Pilzinfektionen im Genitalbereich
Auch in den Wechseljahren ein lästiges Problem
Jucken und Brennen im Genitalbereich und Ausfluss aus der Scheide können Anzeichen für eine Pilzinfektion sein.
Pilzinfektionen im Genitalbereich sind ein häufiges Problem, das viele Betroffene als lästig und einschränkend empfinden. Schätzungsweise drei von vier Frauen erkranken mindestens einmal im Leben daran. Jede zwanzigste Erkrankte erlebt mehr als drei bis vier Episoden pro Jahr, die entweder spontan ohne erkennbare Ursache oder nach Geschlechtsverkehr auftreten.
Später vor allem äußere Geschlechtsorgane betroffen
Während Frauen vor der letzten Regelblutung (Menopause) oft unter Pilzinfektionen der Scheide leiden, die sich auf die äußeren Geschlechtsorgane (Vulva) ausbreiten können, ist nach der Menopause häufiger nur die Vulva betroffen. Die Vulva, auch weibliche Scham genannt, besteht aus den großen Schamlippen, dem Schamhügel, den kleinen Schamlippen, der Klitoris (Kitzler) und dem Scheidenvorhof.
Symptome einer Pilzinfektion
Bei folgenden charakteristischen Entzündungszeichen im Genitalbereich sollte auch an eine Pilzinfektion als mögliche Ursache gedacht werden:
- Juckreiz
- Brennen oder Schmerzen
- verstärkter Ausfluss aus der Scheide
- Rötung im Vulvabereich
- Schwellungen im Bereich der Vulva, z.B. vergrößerte Schamlippen
- Probleme beim Geschlechtsverkehr, sogenannte Dyspareunie: brennende oder krampfartige Schmerzen beim Verkehr verbunden mit einem Ausbleiben des Orgasmus
Ansteckungswege
Eine Besiedlung des Genitalbereichs mit z.B. Hefepilzen ist häufig und bedeutet nicht zwangsläufig die Entstehung von Entzündungen. Die normale Scheidenflora besteht überwiegend aus verschiedenen Arten von Lactobazillen, die durch die Bildung von Laktat (Milchsäure) aus Zucker (Glukose) den pH-Wert der Scheide in den sauren Bereich regulieren und dadurch Krankheitserreger abhalten. Werden die normale Scheidenflora durch beispielsweise eine Antibiotikatherapie zerstört oder der pH-Wert beim Geschlechtsverkehr durch die Samenflüssigkeit vorübergehend neutralisiert, können sich Pilze unter Umständen besonders gut vermehren und schließlich überhandnehmen.
Allerdings sind dabei noch viele Fragen offen. So ist etwa ungeklärt, weshalb manche Frauen mit hohem Pilzbefall im Genitalbereich keinerlei Krankheitszeichen aufweisen und warum gelegentlich doch eine akute Entzündung ausbricht.
Risikofaktoren
Als Risikofaktoren für Pilzinfektionen im Genitalbereich gelten eine starke sexuelle Aktivität mit wechselnden Partnern und ungeschütztem Geschlechtsverkehr sowie bestimmte sexuelle Praktiken, insbesondere Oral- und Analverkehr. Zudem wird vermutet, dass manche Frauen eine erblich bedingte Neigung aufweisen, die die natürliche Immunität gegen Pilzerkrankungen im Genitalbereich abschwächt. Als weiterer Risikofaktor gilt die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).
Unterschiede vor und nach der Menopause
Frauen vor der letzten Regelblutung (Menopause), also auch zu Beginn der Wechseljahre, gelten, vor allem wenn sie hormonell verhüten oder schwanger sind, als besonders gefährdet für Pilzinfektionen. Grund dafür ist die Tatsache, dass die bei der hormonellen Verhütung zugeführten bzw. bei der Schwangerschaft verstärkt gebildeten Östrogene die lokalen Verhältnisse in der Scheide so verändern, dass sich die Pilze besser vermehren können.
Nach der Menopause sind Infektionen mit Hefepilzen in der Scheide seltener. Zwar stört die oft einsetzende Rückbildung der Scheidenhaut (Atrophie), die infolge des zunehmenden Mangels an Östrogenen auftritt, ebenfalls die normale Scheidenflora. Dies führt aber weniger zu Pilzinfektionen, sondern eher zu bakteriellen Infektionen, die auch auf die Harnwege übergreifen können. Eine lokale Therapie mit Östriol beugt sowohl der Rückbildung der Scheidenhaut und den damit verbundenen Beschwerden, wie Trockenheit der Scheidenhaut und Schmerzen beim Sexualverkehr, als auch indirekt der Entstehung bakterieller Infektionen des Genitalbereichs und der Harnwege vor.
Therapie der Pilzinfektion
Treten bei einer Pilzinfektion entsprechende Beschwerden auf, kann eine Therapie mit Antipilzmitteln, z.B. Clotrimazol oder Nystatin, Abhilfe schaffen. Diese lassen sich lokal in Form von Cremes, Scheidentabletten oder Scheidenzäpfchen, aber auch systemisch als Tabletten anwenden. Empfohlen wird die Kombination von Tabletten und Salbe, die drei Tage angewendet werden. Insbesondere bei wiederkehrenden Pilzinfektionen kann auch eine Behandlung des Sexualpartners sinnvoll sein.
Hilfreich ist es darüber hinaus, die Wiederherstellung der natürlichen Scheidenflora mithilfe von Laktobazillen-enthaltenden Präparaten zu unterstützen.





