Östrogene über die Haut zuführen

Art der Hormonzufuhr senkt Thrombose-Risiko

Besteht ein Risiko für die Entstehung von Thrombosen ist vor allem die Östrogengabe über die Haut günstiger als die Einnahme von Tabletten.

Das Thromboserisiko lässt sich bei einer Hormontherapie durch die Wahl der Wirksubstanzen senken

Eine Reihe von Frauen in den Wechseljahren leidet erheblich unter den typischen Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schweißausbrüchen. Nach wie vor gilt die Hormontherapie mit Östrogenen (gegebenenfalls kombiniert mit Gestagenen) als die wirksamste Therapie, um diese Symptome zu lindern. Doch unterschiedliche Studienergebnisse belegen: Gerade wenn Östrogen in Tablettenform (orale Gabe) zugeführt wird, erhöht die Hormonbehandlung das Risiko für Gerinnselbildungen in venösen Gefäßen vor allem der Beine (tiefe Bein- und Beckenvenenthrombosen). Diese Gerinnsel können mit dem Blutstrom mitgerissen werden und an anderen Stellen im Körper Gefäße verschließen (Embolien). Davon sind besonders die Lungen betroffen (Lungenembolie).

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Eine wesentlich geringere Gefahr scheint laut Experten von der Östrogenzufuhr über die Haut (transdermale Gabe) auszugehen – gerade für Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko ein wichtiges Kriterium bei der Wahl einer individuell geeigneten Hormonersatztherapie.

Risikofaktoren für Thromboembolien

Doch nicht nur die Hormonbehandlung kann das Risiko für Thromboembolien erhöhen. So nimmt die Gefahr auch mit steigendem Alter und/oder Gewicht sowie bei Rauchern zu. Weitere Risikofaktoren sind beispielsweise Bettlägerigkeit, Verletzungen, Krebserkrankungen oder Operationen. Daneben gibt es erbliche Faktoren, die mit einer erhöhten Neigung zur Gerinnselbildung einhergehen, wie bestimmte Genveränderungen. Betroffene, bei denen schön häufiger ungeklärte Thrombosen aufgetreten sind, sollten sich deshalb einer Gerinnungsdiagnostik unterziehen.

Zusammenspiel mehrerer Faktoren

Häufig kommen mehrere Risikofaktoren zusammen, so auch bei Frauen in und nach den Wechseljahren. Sie sind älter und neigen eher zu Übergewicht oder gar sehr starkem Übergewicht bis hin zur Fettsucht (Adipositas). Laut einigen Untersuchungen soll das Thromboembolierisiko ab 60 Jahren um das Vier- bis Achtfache zunehmen, bei Übergewicht und Adipositas um das Vier- bis Sechsfache.

Erhalten Frauen aufgrund von Wechseljahresbeschwerden eine Hormonbehandlung, kann die Gefahr für Thromboembolien weiter steigen. Allerdings spielt hier die Art der Hormonzufuhr eine wichtige Rolle.

Östrogenzufuhr über die Haut günstiger

So erhöht die Zufuhr des Östrogens als Tablette, also die Einnahme über den Mund (oral), offenbar das Risiko für venöse Thromboembolien. Dagegen geht die Gabe des Östrogens über die Haut (transdermal) mit einer deutlich geringeren Gefahr für Gerinnselbildungen einher, wie Studien zeigen.

Wenige Untersuchungen gibt es bislang zum Einfluss des Gestagens bei kombinierter Behandlung auf venöse Thromboembolien. Sie zeigen, dass bestimmte Substanzen vermutlich günstiger wirken als andere.

Bei erhöhtem Thromboserisiko keine orale Gabe

Prinzipiell gilt für alle Frauen in den Wechseljahren, die bereits eine Thrombose oder eine Embolie hatten, dass sie keine orale Hormontherapie erhalten sollten. Das kann auch auf Frauen zutreffen, die eine genetische Veranlagung haben oder in deren Familie bereits Thromboembolien aufgetreten sind.

Östrogenzufuhr über die Haut möglich

Prinzipiell bietet eine Hormontherapie mit einer transdermalen Östrogenzufuhr für diese Frauen offenbar Vorteile. Doch spielen bei der Entscheidung für oder wider eine beziehungsweise eine bestimmte Form der Hormonbehandlung verschiedene Faktoren eine Rolle. Zusammen mit der betroffenen Frau wird der behandelnde Frauenarzt daher die Möglichkeiten prüfen und Nutzen und Risiken einer Hormontherapie sorgfältig gegeneinander abwägen, bevor sich Arzt und Patientin entscheiden. Zudem können Veränderungen des Lebensstils wie Ernährungsumstellung, viel Bewegung, Gewichtsabnahmen und/oder Rauchstopp das Risiko für venöse Thromboembolien ebenfalls mindern.

Thrombosen vorbeugen

Besonders bei langen Reisen und langem Sitzen besteht eine erhöhte Gefahr, Thrombosen zu entwickeln. Einfach Maßnahmen helfen jedoch, die gefährliche Gefäßverschlüsse zu verhindern.

Alle Bewegungen, die die Wadenmuskulatur aktivieren, fördern den Blutstrom in den Venen und helfen dadurch, einen Blutstau zu verhindern. Wer mit dem Auto unterwegs, sollte sich immer wieder kleinere Pausen mit Bewegungsübungen gönnen. Auch bei Reisen im Zug oder im Flugzeug sollte man zwischendurch den Sitz verlassen und mit gymnastischen Übungen den Blutfluss in den Venen anregen. Auch das Hochlagern der Beine hilft.

Bei langen Reisen ist zudem das Tragen von Kompressionsstrümpfen zu empfehlen. Diese liegen eng an, üben Druck auf die oberflächlich gelegenen Venen im Bein aus und fördern dadurch den Abtransport des Blutes.

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Letzte Aktualisierung: 18. Dezember 2017
Letzte Änderung durch: es
Quellen Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause (HAT). Interdisziplinäre S3-Leitlinie. September 2009. URL: http://www.dggg.de/fileadmin/public_docs/Leitlinien/2-1-4-ht-lang-hp1.pdf (Stand 08.02.2011) Canonico, M.; Scarabin, P. Y.: Hormone therapy and risk of venous thromboembolism among postmenopausal women. In: Climacteric 12(Suppl 1) (2009), S. 76-80 Lambrinoudaki, I. et al.: EMAS position statement: Managing obese postmenopausal women. In: Maturitas 66 (2010), S. 323-326 Uxa, S.; Kneussl, M.: Venöse Thromboembolien. In: Wiener Klinische Wochenschrift Education 3-4 (2009), S. 123-139 Windler, E. et al.: Herz-Kreislauf-Risiko und Hormontherapie in der Postmenopause. In: Der Gynäkologe 43 (2010), S. 301-307 Deutschen Gesellschaft für Angiologie: Interdisziplinäre S2-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie. VASA S/78 (2010), S. 1-39. URL: http://www.dga-gefaessmedizin.de/uploads/media/S2-LL.TVT_LE.Aug.2010.pdf (Stand 08.02.2011)