Transdermale Östrogenzufuhr

Östrogengabe über die Haut: Geringeres Gallensteinrisiko

Gallensteine, bei Frauen ohnehin öfter als bei Männern, können bei einer Hormonersatztherapie mit Östrogenen in Tablettenform häufiger entstehen. Bei Anwendung über die Haut ist das Risiko geringer.

Nicht nur fettes, ungesundes Essen begünstigt Gallensteine. Frauen haben ein höheres Risiko für Gallenbeschwerden, denn die Östrogene beeinflussen die Stoffwechselprozesse in der Leber.
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Gallensteine entstehen bei einer zu starken Eindickung der Gallenflüssigkeit. Das passiert, wenn die einzelnen Bestandteile der Gallenflüssigkeit nicht im richtigen Verhältnis zueinander vorliegen und dadurch schlecht lösliche Substanzen ausfallen. In der überwiegenden Zahl der Fälle betrifft das Cholesterin (Cholesterinsteine).

Gallensteine können sowohl in der Gallenblase als auch in den Gallengängen entstehen. Oft leben die Betroffenen viele Jahre beschwerdefrei. Symptome verursachen Gallensteine erst dann, wenn es zu Entzündungen der Gallenblasenwand (Cholezystitis) kommt oder Gallensteine die Gallengänge verschließen, was einen Stau der Gallenflüssigkeit mit Gelbsucht und Entzündungen der Gallenblase und Gallengänge verursachen kann.

 

Beschwerden bei Gallensteinleiden

Beschwerden bei Gallensteinleiden können sein:

Weitere Beschwerden wie Sodbrennen, Druck- und Völlegefühl oder Fettunverträglichkeit kommen auch bei anderen Erkrankungen vor und sind deshalb nicht zwangsläufig Anzeichen für ein Gallensteinleiden.

Östrogene fördern die Entstehung von Gallensteinen

Gallensteine sind eine häufige Erkrankung, die in Deutschland rund 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betrifft. Schätzungsweise jede fünfte Frau und etwa jeder zehnte Mann über 40 Jahre haben Gallensteine, bei den über 75-Jährigen sind es vermutlich sogar jede dritte Frau und jeder fünfte Mann. Das häufigere Vorkommen von Gallensteinen bei Frauen wird darauf zurückgeführt, dass Östrogene die Stoffwechselprozesse in der Leber beeinflussen.

Auch bei der oralen Hormonersatztherapie sind Gallensteine ein Problem

Untersuchungen ergaben, dass bei Frauen in und nach den Wechseljahren eine Hormonersatztherapie (HRT) mit Östrogenen in Tablettenform (orale HRT) das Risiko für Gallensteine erhöht. Dieser Effekt ist offenbar bestimmten Prozessen in der Leber zuzuschreiben. So gelangen Östrogene, wenn sie als Tablette eingenommen werden, über den Magen-Darm-Trakt zuerst in die Leber. Dort werden sie in der sogenannten ersten Leberpassage verarbeitet. Dabei beeinflussen sie aufgrund ihrer hohen Konzentration bestimmte Stoffwechselprozesse, sodass unter anderem vermehrt Cholesterin anfällt und in die Gallenflüssigkeit gelangt.

Hormonpflaster oder -gele mit geringerem Risiko

Werden Östrogene im Rahmen einer Hormonersatztherapie nicht als Tabletten, sondern über die Haut in Form von Pflastern oder Gelen, also transdermal, zugeführt, ist das Risiko für ein Gallensteinleiden geringer. Das ergab eine große Studie, in der die Daten von mehr als einer Million Frauen nach den Wechseljahren analysiert worden waren. Frauen mit HRT hatten ein höheres Risiko für eine Erkrankung der Gallenblase als Frauen ohne HRT. Doch stieg das Risiko bei einer Anwendung der Östrogene als Tabletten deutlich höher an als bei einer Anwendung über die Haut.

Grund dafür ist wahrscheinlich, dass bei einer Zufuhr über die Haut die erste Leberpassage der aufgenommenen Östrogene entfällt.

 

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Letzte Aktualisierung:18. Dezember 2017
Quellen: Liu, B. et al.: Gallbladder disease and use of transdermal versus oral hormone replacement therapy in postmenopausal women: prospective cohort study. British Medical Journal 2008, 337:a386; Cirillo, D.J. et al.: Effect of Estrogen Therapy on Gallbladder Disease. JAMA 2005, 293(3):330-339; Patientenleitlinie „Gallensteinleiden“, Hrsg. Medizinisches Wissensnetzwerk evidence.de der Universität Witten/Herdecke (Stand: November 2005); AWMF-Leitlinie „Diagnostik und Therapie von Gallensteinen“, Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen und Deutsche Gesellschaft für Viszeralchirurgie, Nr. 021/008 (Stand: Juli 2007)