Welche Hormontherapie kann noch helfen?

Kategorie: Hormontherapie-wechseljahre.de » Expertenrat Hormontherapie | Expertenfrage

26.11.2018 | 12:31 Uhr

Lieber Prof. Dr. Bohnet, 

im Jahr 2014 traten bei mir plötzlich anhaltende Zwischenblutungen auf. Zugleich Gewichtzunahme (ich war immer eher sehr schlank) Stimmungstiefs, starken Regelschmerzen und Wasser in Unterschenkeln und Fingern. Der Versuch dieses mit dem Nuva-Ring, was in der Vergangeheit funktionierte, misslang. Im Frühjahr 2015 stelle meine FÄ ein 8x6 cm großes Myom fest, welches neben kleinen Endometrioseherden per BS entfernt wurde. Danach kam eine Odysee an Hormoneinstellungen auf mich zu. 

Zunächst empfahl man mir die Visanne 2 mg zu nehmen, um neue Herde der Endo zu unterdrücken. Diese lösten dauerhafte schmerzhafte Blutungen bei mir aus, so dass wir sie nach wenigen Wochen wieder absetzten. Ich begab mich in die Hände von Endokrinologen, dort behandelte man mich mit Chlormadinon 2mg und Gynokandin. Während der Behandlung wurden meine Hormonwerte regelmäßig bestimmt. Das Ergebnis: ständig zu hohe Östrogenwerte. So wurde das Gynokadin immer wieder abgesetzt und das Chlormadinon von 2mg auf 4mg erhöht. Neben Dauerschmierblutungen über fast 1 Jahr änderte sich nicht viel. Ich brach die Therapie ab, da sich keine Besserung einstellte. Ein Versuch mit einem natürlichen Progestereon aus der Yums-Wurzel führte auch nicht wirklich zu einer Besserung. Meine FÄ versuchte nun eine Therapie mit Desogesterel... Über 6 Monate hinaus kein Erfolg die Zwischenblutungen komplett zu stillen. Ich behielt auch bei doppelter Dosis einen nahezu regelmäßigen Zyklus, bei dauerhafter/ununterbrochener Einnahme. Seit etwa 7 Monaten nehme ich nun wieder Visanne. Insgesamt wirkt sie sich gut auf mich aus und ich fühle mich besser damit als direkt nach der OP. Ich habe die Kilo´s die sich während der letzten Jahre zugenommen habe weitesgehend verloren, ich habe kein überschüssiges Wasser mehr und meine Stimmung ist stabil. Ich habe  immernoch das Gefühl eines Zyklus, der nur nicht mehr mit starken Blutungen und Schmerzen einhergeht. Ich habe aber immernoch Zwischenblutungen die eigentlich nie ganz aufhören. Zudem ständig irgendwo eine Zyste am Eierstock. Ich halte Zeiten der Einnahme sehr genau ein. Vor drei Wochen machte meine FÄ auf meinen Wunsch wieder einen Hormonstatus der ergab, dass meine Ö-Werte trotz täglicher Einnahme von Visanne 2mg immernoch bei 200 liegt. Also verordnete sie mir, jeden zweiten Tag 2 x 2mg für vier Wochen zu nehmen. Innerhalb der ersten Woche stellten sich sehr starke Stimmungsschwankungen ein und zu guter letzt bekam ich eine richtige Blutung wie seit Monaten nicht mehr. Ich entschied mich täglich 3mg zu nehmen statt alle zwei Tage 4 mg. Ergebnis: bleibende Zwischenblutungen! Es hört einfach nicht auf und ich weiß keinen Rat mehr. Ich lebe jetzt seit fast vier Jahren mit ständigen Blutungen die mir auch mein Beziehungsleben komplett zerstört haben. 

Ich möchte einfach meine Ruhe haben vor diesen ständigen Blutungen und das ohne die Gebärmutter zu entfernen. Ich bin 41 jahre alt und kinderlos... 

Da ich das Gefühl habe, dass die Visanne der richtige Weg ist, frage ich mich ob man die Dosis noch weiter hinaufsetzen kann ohne die typischen Risikofaktoren zu erhöhen. 

Leider finde ich überhaupt keine Hinweise im Internet dazu, weshalb ich Sie um Ihren Rat fragen möchte. Gerne auch nach einem ganz neuen Ansatz.

Es muss doch eine Möglichkeit geben diese Überproduktion des Östrogens zu unterdrücken. Ich habe das Gefühl, dass sich meine Körpereigenen Hormone immer wieder durchsetzen. Rein logisch gesehen liegt es doch auf der Hand, dass die Dosierung einfach zu niedrig ist, oder was sagen Sie dazu? Sind letzlich diese überhöhten Ö-werte nicht viel schädlicher als den synsthetischen Gegenspieler hochzusetzen? Meine damalige Entokrinologin sagte mal, dass z.B. in Frankreich generell mit viel höheren Dosierungen gearbeitet wird...

Ich würde mich sehr über Ihren Rat freuen.

Mit herzlichen Grüßen, 

Nadine P.


26.11.2018 12:41 – Beitrag von der Redaktion bearbeitet.

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Bisherige Antworten
Experte-Bohnet
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27.11.2018, 06:03 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Hallo Nadine, es tut mir leid, dass Sie so eine Odysee hinter sich bringen mussten! Ja. das V ist sicherlich angezeigt; nehmen Sie es immer zum Abendbrot? - Wann sind "hohe" Ö-Werte aufgefallen? bei Routineunters. oder bei Symptomen Blut abgenommen? 200 pg/ml ist ein Wert, welcher um den Eisprung gesehen wird. Eigentlich sollte V den Eisprung unterdrücken. , Schicken Sie doch mal auch andere Werte, z.B. FSH, LH, SHBG, Schilddrüse etc. Aber Sie brauchen schon "ausreichend" Ö, damit der Knochenabbau nicht ingang kommt. Vit D?

Sehr gute Erfahrungen hab ich mit sog. Hormonspiralen gemacht! Sie lassen Myome nicht mehr wachsen und es kommt kaum mehr zu Blutungen!

Gewicht?

 

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28.11.2018, 00:15 Uhr
Antwort

Lieber Prof. Dr. Bohnet,                                                         ich danke Ihnen für Ihre schnelle Reaktion und ihr Mitgefühl. Leider kann ich zur Zeit nicht sagen wann mein „Einsprung“ stattfindet, da ich die Visanne nun mehr als 8 Monate nehme und sich keine richtige Regelblutung mehr einstellt. Es wurden bei der letzten Blutabnahme zudem nur Ö-Werte und der TSH Wert bestimmt, welcher normal war, laut meiner FÄ.  Man sagte mir nur, dass mein Ö-Wert recht hoch sei, dafür, dass ich die Visanne einnehme. Deshalb ordnete sie an jedem 2. Tag zwei zu nehmen. Was darauf folgte erwähnte ich ja bereits. Ich nehme sie morgens immer zur gleichen Zeit mit Wasser ein. Da ich kein guter Frühstücker bin, oft also nicht mit der Nahrungsaufnahme. Ist das sehr ausschlaggebend? (Ich habe seit Einnahme der V inzwischen ca. 6 kg abgenommen und wiege jetzt etwa wieder 65kg bei einer Körpergröße von 1,74 m)Als ich in endokrinologischer Behandlung war, bewegten sich die Ö-Werte auch zu  Abnahmezeiten 2-3 Tag und 20./21. Tag, um den oben genannten Wert. Wegen der immer  hohen Ö-Werte habe ich mir bislang keine Sorgen wegen dem Knochenabbau gemacht. Damals nahm ich regelmäßig Dekristol 20.000 1x wö. ein. Zur Zeit nicht mehr. Die Hormonspirale Mirena war auch schon mal im Gespräch, aber mich schreckten die aufgeführten NW sehr ab, da auch da immer von ZB die Rede war. Zudem habe ich auch Endo-Herde in der Gebärmutterwand (damit einhergehende Verdickung) und ich sorge mich, dass die Spirale zu Komplikationen führen könnte. Ich bin inzwischen so verunsichert und fühl mich etwas blockiert wieder etwas Neues zu versuchen. Ich wünschte eine dauerhafte Höherdosierung der Visanne (ohne Angst vor schlimmen Folgeerkrankungen haben zu müssen) könnte mir helfen. Meine FÄ zeigt sich einfühlsam, rät mir aber dazu mich mit meiner Erkrankung abzufinden und vermutlich mit den ZW leben zu müssen. Ich möchte aber noch nicht aufgeben, dafür fühle ich mich nicht bereit. Deshalb möchte ich Ihnen noch ein paar Fragen stellen. Sehen Sie eine Gefahr mit noch höheren Dosierungen zu experimentieren? Und vielleicht können Sie mir noch sagen, ob in meinem Fall evtl. auch eine Ausschabung Sinn machen würde, mit Aussicht auf Besserung? Und kennen sie einen ähnlichen Fall wie meinen, wo die Hormonspirale das Mittel der Wahl war? Entschuldigen Sie bitte den langen Text, ich danke Ihnen sehr für Ihre Zeit! Herzliche Grüße, Nadine P.

Experte-Bohnet
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28.11.2018, 05:14 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Die Eierstockshormne sind fettlöslich, das SD-Hormon wasserlöslich. Auch wenn das V ein "künstliches" Hormon ist, so ist es am besten zu einer Mahlzeit ein zu nehmen. Ich empfehle dies immer zum Abendbrot; dann kann man am anderen Morgen, nach einigen Wochen representative Hormonwerte ermitteln, z.B. LH, FSH, E2, also gleich Anfang nä Jahres. Abh. davon könnte man dann wirlich diskutieren, ob eine einmalige Ausschabung gemacht werden sollte (früher wurde so ein Eingriff häufig und wiederholt gemacht!) Dann könnte man auch sehen, ob sich eine chron. Entzündung ergeben hat. 

Die sog. Hormonspirale, von der es inzwischen einige Modelle gibt, hat sich sehr bewährt, gerade bei ZW und Endometriose! Mehr ZB können Sie nicht bekommen als sie Sie schon haben. Aber das ist natürlich Ihre Entscheidung.

Die Versorgung an Vit D ist im Winter nicht ausreichend! Deshalb empfehle ich 2000 E pro Tag zu einer Mahlzeit (s. medivital.eu)

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28.11.2018, 10:18 Uhr
Kommentar

Ich werde die Einnahme schon mal auf den Abend verlegen und mit meiner FÄ ihre Ratschläge besprechen. Das mit der evtl. chronischen Entzündung ist auch ein guter Hinweis... Vielen Dank für Ihre Mithilfe. Sind Sie generell an Rückmeldungen über das Ergebnis interessiert?

Viele Grüße, Nadine P.

Experte-Bohnet
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29.11.2018, 04:38 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Ja, melden Sie sich gerne wieder! Lerne auch immer wieder noch dazu!