltenheit. Durch die steigende Lebenserwartung leben Frauen heute nach der Menopause über 30 Jahre in der postmenopausalen Phase.
Wechseljahre sind doch keine Krankheit. Warum sollte man sich dennoch behandeln lassen?
Die Übergangsphase von der vollen Geschlechtsreife bis hin zum endgültigen Versiegen der Ovarialfunktion ist eine natürliche Lebensphase. Bei manchen Frauen können die Beschwerden, die die hormonelle Umstellung mit sich bringt, aber so gravierend sein, dass sie Krankheitswert erlangen. Zudem können die späten Folgen des Hormonmangels an der Haut, den Schleimhäuten, dem Blasentrakt und Geschlechtsorganen zu erheblichen Langzeitbeschwerden führen. Außerdem weiß man heute, dass eine Hormonersatztherapie einen schützenden Effekt auf den Knochenstoffwechsel hat und das Herzinfarktrisiko um bis zu 51 Prozent senken kann vorausgesetzt allerdings, dass mit der Therapie frühzeitig begonnen wird.
Welche Symptome können mit einer Hormonersatztherapie behandelt werden?
Prinzipiell können alle Symptome der Wechseljahre mit einer Hormonersatztherapie behandelt werden. Dazu zählen in erster Linie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen, Schlaf- und Sexualstörungen. Auch Brustpannen, Blasenprobleme (Harninkontinenz) und Scheidentrockenheit können mit Hormonpräparaten vermindert werden.
Was sind natürliche Hormone"?
In Präparaten mit natürlichen Hormonen sind die Wirkstoffe in ihrer Molekularstruktur dem natürlichen Östrogen oder Progesteron identisch. Dadurch treten weniger unerwünschte Nebenwirkungen auf. Natürliche Hormone wirken überall da, wo körpereigene Hormone auch wirken.
Erhöht eine Hormonersatztherapie das Risiko von Thrombosen?
Sicherheitsaspekte spielen bei der Hormonersatztherapie eine große Rolle. Wie eine große amerikanische Studie zur Frauengesundheit (WHI Womans Health Initiative) bestätigt hat, steigt unter der Einnahme von Tabletten (orale Applikation) das Risiko für venöse Thromboembolien. Besonders gefährdet sind Frauen mit Gerinnungsstörungen und mit Übergewicht. Dies ist nicht der Fall, wenn Östrogene über die Haut (transdermale Applikation) zugeführt werden, beispielsweise in Form eines Dosiergels. Die größte Untersuchung in diesem Zusammenhang zeigte für orale Östrogene eine Zunahme des Thromboserisikos auf mehr als das Dreifache, aber keine Zunahme bei der transdermalen Anwendung, selbst dann nicht, wenn eine Anlage für Gerinnungsstörungen oder massives Übergewicht vorliegt.
Erhöht eine Hormonersatztherapie das Risiko für Brustkrebs?
Eine jüngste französische Studie, in der fast 70.000 Frauen über sieben Jahre beobachtet wurden, ergab, dass bei einer kombinierten Hormonersatztherapie natürliches Progesteron im Gegensatz zu synthetischen Gestagenen das Brustkrebsrisiko nicht erhöht. Für über die Haut angewendete Hormone in Verbindung mit natürlichem Progesteron lag das Brustkrebsrisiko nicht höher als das von Frauen, die keine Hormone angewandt hatten.
Wie funktioniert die Verabreichung von natürlichen Hormonen über die Haut?
Da natürliche Hormone von der Haut sehr gut aufgenommen werden, ist eine Verwendung von Gels oder Cremes äußerst vorteilhaft. Die Haut bildet nach dem Auftragen ein natürliches Depot für die Wirkstoffe und gibt sie langsam und gleichmäßig an den Körper ab. Anders als bei der Einnahme von Tabletten umgeht man auch eine Belastung des Magen-Darm-Trakts und der Leber, der Fettstoffwechsel und die Blutgerinnung werden nicht negativ beeinflusst. Mithilfe von Gels oder Cremes kann die Dosierung ganz individuell den täglichen Bedürfnissen jeder Frau angepasst werden. Bei Hormonpflastern kann es zu Hautirritationen kommen.
Können auch pflanzliche Präparate bei Wechseljahresbeschwerden helfen?
Alles was eine Wirkung hat, kann auch Nebenwirkungen haben. Darüber lassen sich manche allein durch den Begriff pflanzlich" hinwegtäuschen. Pflanzliche Präparate können bei leichten Wechseljahresbeschwerden helfen. Sie greifen jedoch nicht an der Ursache der Beschwerden, dem Versiegen der körpereigenen Hormone, an. Außerdem gibt es bis heute keine wissenschaftlichen Untersuchungen über Nutzen und Risiken bei einer Langzeiteinnahme.
Wie kürzlich auch sechs frauenärztliche Vereinigungen in Deutschland in einer gemeinsamen Empfehlung formulierten, sind pflanzliche Präparate zur Behebung von Symptomen der Wechseljahre hinsichtlich ihres Nutzens und ihres Risikos derzeit nicht ausreichend zu bewerten und stellen daher keine Alternative zur ursachengerichteten Hormonersatztherapie dar.
Man sollte deshalb nicht einfach pflanzliche Präparate aus der Apotheke kaufen, sondern eine Therapie vorher immer mit dem behandelnden Arzt klären.
Wie lange sollte man Hormone einnehmen?
Die Dauer einer Hormonersatztherapie richtet sich zum einen nach den Beschwerden. Die häufigsten Symptome wie Hitzewallungen und Schlafstörungen werden mit einer Hormonersatztherapie rasch gelindert. Manche Ärzte empfehlen deshalb so genannte Auslassversuche". Dabei sollten die Hormone nicht plötzlich abgesetzt werden, sondern über einen längeren Zeitraum reduziert werden, da die Beschwerden sonst wieder, manchmal sogar umso heftiger, einsetzen. Zum anderen gilt es auch, den schützenden Effekt einer Hormonersatztherapie auf die Gefäße und Knochen abzuwägen. Die aktuelle Datenlage zeigt heute, dass bei frühem Beginn einer Hormonersatztherapie, unter Vermeidung eines langjährigen Östrogenmangels, der Nutzen die Risiken meist überwiegt.
Wichtig ist, dass man möglichst niedrig und individuell dosierbare Präparate wählt, möglichst früh mit einer Therapie beginnt, natürliche, körperidentische Hormone bevorzugt und die jeweils am besten geeignete Anwendungsform berücksichtigt.






