Hormonbehandlung

Die Anwendungs-Empfehlungen

Hormonersatztherapie wirksamste Behandlung von Beschwerden in den Wechseljahren

Führende Facharztgesellschaften und Verbände haben Anwendungsempfehlungen zur Hormonersatztherapie im Klimakterium und in der Postmenopause formuliert.

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Anwendungs-Empfehlungen: Sollen eine Hilfestellung für den Praxisalltag geben.
(c) Jack Hollingsworth

Selbst die Experten sind sich nicht immer einig, wenn es um Empfehlungen hinsichtlich der Anwendung der Hormontherapie geht. Die wichtigsten deutschen Facharztgesellschaften unter anderem die Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, der Berufsverband der Frauenärzte und die Deutschen Menopause Gesellschaft haben nun gemeinsam Empfehlungen herausgebracht, die den aktuellen Wissensstand widerspiegeln. Die Konsensus-Empfehlungen 2006 sollen Ärzten eine Hilfestellung für den Praxisalltag geben und unter Berücksichtigung der Ergebnisse neuester Studien die Auswahl einer geeigneten Hormontherapie ermöglichen. Die Anwendungsempfehlungen im Einzelnen, zum besseren Verständnis haben wir sie leicht umformuliert:

  1. Eine Hormonersatztherapie (Hormonsubstitution, Hormone Replacemenet Therapy, HRT) im Klimakterium und in der Postmenopause soll indikationsgerecht eingesetzt werden, d.h. eine sinnvoll begründete Maßnahme sein, ausgehend von relevanten Symptomen.
  2. Die HRT ist die wirksamste medikamentöse Behandlungsform von Wechseljahrs-Beschwerden, z.B. Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen, Leistungs- und Gedächtnisverminderung, Knochen- und Gelenksymptome u.a.
  3. Die lokale vaginale ist ebenso wie die orale und transdermale Gabe von Östrogenen geeignet, um Rückbildungserscheinungen der Geschlechtsorgane und Scheidentrockenheit zu beseitigen.
  4. Eine HRT ist eine wirksame Form der Osteoporose-Vorbeugung.
  5. Bei frühem Behandlungsbeginn ist eine Reduzierung des Risikos für Herzinfarkte nachgewiesen.Das Risiko für Schlaganfälle ist bei besonders veranlagten Patientinnen (z.B. mit Bluthochdruck) durch die HRT erhöht. Auch das Risiko venöser Thrombosen steigt durch die HRT an, insbesondere bei Frauen mit erhöhter Gerinnungsneigung.
  6. Unter Langzeittherapie ist ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs nicht auszuschließen, bei Kombination mit Gestagenen ist für eine mehr als fünfjährige Behandlung ein gering erhöhtes Risiko nachgewiesen. Daher sollte eine Aufklärung über dieses Risiko erfolgen, ein Vergleich mit anderen Risikofaktoren (z.B. Fettsucht) ist dabei hilfreich.
  7. Frauen ohne Gebärmutter sollen mit einer Östrogen-Monotherapie behandelt werden.
  8. Bei Frauen mit Gebärmutter muss die systemische Östrogentherapie mit einer Gabe von Gestagenen kombiniert werden. Im Einzelfall und mit entsprechenden Kontrollen kann eine Gestagenzugabe in längeren als monatlichen Abständen (z.B. dreimonatlich) zur Anwendung kommen.
  9. Es gibt klinisch relevante Unterschiede zwischen den verfügbaren Gestagenen hinsichtlich Nutzen und Risiko, die individuell berücksichtigt werden sollten. Dies gilt auch für die Östrogene und für die verschiedenen Darreichungsformen der HRT.
  10. Sowohl die Östrogen- als auch die Gestagendosis sollte so niedrig wie möglich gewählt werden.
  11. Die aktuelle Datenlage belegt, dass bei früher Hormongabe (im Alter unter ca. 60 Jahren) der Nutzen einer HRT die Risiken meist überwiegt.
  12. Eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung der HRT muss, wie jede andere Therapieentscheidung auch, in enger Abstimmung zwischen Arzt und Patientin erfolgen, mindestens einmal jährlich.
  13. Das vorzeitige Ausbleiben der Monatsblutung (vor dem eigentlichen Beginn der Wechseljahre) kann aus medizinischer Sicht Anlass für eine HRT-Behandlung sein.
  14. Pflanzliche Präparate zur Behebung von Symptomen der Wechseljahre sind hinsichtlich ihres Nutzens und ihres Risikos derzeit nicht ausreichend zu bewerten.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 14. Oktober 2014
Quellen: Anwendungsempfehlungen zur Hormonersatztherapie im Klimakterium und in der Postmenopause, hg. von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, dem Berufsverband der Frauenärzte, der Deutschen Menopause Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin, dem Dachverband für Reproduktionsbiologie und medizin und der Deutschen Gesellschaft für Senologie

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