Nachweislich weniger Risiko

Hormongel und Pflaster: Östrogenzufuhr über die Haut

Anwendung vor allem bei Risikopatientinnen

Herzinfarkt, Thromboembolie, Brustkrebs und Gallensteine - das Risiko für solche Erkrankungen kann auch durch eine Hormonersatztherapie zunehmen. Doch lässt sich dies mit der Östrogenzufuhr über die Haut verringern.

Gallensteine durch Östrogene-Bei Hormonanwendung über die Haut seltener
Eine Aufnahme der Wirkstoffe ist auch mittels Hormonpflaster möglich.
© iStock.com/Sylvain Legare

Ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, gefäßverstopfende Blutgerinnsel (Thromboembolie), Brustkrebs und Gallenblasenerkrankungen wie Gallensteine und Gallenblasenentzündung können laut verschiedenen Studien mögliche Folgen einer Hormonersatztherapie sein. Einen entscheidenden Einfluß darauf, ob solche Risiken auftreten können oder nicht, hat jedoch auch die Anwendungsform und die Art der verabreichten Hormone sowie der persönliche Lebensstil.

Östrogenzufuhr über die Haut: Warum besser?

Die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brustkrebs und Gallenblasenerkrankungen können durch eine Zufuhr der Östrogene über die Haut, also transdermal, als Gel oder Pflaster deutlich zurückgehen. Grund dafür sind Unterschiede in der Verstoffwechslung der Hormone bei den verschiedenen Anwendungsformen.

Als Tabletten aufgenommen, gelangen Östrogene über den Magen-Darm-Trakt zuerst in die Leber und werden dort verstoffwechselt ("erste Leberpassage"). Bedingt durch die anfallende hohe Konzentration der Östrogene kommt es zur Beeinflussung von Stoffwechselprozessen in der Leber, was beispielsweise zu Veränderungen bei der Bildung von Gerinnungseiweißen und im Fettstoffwechsel führt. So werden etwa Entzündungsmarker, Cholesterin und Triglyzeride vermehrt gebildet.

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Hormongel und Pflaster: Hormongabe kann besser angepasst werden

Bei der Anwendung von hormonhaltigem Gel oder Hormonpflastern hingegen nimmt der Körper die Östrogene kontinuierlich in kleinen Mengen über die Haut auf. Die erste Leberpassage fällt daher praktisch weg und somit auch die entsprechenden negativen Stoffwechseleffekte in der Leber, den Gallenwegen und den Blutgefäßen.

Bei einer Hormontherapie in Tablettenform sind darüber hinaus erheblich höhere Tagesdosen erforderlich, um die bei der ersten Leberpassage verstoffwechselten und gewissermaßen "verloren gegangenen" Östrogenmengen auszugleichen und die gleiche Wirksamkeit der Behandlung zu erzielen wie bei einer Anwendung über die Haut. Bei der Östrogenzufuhr über die Haut als Gel oder Pflaster kann die Hormondosis außerdem individuell dem Bedarf jeder Frau angepasst werden.

Die Risiken sinken nachweislich

Verschiedene Studienergebnisse zeigen, dass die Östrogenzufuhr über die Haut im Rahmen der Hormonersatztherapie verträglich ist.

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So traten in einer Studie mit fast 700.000 zwischen 51 und 69 Jahre alten Teilnehmerinnen unter transdermaler Östrogengabe signifikant seltener Herzinfarkte auf als unter Einnahme östrogenhaltiger Tabletten. Eine weitere große Studie ergab, dass sich das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln in den Venen, so genannten Thromboembolien, bei der Östrogengabe über die Haut nicht erhöht.

Auch hinsichtlich des Brustkrebsrisikos gibt es neue Erkenntnisse. So legen die Ergebnisse neuerer Studie nahe, dass etwa zwei Drittel des durch die Hormonersatztherapie erhöhten Brustkrebsrisikos auf das Konto künstlicher Gestagene gehen und für das restliche Drittel die Östrogene verantwortlich sind. Werden transdermale Östrogene mit natürlichem Progesteron kombiniert, scheint auch nach längerer Anwendungsdauer von mehr als sechs Jahren kein erhöhtes Brustkrebsrisiko aufzutreten.

Erkrankungen der Gallenblase (Gallensteine, Gallenblasenentzündung) kommen bei Frauen nach der Menopause, die eine Hormonersatztherapie erhalten, häufiger vor. Dieser Effekt wird ganz wesentlich der Leberpassage bei einer Östrogenzufuhr in Tablettenform zugeschrieben. Eine große Untersuchung mit über einer Million Teilnehmerinnen erbrachte, dass sich das Risiko für Gallenblasenleiden durch eine Östrogenzufuhr über die Haut senken lässt.

So wird Hormongel angewendet

Das Hormongel sorgt für einen gleichmäßigen Hormonspiegel durch den Aufbau eines Wirkstoff-Reservoirs in der Hornschicht der Haut. Gerade auch für Frauen, bei denen Hormonpflaster allergische Reaktionen hervorrufen können, bietet sich die Gelform an.

Die Anwendung des östrogenhaltigen Gels ist einfach: Das Dosiergel befindet sich in einem Spender, der durch einmaliges Drücken eine Minimal-Dosis von 0,75 Milligramm  Estradiol freisetzt. Diese Dosis hilft bei geringen Beschwerden. Die Standard-Dosis beträgt 1,5 Milligramm Estradiol, bei starken Beschwerden kann die Dosis auf drei Milligramm erhöht werden, was vier Hüben des Druckknopfes entspricht.

Das Gel wird täglich zu einer festen Zeit, beispielsweise nach dem morgendlichen Duschen, auf einer unbehaarten und möglichst großflächigen Hautstelle verteilt, vorzugsweise auf die Arme, das Gesäß, den unteren Bauch oder die Schultern aufgetragen. Es sollte nicht auf den Brüsten oder den Geschlechtsorganen angewendet werden. Nach nur zwei Minuten ist es restlos eingezogen und hinterlässt keinen klebrigen Film auf der Haut.

Bereits die Minimal-Dosis führt nach kurzer Zeit zu einer deutlichen Linderung von Beschwerden.

So wird das Hormonpflaster angewendet

Auch Hormonpflaster gibt es in unterschiedlichen Dosierungen, sie sind einfach in der Anwendung. Das Pflaster soll nicht auf die Brüste geklebt werden. Die Körperstelle zum Aufbringen muss in jedem Fall trocken und fettfrei sein, da die Pflaster sonst nicht richtig haften können. Klebt das Pflaster korrekt, kann man wie gewohnt duschen, baden oder auch Sport treiben. Das Pflaster muss nach etwa einer Woche erneuert werden, um einen gleichmäßigen Hormonspiegel zu gewährleisten. Eine direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden, da sich der Wirkstoff zersetzen kann. In manchen Fällen kann es zu Hautirritationen wie Rötungen und Brennen kommen.

Kombinierte Behandlung mit natürlichem Progesteron

Neben der Applikationsform trägt auch die Zusammensetzung der Hormonpräparate wesentlich zu einer Verminderung von gesundheitlichen Risiken bei. Reine Östrogen-Therapien können das Risiko von Gebärmutter-Wucherungen erhöhen. Durch eine kombinierte Einnahme von Östrogenen und synthetischen Gestagenen wird dieses Risiko eingedämmt. Diese kombinierte Therapie mit synthetischen Gestagenen kann das Brustkrebsrisiko erhöhen.

Deshalb wird häufig die Gabe von natürlichem Progesteron als Gestagenzusatz empfohlen. Frauen, die neben der transdermalen Anwendung der Östrogene zusätzlich mit Progesteron behandelt werden, sind offenbar keinem erhöhten Brustkrebsrisiko ausgesetzt als gänzlich unbehandelte Frauen, wie Studienergebnisse zeigten. Die Zufuhr von Estradiol als Gel über die Haut ermöglicht eine Dosierung so niedrig wie möglich und so hoch wie nötig. Unerwünschte Begleiterscheinungen können vermindert werden und es besteht kein Einfluss auf den Fettstoffwechsel oder die Blutgerinnung der Frau. Als ideale Kombination gelten über die Haut wirkende Präparate mit Estradiol und eine ergänzende Behandlung mit natürlichem Progesteron.

Fazit: Anwendung über die Haut vor allem bei Risikopatientinnen

Die transdermale Anwendung von Östrogenen kann viele Erkrankungsrisiken, die mit der Hormonersatztherapie in Verbindung stehen, minimieren. Vor allem bei Frauen, die bereits ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkrankungen aufweisen, aber die durch fehlende Hormone auftretenden Wechseljahresbeschwerden mit einer Hormonersatztherapie lindern wollen, bietet sich deshalb die Anwendung über die Haut mit Hormongel oder Hormonpflaster an. Dazu gehören Frauen mit einer erblich bedingten Veranlagung für Thrombosen ebenso wie übergewichtige Frauen und Raucherinnen.

Grundsätzlich gilt: Vor der Entscheidung für oder gegen eine Hormontherapie sollten Arzt und Patientin in einem umfassenden Gespräch die Vorteile der Behandlung wie Beschwerdefreiheit, Langzeitschutz und bessere Lebensqualität gegen die individuell bestehenden Risiken abwägen.

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