Zusatznutzen einer Hormonersatztherapie

Mit Hormontherapie Diabetes-Risiko senken?

Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, ist eine gefährliche Erkrankung mit oft weitreichenden Folgen. Erhalten Frauen wegen starker Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen eine Hormontherapie, kann diese auch helfen, Übergewicht oder Diabetes zu vermeiden.

Diabetes
Frauen nach den Wechseljahren, die irgendwann einmal eine Hormonersatztherapie angewendet hatten, erkranken seltener an Diabetes mellitus.
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Diabetes ist durch anhaltend hohe Blutzuckerwerte gekennzeichnet. In den Industrienationen wie Deutschland ist er inzwischen eine der häufigsten chronischen Erkrankungen, seine Verbreitung nimmt stetig zu. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO wird die weltweite Anzahl der an Diabetes erkrankten Personen von 171 Millionen im Jahr 2000 auf mehr als 366 Millionen im Jahr 2030 ansteigen.

Auch in Deutschland ist seit mehreren Jahrzehnten eine kontinuierliche Zunahme von Diabetespatienten zu beobachten. So leiden bis zu sechs Millionen Bundesbürger daran, wie aus dem Gesundheitsbericht „Diabetes 2013“ hervorgeht. 90 Prozent leiden an einem Typ-2-Diabetes, die anderen an Typ-1-Diabetes – darunter schätzungsweise 15.000 Kinder.

Alltagstipps: Gesund durch die Wechseljahre

Im höheren Lebensalter ist Typ-2-Diabetes häufiger

Der Häufigkeitsanstieg betrifft im Wesentlichen den Typ-2-Diabetes. Er wurde früher auch als "Altersdiabetes" bezeichnet, weil er im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes häufiger im höheren Lebensalter vorkommt. Unter den 40- bis 59-Jährigen sind etwa zwischen vier und zehn Prozent der Frauen und Männer an Diabetes erkrankt, bei den über 60-Jährigen sind es zwischen 18 und 28 Prozent.

Beim Diabetes liegt eine Störung des Glukosestoffwechsels vor, die letztendlich zu einer dauerhaften Erhöhung der Zuckerkonzentration im Blut (Hyperglykämie) führt. Beim Typ-2-Diabetes besteht ein relativer Insulinmangel: Das blutzuckersenkende Hormon Insulin kann an den Körperzellen nicht mehr seine volle Wirksamkeit entfalten, weil sich – meist infolge eines dauerhaften Überangebots – eine Resistenz gegen das Hormon entwickelt hat. Als eine der wichtigsten Ursachen gilt Übergewicht bzw. Fettsucht.

Hormonumstellung als Risikofaktor

Wenn durch die nachlassende Hormonproduktion Mid-Agerinnen langsam in die Wechseljahre kommen, entsteht durch den zunehmenden Östrogenmangel ein leichter Überschuss von männlichen Sexualhormonen. Und das hat Auswirkungen auf den Körper der Frau. Am Rumpf, vor allem am Bauch und um die inneren Organe wie Leber, Niere oder Bauchspeicheldrüse lagert sich vermehrt Fett ab. Das stört, weil die weibliche Silhouette mit ihren schönen Rundungen dabei mehr und mehr verloren geht.

Dieser Prozess ist aber nicht nur ein kosmetisches Problem. Im Gegensatz zu den üblichen Fettpolstern an Hüfte, Taille, Oberschenkeln und Po ist das Bauchfett hochaktiv und bildet eine Reihe unerwünschter Signalstoffe. Diese ungesunden Substanzen machen die Zellen unempfindlich für das Hormon Insulin und fördern eine Insulinresistenz. Die Folgen: Der Blutzuckerspiegel steigt an, die Insulinausschüttung ebenso.

Ein Teufelskreis, aus dem sich ein Diabetes entwickeln kann. Eiserne Disziplin, ein cleverer Speiseplan, täglich 20 bis 30 Minuten schnelle Bewegung können die Pfunde zwar in Schach halten, einfach ist das auf Dauer aber nicht. Denn eine 50-jährige Frau braucht rund 400 Kilokalorien weniger als eine 25-Jährige, ältere noch weniger. „Wichtig ist vor allem eine gesunde und vollwertige Ernährung“, rieten die Wissenschaftler bei dem Ärzte-Symposium ”Präventive Endokrinologie 2016” in Kloster Irsee.

Ungünstig sind dagegen schnell verwertbare Kohlenhydrate, zum Beispiel Zucker aller Art, auch in Obst wie Bananen oder Äpfeln. Ideal sei eine Art Insulin-Trennkost, kombiniert mit viel Bewegung: Morgens liefern Kohlenhydrate wie Brot oder Müsli mit Obst und Honig viel Energie, um in Gang zu kommen. Mittags ist Mischkost mit vielen Kohlenhydraten optimal, denn um diese Tageszeit bereitet ein hoher Insulinspiegel dem Körper keine Probleme. Abends dagegen sollte komplett auf Kohlenhydrate verzichtet werden. Stattdessen lieber Eiweißlieferanten wie Fisch und Fleisch mit viel Gemüse oder Rohkost essen.

Die Folgen von Diabetes sind gefährlich

Diabetes ist eine tückische Erkrankung. Zwar treten bei schlecht eingestelltem Blutzucker oder noch nicht erkannter Krankheit auch Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, starker Durst und häufiges Wasserlassen auf. Doch diese Beschwerden sind oft nur unspezifisch, sodass Diabetes mellitus häufig erst spät entdeckt wird.

Die Folgen eines nicht oder nur unzureichend behandelten Diabetes können schwerwiegend sein: Durchblutungsstörungen an der Netzhaut mit Sehstörungen bis hin zur Erblindung (diabetische Retinopathie), Nierenschäden bis hin zum Nierenversagen, Nervenschädigungen, offene schlecht heilende Wunden und Geschwüre insbesondere an den Füßen („diabetischer Fuß“) sowie Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), die nicht selten im Zusammenhang mit anderen Risikofaktoren wie Übergewicht, erhöhten Blutfettwerten, Bluthochdruck und Rauchen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigert wie beispielsweise die koronare Herzkrankheit, den Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Schutz vor Diabetes durch Hormonersatztherapie

Neueste Erkenntnisse aus der jungen Wissenschaft der Gendermedizin weisen darauf hin, dass Frauen mit Zuckerkrankheit ein höheres Schlaganfall-Risiko haben als Männer. An einer koronaren Herzkrankheit erkranken Frauen zwar seltener, dann aber schwerer. Frauen, die sich aufgrund starker Wechseljahresbeschwerden einer Hormontherapie unterziehen, senken nebenbei die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung eines Diabetes: „Oral eingenommenes Östradiol verringert das Risiko für einen Diabetes-Typ-2 um bis zu 30 Prozent, als Gel, das auf die Haut aufgetragen wird, etwa genau so viel“, so die Wissenschaftler beim Symposium. „Östradiol schützt die Zellen und verbessert die Insulin-Reserven. Auch, wenn Patientinnen glauben, dass Hormone dick machen, ist daher eher das Gegenteil zu erwarten.“

Denn das weibliche Sexualhormon Östradiol verringert nicht nur Übergewicht und Diabetes-Risiko, sondern steigert auch die Fettverbrennung und die Fettmobilisation. Obendrein zügelt es über einen komplexen Mechanismus den Appetit. Der Östrogen-Abkömmling kann zusätzlich dem sogenannten metabolischen Syndrom effektiv entgegenwirken: dem Herz- und Gefäßfeind Nummer eins aus dem verhängnisvollen Trio erhöhte Blutfette, Bluthochdruck und Diabetes.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 18. Oktober 2017
Durch:
Quellen: Deutscher Gesundheitsbericht. Diabetes 2007. Hrsg. Deutsche Diabetes-Union (DDU); Wenderlein, M.: Hormonersatztherapie zur Prävention. Diabetes, KHK und Co. – vieles spricht für die HRT. gynäkologie + geburtshilfe, 2009, 10: 69-72; de Lauzon-Guillain, B. et al.: Menopausal hormone therapy and new-onset diabetes in the French Etude Epidemiologique de Femmes de la Mutuelle Générale de l’Education Nationale (E3N) cohort. Diabetologia 2009, 52: 2092-2100

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