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Osteoporose

Wie vorbeugen und therapieren?

Zwar steigt nach den Wechseljahren das Osteoporoserisiko an, doch können Frauen der Entstehung vorbeugen. Tritt die Osteoporose dennoch ein, gibt es verschiedene Therapieoptionen.

Fast acht Millionen Menschen leiden in Deutschland an der Osteoporose, besonders Frauen über 50 sind davon betroffen. Grund für das höhere Risiko der Frauen nach den Wechseljahren ist der Östrogenmangel mit der möglichen Folge eines beschleunigten Abbaus von Knochenmasse. Entwickelt sich daraus eine Osteoporose, nimmt auch das Risiko für Wirbelkörper- und andere Knochenbrüche, z.B. des Oberschenkelknochens, zu.

Vorbeugen ist möglich

Doch muss dies nicht sein. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener kalziumreicher Ernährung und viel körperlicher Bewegung kann dieser Entwicklung vorbeugen. So empfiehlt es sich, viel grünes Gemüse, Obst, Nüsse, kalziumhaltige Getränke und fette Seefische zu sich zu nehmen. Auch Milchprodukte enthalten viel Kalzium, vor allem fettarme Milch und fettarmer Käse. Außerdem fördert der Milchzucker (Laktose) die Aufnahme des Kalziums im Darm. Fleisch, Wurst und Cola sollten in nicht zu großen Mengen genossen werden. Das darin vorkommende Phosphat hemmt nämlich die Resorption vom Kalzium. Sportliche Aktivitäten zählen ebenfalls zu den wichtigen vorbeugenden Maßnahmen. Hier stehen Fitness-, Koordinations- und Kraftraining im Vordergrund. Aber auch Spazierengehen, Gartenarbeit oder ähnliches unterstützen den Knochenaufbau.

Zudem raten Experten dazu, täglich mindestens 30 Minuten Sonnenlicht zu "tanken", sodass genügend Vitamin D gebildet wird - ein Hormon, das für den Knochaufbau sehr wichtig ist. In den Herbst- und Wintermonaten kann sich das schwierig gestalten. Aus diesem Grund, aber auch aus anderen Gründen, kann unter Umständen Vitamin D in Kombination mit Kalzium zusätzlich zugeführt werden.

Rauchen und übermäßiger Alkoholgenuss, aber auch Untergewicht gelten als Risikofaktoren für Knochenbrüche sowie Osteoporose und sind deshalb zu meiden. Besteht bereits eine Osteoporose, empfiehlt es sich, Gefahrenquellen für Stürze zu beseitigen. So kann die Betroffene z.B. über herumliegende Kabel stolpern oder in der Dusche fallen. Aber auch mangelnde Beleuchtung und bestimmte Medikamente, z.B. Beruhigungs- oder Schlafmittel, können das Risiko für Stürze und damit Knochenbrüche steigern.

Unter bestimmten Umständen kommen Östrogene zur Vorbeugung der Osteoporose infrage, so z.B. bei Frauen mit zusätzlich sogenannten vasomotorischen Symptomen wie Hitzewallungen oder Nachtschweiß. Ein sorgfältiges Abwägen von Nutzen und Risiko ist hierbei notwendig.

Liegt bereits eine Osteoporose womöglich mit Knochenbrüchen vor, können unter bestimmten Voraussetzungen medikamentöse oder operative Therapien begonnen werden.

Wann wird behandelt?

Eine medikamentöse Behandlung der Osteoporose empfehlen Fachleute, wenn das Risiko für einen Knochenbruch eines Wirbelkörpers oder des Oberschenkelhalses innerhalb der nächsten zehn Jahre einen bestimmten Wert überschreitet oder wenn bereits ein osteoporotisch bedingter Wirbelkörperbruch besteht. Das Risiko für einen Knochenbruch kann der behandelnde Arzt aus dem Lebensalter und der aktuell ermittelten Knochendichte bestimmen. Es steigt zudem an, wenn weitere Risikofaktoren bestehen: z.B. ein Knochenbruch nach einem verhältnismäßig leichten Sturz, ein osteoporotisch bedingter Bruch des Oberschenkelhalsknochens bei Mutter oder Vater, häufige Stürze, Rauchen oder Immobilität.

Zur Behandlung stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, z.B. die Bisphosphonate Alendronat, Ibandronat und Risedronat sowie Raloxifen. Sie können langfristig das Risiko für Wirbelkörperbrüche senken, einige auch das Risiko für andere Knochenbrüche. Voraussetzung ist allerdings, dass die Medikamente langfristig eingenommen werden.

Auch bei Wirbelkörperbrüchen - Bewegen hilft

Wirbelkörperbrüche kommen bei fortgeschrittener Osteoporose nicht selten vor. Sie sind oft mit starken Schmerzen verbunden, sodass die Betroffenen sich weniger bewegen. Dadurch bessert sich die Situation langfristig allerdings keineswegs - im Gegenteil: die Gelenke werden steif und verlieren ihre Funktionsfähigkeit, und die Osteoporose schreitet beschleunigt fort mit dem Risiko für weitere Wirbelkörperbrüche.

Schmerzstillende Medikamente und ein spezielles physiotherapeutisches Bewegungsprogramm sollen deshalb helfen, die Beweglichkeit der Betroffenen nach einem Wirbelkörperbruch schnellstmöglich wiederherzustellen.

Vertebro- und Kyphoplastie - zwei minimal-invasive Verfahren

Zwei gängige Verfahren zur Behandlung von über Monate anhaltenden Schmerzen bei Wirbelkörperbrüchen sind unter bestimmten Voraussetzungen die Vertebro- und Kyphoplastie. Bei beiden Methoden ist kein größerer Eingriff nötig, weshalb sie als minimal-invasive Verfahren ("Knopflochchirurgie") bezeichnet werden.

Vertebroplastie
Bei der Vertebroplastie spritzt der Operateur - meist unter lokaler Betäubung - über eine Kanüle einen Kunststoff in den gebrochenen Wirbelkörper. Der Kunststoff, ein medizinischer Zement, verteilt sich in dem erkrankten Wirbelkörper, erhärtet und stabilisiert dadurch diesen von innen. Durch das Verfahren kommt es schnell zu einer deutlichen Linderung der Schmerzen. Der Eingriff dauert höchstens eine Stunde und kann mitunter sogar ambulant durchgeführt werden.

Kyphoplastie
Die Kyphoplastie findet meist unter Vollnarkose statt. Dabei schiebt der Arzt einen Ballon in den gebrochenen Wirbelkörper vor und bläst ihn anschließend mit Röntgenkontrastmittel auf, wodurch sich der Wirbelkörper aufrichtet. Anschließend lässt er den Ballon ab und entfernt ihn. In den dadurch entstandenen Hohlraum wird ein medizinischer Zement eingebracht, der den Wirbelkörper von innen stabilisiert.

Beide Verfahren, die Vertebro- und die Kyphoplastie, können die behandelten Wirbelkörper stabilisieren, rasch Schmerzen lindern oder sogar beseitigen und die Bewegungsfähigkeit der Betroffenen wiederherstellen.


Quelle: Nach Informationen der S3-Leitlinie des Dachverbands der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften e.V.: "Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Frauen ab der Menopause, bei Männern ab dem 60. Lebensjahr" (Stand: 2006); einer Pressemitteilung der LMU München vom 22.09.2008; der Zeitschrift "Arzt & Prävention" 2007; Ausgabe 6 sowie 2008 Ausgabe 1
Autor: Kathrin Sommer
Stand: Jun 18, 2009


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