Veränderte Fettverteilung nach der Menopause

Bauchfett: Was tun, wenn der Bauchumfang im Alter wächst?

Bauchfett
Nicht nur das Gewicht, auch den Bauchumfang regelmäßig prüfen: Liegt er bei Frauen über 80 Zentimeter, steigt das Risiko, an Diabetes oder Bluthochdruck zu erkranken.
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Nach der Menopause nehmen viele Frauen an Körpergewicht zu. Auch der Bauchumfang wächst, was die Entstehung von Krankheiten wie Diabetes oder Arteriosklerose begünstigt. Einfach nur weniger zu essen reicht oft nicht. Der Rat von Experten: auf Zwischenmahlzeiten verzichten, um Bauchfett zu bekämpfen. Drei Mahlzeiten am Tag – und keine Snacks zwischendurch.

Nach der Menopause nehmen viele Frauen unfreiwillig an Körpergewicht zu. Untersuchungen ergaben, dass Frauen vor der Menopause insgesamt schlanker sind, einen geringeren Body Mass Index (BMI) und ein günstigeres Taillen-Hüft-Verhältnis aufweisen als Frauen nach der Menopause. Ein Grund dafür ist der Abbau der Muskulatur im Alter. Experten schätzen, dass die Muskelmasse bei Frauen ab Ende 30 pro Jahr um rund ein Prozent abnimmt. Bis zum Alter von 69 Jahren, so Detlef Pape, Internist und Ernährungsmediziner aus Essen, sinke der Grundumsatz der Muskulatur um fast ein Drittel. So benötigt eine 50-jährige Frau täglich rund 400 Kalorien weniger als eine 25-jährige. Nach Ansicht von Pape ein Dilemma: Selbst wenn Frauen im höheren Alter ihre tägliche Kalorienzufuhr um 20 Prozent reduzieren, seien noch immer zehn Prozent der Nahrungsaufnahme überschüssig und könnten in Körperfett umgewandelt werden.

Veränderte Fettverteilung im Alter

Viele Frauen teilen eine weitere Erfahrung nach den Wechseljahren: Die Fettverteilung am Körper verändert sich. Waren es früher vor allem die Hüften, auf denen der Speck saß, lagert sich das Fett nun bevorzugt am Bauch und an der Taille an. Auch das sei, betont Pape, auf die Hormonumstellungen in den Wechseljahren zurückzuführen. So käme es nach der Menopause durch den relativen Überschuss männlicher Sexualhormone, der sogenannten Androgene, zu einer eher "männlichen" (androgenen) Fettverteilung. Die Fettzellen am Bauch verfügten, so Ernährungsmediziner Pape weiter, über Bindungsstellen für Androgene und würden durch diese stimuliert.

Bauchfett ist besonders schädlich für die Gesundheit

Gerade das Bauchfett gilt als Risikofaktor für viele Krankheiten. Aus diesem Grund zieht man heute neben dem Body-Mass-Index (BMI) auch den Bauchumfang zur Beurteilung von Übergewicht und dem individuellen Risiko für bestimmte Krankheiten heran. Gemessen wird der Taillenumfang. Ist er bei Frauen größer als 80 Zentimeter und bei Männern größer als 92 Zentimeter, steigt das Risiko für Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf- und andere Erkrankungen. Dazu gehören:

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Arteriosklerose
  • Koronare Herzkrankheit
  • Bluthochdruck
  • Schlafapnoe-Erkrankung
  • Gicht
  • Arthrose
  • Krebserkrankungen (zum Beispiel Darm- und Brustkrebs)
  • Potenzstörungen
  • Wirbelsäulenerkrankungen
  • Depression

BMI, Bauchumfang und Taillen-Hüft-Verhältnis: eigene Werte ermitteln

Der Körpermassenindex, auch Body Mass Index (BMI) genannt, gilt als Maß für die Beurteilung des Körpergewichts. Er errechnet sich wie folgt: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Nach Festlegungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt ein BMI von 25 bis 29.9 als Übergewicht. Bei einem BMI von mehr als 30 spricht man von Fettsucht (Adipositas).

Das Taillen-Hüft-Verhältnis, englisch Waist-to-Hip-Ratio (WHR), spiegelt die Verteilung des Körperfetts wider. Ermittelt wird es im unbekleideten Zustand im Stehen, wobei der Taillenumfang in Höhe des Nabels und der Hüftumfang an der breitesten Stelle gemessen werden: WHR = Taillenumfang geteilt durch Hüftumfang. Bei Frauen sollte das Taillen-Hüft-Verhältnis nicht mehr als 0,8 betragen, da ab diesem Wert das Risiko für Folgekrankheiten steigt. Frauen nach der Menopause, deren Körpergewicht und Taillenumfang stark zunehmen, sind deshalb in besonderem Maße durch Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefährdet.

Auch der Bauchumfang selbst ist ein aussagekräftiger Wert, der folgendermaßen gemessen wird: Legen Sie das Maßband in der Mitte zwischen Beckenkamm und Rippenbogen an – das ist etwa auf Höhe des Bauchnabels – und ziehen Sie es gerade um den Bauch herum. Um den richtigen Wert zu ermitteln, sollte man das Maßband morgens vor dem Frühstück anlegen und dabei leicht ausatmen, aber nicht den Bauch einziehen! Bei Frauen gilt: Ein Bauchumfang von über 80 Zentimetern gilt als erhöht, bei über 88 Zentimetern sprechen Mediziner von einem stark erhöhten Krankheitsrisiko. Bei Männern steigt die Gefahr ab einem Bauchumfang von 94 Zentimetern beziehungsweise gilt als sehr bedenklich ab einem Wert von 102 Zentimetern.

Viele Zwischenmahlzeiten: Die Insulinfalle schnappt zu

Eine Schlüsselposition beim Abbau der mit der Nahrung zugeführten Kalorien und damit auch bei der Entstehung von Übergewicht nimmt das Hormon Insulin ein. Bei jeder Mahlzeit wird es aus der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet, um die Verteilung der aufgenommenen Nährstoffe auf die Körperzellen zu gewährleisten. Diese tragen auf ihrer Oberfläche spezielle Bindungsstellen (Rezeptoren), an die sich Insulin anlagert. Wie beim "Schlüssel-Schloss-Prinzip" öffnet sich ein Schließkontakt und löst damit eine Signalkette aus. Dadurch gelangen Glukose, Aminosäuren und Fette in die Zellen und können dort zur Energiegewinnung verbrannt werden.

Ist im Blut mehr Zucker vorhanden, als die Körperzellen verbrauchen können, nimmt die Empfindlichkeit der Zellen gegenüber dem Insulin ab. Der Körper reagiert darauf mit einer vermehrten Ausschüttung des Hormons, sodass ein Teil des Zuckers noch in die Zellen hineingezwängt werden kann. Der Rest gelangt zur Lagerung ins Fettgewebe. Gleichzeitig blockiert Insulin die Fettverbrennung. Es sorgt somit gewissermaßen für schlechte Zeiten vor: Die großen Vorratsspeicher unseres Körpers, das Bauchfett, die Leber und die Muskulatur, werden aufgefüllt. Abbauen lassen sich diese Reserven aber erst dann, wenn der Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum abgesunken ist. Diesen Zustand des Hungers erreichen die meisten von uns jedoch dank der vielen kleinen Zwischenmahlzeiten in Form von Schokoriegeln, Snacks, Gummibärchen oder Keksen nur selten. Vor allem süße oder süß-fette Zwischenmahlzeiten mit schnell verfügbarem Zucker sorgen für wiederholten Ausstoß von Insulin.

Durch Sattessen den Hunger zwischendurch bekämpfen

Um der Insulinfalle zu entgehen, empfehlen Experten wie Detlef Pape drei ordentliche Mahlzeiten am Tag und einen Verzicht auf Zwischenmahlzeiten. Dabei sollten zum Frühstück Kohlenhydrate überwiegen, etwa in Form von mehreren Scheiben Brot mit Marmelade oder Honig. Für das Mittagessen empfiehlt Pape gesunde Mischkost. Abends rät er zum Verzehr von Eiweiß und einem weitgehenden Verzicht auf kohlenhydratreiche Nahrungsmittel. Grund sei die Tatsache, dass die Fettverbrennung im Normalfall vor allem nachts erfolgt. Für das Abendessen seien deshalb zum Beispiel Hühnchen, Grillfleisch oder Eierpfanne zusammen mit etwas Salat oder Gemüse zu empfehlen.

Was bewirkt eine Hormonersatztherapie?

Es gibt Hinweise darauf, dass eine Hormonersatztherapie die Veränderungen im Körperbau während der Wechseljahre günstig beeinflussen kann. In einer Untersuchung, in der Frauen nach der Menopause zwei Jahre lang mit Tibolon oder einer Kombination von Estradiol und Norethisteronazetat behandelt worden waren, zeigten sich deutliche Verbesserungen. Nachdem die Frauen vor Beginn der Therapie die für die Menopause typischen Veränderungen aufgewiesen hatten, nahm ihre Körpermasse im Laufe der Behandlung ab und die fettfreie Körpermasse zu. Gleichzeitig stieg die ausgangs niedrige Knochendichte wieder – ein positiver Effekt auf die Beweglichkeit, der zudem das Risiko für Knochenbrüche senkt. In weiteren Untersuchungen wurde unter der Hormonersatztherapie außerdem eine Verbesserung der Insulin-Wirksamkeit beobachtet, die vor der Entstehung der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) schützt.

Vor allem Frauen jenseits der Menopause, die häufiger unter Übergewicht leiden, sind stärker gefährdet, Diabetes zu bekommen. Eine Hormonersatztherapie vermag einigen Untersuchungen zufolge die Empfindlichkeit der Körperzellen für die Wirkung des Insulins wieder zu steigern. Nicht in allen bisherigen Studien konnte jedoch festgestellt werden, dass eine Hormonersatztherapie die Insulin-Wirksamkeit verbessert, die Körperfettmenge reduziert und die Fettverteilung verändern kann. Eine amerikanische Studie beispielweise kam zu gegenteiligen Ergebnissen: Nach einer zweijährigen Behandlung von Frauen jenseits der Menopause mit Östrogenen und Medroxyprogesteronazetat verschlechterte sich die Insulin-Wirksamkeit; Körperfettmasse und Fettverteilung blieben dagegen unbeeinflusst. Ein abschließendes Urteil über die Effekte der Hormonersatztherapie auf den Körperbau ist aus diesem Grund nicht möglich.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. Juli 2016
Durch:
Quellen: Jund R, Birk M und Heufelder A: Das 1x1 der Prävention. riva Verlag München 2007; Interview mit Dr. Detlef Pape, Internist und Ernährungsmediziner: Insulintrennkost, in: Newsletter Prävention, 01/2009, Hrsg. Dr. Kade/Besins Pharma GmbH; Pape, D.: Satt - Schlank - Gesund. Das Ernährungs-Praxisbuch nach dem Insulinprinzip. Deutscher Ärzte-Verlag 2003; Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.; Nationale Verzehrsstudie II. Hrsg. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz; Journal of Applied Physiology, Human Reproduction, The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism sowie Journal für Menopause

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