
Intimität und Menopause
Bis ins hohe Alter: Sexualität ist kein Tabu
Die hormonellen Umstellungen während der Wechseljahre und das Altern an sich führen zu körperlichen Veränderungen, die auch die Sexualität beeinflussen. Eine gute Partnerschaft kann diese Probleme meistern.
Obwohl der Anteil älterer und alter Menschen in unserer Gesellschaft ständig zunimmt, sind Partnerschaft und Sexualität in der zweiten Lebenshälfte ein eher selten diskutiertes Thema. Da Altern gemeinhin mit einer kontinuierlichen Verschlechterung körperlicher und geistiger Funktionen, quasi einem Verfall gleichgesetzt wird, betrachten viele alternde Menschen sich eher als sexuell inaktiv. Zu Unrecht, wie Untersuchungen zeigen. Danach weisen Männer und Frauen auch im höheren Lebensalter ein reges Sexualleben auf, insbesondere wenn sie in einer festen Partnerschaft leben. So haben 56- bis 65-Jährige repräsentativen Umfragen zufolge häufiger sexuellen Verkehr als beispielsweise 18- bis 25-Jährige.
Allerdings führen die körperlichen und seelischen Veränderungen des höheren Lebensalters auch zu Veränderungen von Sexualität und ihrer Wahrnehmung. Grundsätzlich bleibt der Wunsch nach Sexualverkehr lange erhalten. Während Männer jedoch bis ins hohe Alter hinein den "klassischen" Geschlechtsverkehr bevorzugen, wünschen sich Frauen oft auch andere Formen sexueller Stimulierung und zeigen ein höheres Interesse am Austausch von Zärtlichkeiten.
Erotik - kein heikles Thema im Alter
Auch Erotik bleibt für alternde Menschen ein wichtiges Thema. Zwar messen Menschen mit zunehmendem Alter erotischen Faktoren wie etwa einem schönen Körper und körperlicher Leidenschaft weniger Bedeutung bei, aber gänzlich verschwinden diese nicht von der Wunschliste. Allerdings rücken immer mehr andere Aspekte wie partnerschaftliches Vertrauen und Zärtlichkeit in den Vordergrund.
Eine besondere Herausforderung des Alterns an sich bzw. des gemeinsamen Alterns in einer Partnerschaft ist es, sich mit den eigenen körperlichen Veränderungen und denen des Partners auseinanderzusetzen und einen Weg der gegenseitigen Akzeptanz zu finden. Ängste, für den Partner nicht mehr attraktiv genug zu sein, müssen abgebaut werden. Gleichzeitig gilt es, die eigenen Wunschvorstellungen bezüglich des Partners zu überdenken. Untersuchungen zeigen, dass die Partnerschaft als solche großen Einfluss auf die sexuelle Aktivität im Alter hat. So sind 60- bis 70-jährige Frauen, die in einer Partnerschaft leben, achtmal so häufig sexuell aktiv wie Alleinstehende.
"Pannen" sind normal und kein Grund zum Schämen
Mit zunehmendem Alter müssen sich beide Partner jedoch auf eventuelle "Pannen" beim Verkehr einstellen. Ältere Männer brauchen mehr Zeit und auch mehr direkte Stimulation, um zu einer Erektion zu gelangen. Die Ejakulation erfolgt später und ist weniger stark ausgeprägt. Immer öfter bleibt sie auch gänzlich aus. Bei Frauen verändert sich vor allem die Beschaffenheit der Scheidenschleimhaut. Diese wird dünner, trockener und dadurch empfindlicher, wodurch Schmerzen beim Verkehr auftreten können. Die sexuelle Erregbarkeit und Orgasmusfähigkeit hingegen bleibt bei Frauen bis ins hohe Alter hinein nahezu unbeeinträchtigt.
Zusätzlich können verschiedene Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Herzkrankheiten oder Bluthochdruck die Potenz bei Männern herabsetzen. Einen nicht unerheblichen Einfluss hat zudem die seelische Befindlichkeit. Versagensängste, falsche Vorstellungen über die sexuelle Leistungsfähigkeit im Alter, Schuldgefühle, Angst vor Intimität, Schamgefühle oder allgemeine Anpassungsprobleme an altersbedingte Veränderungen können zu Erektionsstörungen führen.
Gemeinsam altern - eine wunderbare Herausforderung
In einer gut funktionierenden Partnerschaft ist es möglich, einen Teufelskreis aus Versagensängsten, Erektionsstörungen und Vermeidungsverhalten von vornherein zu verhindern. Gegenseitige Akzeptanz, Vertrauen und Offenheit sind ein guter Anfang.






