
Hysterektomie
Gebärmutterentfernung keine Bagatelle
Meinungen wie: "Die Gebärmutter ist doch nicht so wichtig, wenn ich kein Kind mehr bekommen möchte" oder: "Ohne Gebärmutter kommt man auch nicht in die Wechseljahre" sind weit verbreitet. Doch Frauen sollten die möglichen Konsequenzen einer Gebärmutterentfernung kennen, bevor sie sich zu diesem Schritt entschließen.
Die operative Entfernung der Gebärmutter, Hysterektomie genannt, gehört zu den häufigsten Operationen bei Frauen. Schätzungen zufolge werden in Deutschland jedes Jahr rund 80.000 bis 90.000 Hysterektomien durchgeführt. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland jeder dritten Frau im Laufe des Lebens die Gebärmutter entfernt wird. Häufigste Gründe für den Eingriff sind schwere Blutungsstörungen und gutartige Tumoren der Gebärmutter, insbesondere Myome.
Viele Menschen glauben, wenn kein Kinderwunsch mehr bestehe, würde eine Entfernung der Gebärmutter "nichts ausmachen", weil diese dann nicht mehr notwendig sei. Doch die Gebärmutter ist ein wichtiges Sexualorgan. Ihr Fehlen kann weitreichende Konsequenzen haben, über die sich die Betroffenen vor dem Eingriff im Klaren sein sollten.
Vorzeitige Wechseljahre und Blasenschwäche
Ohne Gebärmutter können Frauen definitiv keine Kinder mehr bekommen. Darüber hinaus droht ein vorzeitiges Eintreten der Wechseljahre. Bei Frauen, die vor dem Eingriff die Wechseljahre noch nicht erreicht haben, werden zwar die Eierstöcke bei der Operation möglichst nicht entfernt, um die Hormonproduktion aufrechtzuerhalten. Zahlreiche Untersuchungen deuten allerdings darauf hin, dass es in Folge der Gebärmutterentfernung zu einem beschleunigten Ausfall der Eierstockfunktion kommen kann. Die Eierstöcke stellen die Bildung von Sexualhormonen ein, so dass die typischen Wechseljahrsbeschwerden vorzeitig eintreten können.
Auch eine Zunahme von Blasenschwäche wurde als Konsequenz einer Hysterektomie beobachtet. Experten vermuten, dass die Abtrennung der Gebärmutter vom Beckenbodengewebe den Mechanismus des Harnröhrenschließmuskels beeinflusst und das Stützgewebe von Harnröhre und Harnblasenansatz verändert. Ungewollter Harnabgang (Harninkontinenz), insbesondere bei plötzlicher Belastung wie Husten, Lachen oder beim Anheben schwerer Gegenstände, ist die Folge.
Auswirkungen auf Sexualität
Eine Entfernung der Gebärmutter kann sich auch auf die Sexualität auswirken. So existieren Berichte über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, den Verlust des sexuellen Verlangens oder eine verminderte Erregbarkeit während des Verkehrs. Andere Untersuchungen hingegen konnten eine Beeinträchtigung des Sexuallebens durch eine Hysterektomie nicht bestätigen. Sie zeigten im Gegenteil, dass Frauen nach dem Eingriff ein stärkeres sexuelles Verlangen aufwiesen und häufiger Geschlechtsverkehr hatten, bei dem sie öfter als zuvor einen Orgasmus erlebten.
Psychische Probleme: Umstritten
Umstritten ist auch, ob eine Hysterektomie zu psychischen Problemen führt oder nicht. So kann es zu einem erlebten Verlust von Weiblichkeit kommen, der mit depressiven Verstimmungen, verstärkter Müdigkeit und Abgeschlagenheit einhergeht. Andere Untersuchungen ergaben dagegen, dass sich die allgemeine Befindlichkeit und Lebensqualität eher verbessern, weil die Entfernung der Gebärmutter mit einer Abnahme von Symptomen wie Blutungsstörungen und Schmerzen einhergeht.
Frauen, denen aus medizinischen Gründen von ihrem Arzt eine Hysterektomie angeraten wird, sollten sich daher in jedem Fall ausführlich über die zu erwartenden Konsequenzen informieren lassen. Der Nutzen des Eingriffs und seine eventuell zu erwartenden Folgen müssen gründlich gegeneinander abgewogen werden, um eine Entscheidung für oder gegen die Operation treffen zu können.
Quellen: Altman, D. et al. (2007). Hysterectomy and risk of stress-urinary-incontinence surgery: nationwide cohort study. The Lancet, 370: 1494-1499;
Dudenhausen, J.W. & Schneider, H.P.G. (Hrsg.): "Frauenheilkunde und Geburtshilfe" (de Gruyter 1994)
Bericht der BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH "Indikation bei Hysterektomie"






