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Schlaflosigkeit mit Progesteron

Kategorie: Hormontherapie-wechseljahre.de » Expertenrat Hormontherapie | Expertenfrage

25.11.2017 | 22:32 Uhr

Sehr geehrter Prof. Bohnet, benötige dringend Ihren Rat zur Hormonersatztherapie in der Menopause. Habe im letzten Jahr bereits diverse Ärzte konsultiert und bin ziemlich ratlos. Keiner kann mir helfen.

Im Juni 2016 (mit 53J) ging es mit Schweißausbrüchen, gestörtem Nachtschlaf, Müdigkeit, Ohrgeräuschen los. Nackenverspannungen. Streßinkontinenz  und häufige Probleme mit Candida hatte ich schon vorher.

Da Traubensilberkerze nicht geholfen hat, habe ich mit der Standarddosis HRT angefangen - täglich 1 Hub Gel ( Gynokadin 0,6 mg E2/g) und 1 Kapsel nat. Progesteron oral 200mg. Nach ein paar Tagen waren die Schweißausbrüche fast weg, aber die Schlafstörungen nahmen massiv zu. Dafür habe ich in 4 Wochen 4 kg abgenommen ohne etwas dafür zu tun.  Die Frauenärztin riet mir gegen die Schlaflosigkeit  abends 2 Kapseln zu nehmen. Davon konnte ich überhaupt nicht mehr schlafen (1-2h) ohne jedoch am Tag  müde zu sein. Nach Absetzen der Kapseln konnte ich nach 10 Tagen wenigstens ein paar wenige Stunden schlafen. Blutwerte auf Schildrüsenfunktion waren normal. Die üblichen Standardwerte auch.

Ich habe dann versucht, die Dosis Gynokadin zu reduzieren und  über den Tag zu verteilen. Außerdem den Inhalt einer Kapsel Progesteron in eine normale Hautcreme zu verdünnen und nur noch sequentiell zu nehmen. (Leider war die Frauenärztin nicht bereit mir eine Creme zu verschreiben.)   Trotzdem fühlte ich mich einfach nicht mehr wohl in meiner Haut.

Die nächste Frauenärztin riet mir dazu, nur Gynokadin zu nehmen. Die Flashs und die Schweißausbrüche  gingen nicht weg, aber das Endometrium baute sich auf. Auch diese Frauenärztin wollte nicht auf Progesteroncreme setzen, sondern mit einem künstl. Gestagen eine Blutung herbeiführen. Also habe ich 4 Wochen eine erbsengroße Menge einer ca. 2%igen Creme alle 1-2 Tage angewendet. Das Endometrium hatte sich zurückgebildet, aber es gab andere Probleme.

Im Moment versuche ich mich mit je erbsengroßen Mengen Gynokadin Gel und 1% ig P-Creme alle 2 Tage über Wasser zu halten. Jetzt führt auch zuviel Gynokadin zu Schlaflosigkeit. Ja sogar die Estriolcreme kann ich nur ca. 3cm aus der Tube anwenden.

Nach meiner letzten  Gemütlich- Sportstunde diese Woche kam es aber zu einer deutlichen Verschlechterung der Lage. Danach habe ich stundenlang gezittert ohne zu frieren, die Nacht nur 2h geschlafen, Schweißausbrüche, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Ohrengeräusche, Lustlosigkeit- zu gar nichts,  Hüftgelenke schmerzen... eben das volle Programm. Verdauungsbeschwerden, Gewichtszunahme am Bauch und Rückenschmerzen seitlich hatte ich schon vorher.

Einmal habe ich erreichen können, dass Hormone im Serum bestimmt wurden . FSH 109 IU/I (25,8- 134,8) LH 38,46 IU/I (7,7 - 58,5). Progesteron und E2 nicht nachweisbar.  Außerdem Cortisol 544 mmol/l  (221- 690 ) und Aldosteron bas. 59 ng/l (20-300). Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass seit Jahren die Glom. Filtrationsrate  ml/min / 1,73 qm etwas zu niedrig ist und der Blutdruck auch. Das akt. Bikarbonat ist etwas zu hoch 28,4  (22-26). Leukozyten und Protein i.H. sind zu hoch. Schilddrüsenwerte vom Okt. (TSH, T3, T4) sind OK.

Meine internistische Hausärztin ist der Meinung, das das psychologisch bedingt ist.  Aus meiner Sicht totaler Quatsch.

Bei Dr. Lee habe ich gelesen, dass die HRT nicht funktioniert, wenn der Cortisol- Stoffwechsel gestört ist.  Gegen eine Bestimmung im Speichel gibt es aber viele Vorbehalte.  Eine  gynokologische Endokrinologie, die kein Kinderwunschzentrum ist, habe ich bis jetzt nicht gefunden. Ansonsten findet man nur Endokrinologen, die sich mit der Schilddrüse oder mit Diabetikern beschäftigen.

Was ist Ihre Meinung? Warum scheint die HRT nicht gut zu funktionieren?  Was kann ich tun?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Bisherige Antworten
Experte-Bohnet
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26.11.2017, 07:58 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Gerade bei Schlafstörungen die Ö-Dosis zu reduzieren ist Gift! Die Anflutung von Ö verbessert den Tiefschlaf! Also tragen Sie wieder einen Hub Gel vor dem Schlafengehen auf und nehmen eine Prog-Kaps. zum Abendbrot, am besten 200 mg. Es braucht einfach seine Zeit, bis sich eine gewisse Stabilität ergibt. Man kann auch nicht mal ne schlechte Phase des Wohlbefindens auf die Hormone schieben. Da hat Ihre HÄ schon recht, dass Belastungen, Stress etc. die Situation verschlechtern können.

Gewicht?

Dr. Lee hat sich seine Verdienste gehabt! Aber er ist seit 15 Jahren tot und die Ansichten haben sich überholt!

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26.11.2017, 18:42 Uhr
Kommentar

Sehr geehrter  Prof. Bohnet, danke für Ihre Antwort. Sie haben sicher Recht, es dauert seine Zeit bis Stabilität erreicht ist und man kann auch nicht alles auf die Hormone schieben. Es ist nur so, dass Ich  jetzt schon über 1 Jahr versuche, durch immer niedrigere Mengen die  richtige Dosis zu finden. Die Standarddosis ist definitiv zu viel für mich. Ich wiege 76kg, Größe 1,76m. Das Experiment mit den Kapseln habe ich bereits 2 mal durchgeführt und führte zum gleichen Ergebnis. Akuter Schlaflosigkeit und zwar sofort und für mehrere Nächte.  Was das Gegenteil von dem ist, was man erwarten würde. Oder sind Sie da anderer Meinung? Von zuviel E2 kriege ich schlimmstenfalls Herzbeschwerden. Ich kann mir berufliche Ausfälle leider nicht leisten.

Sie sagen, dass die Erkenntnisse von Dr. Lee überholt sind. Komischerweise vertritt auch ein Herr Dr. A. Römmler und eine Frau Dr. Faust- Albrecht seine Theorie der transdermalen HRT.  Aber ich bin gern bereit zu lernen. Bitte empfehlen Sie mir eine neue  Literatur zu dem Thema. Ich interessiere mich besonders dafür, wie man nachweist, ob  Hormone in ausgewogenem Verhältnis vorliegen. Ich würde gern in eine Tagesklinik mit der entsprechenden Ausrichtung gehen, finde aber leider keine. Haben Sie möglicherweise eine Idee, wie man eine solche findet?

Vielen Dank für Ihre Mühe.

 

 

Experte-Bohnet
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26.11.2017, 22:00 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Bei Ihrem Größen-Gewicht-Verhältnis ist ein Hub Gel sicher nicht zu viel! Wie kommen Sie da drauf. Aber letztlich entscheiden Sie, wie Sie vorgehen wollen.

Ich habe nichts gegen eine transdermale Therapie, ganz im Gegenteil! Ich halte mich an Leitlinien z.B. der Nordamerikan. Ges. für Menopause etc. - Ich weiß, dass viele Frauen eine "individuelle" Therapie machen (wollen) und gerne dafür Geld ausgeben. Aber dafür gibt es keine wissensch. Belege und die Fachgesellschaften lehnen dies ab!

Möglicherweise kann ich aus der Ferne Ihnen nicht weiterhelfen.

Alles Gute!