Östrogenmangel reduziert Schutz

Übergewicht und Diabetes als Folgen der Wechseljahre?

Vor allem ab den Wechseljahren haben viele Frauen mit überschüssigem Bauchfett zu kämpfen. Wer nicht rechtzeitig aufpasst und gegensteuert, kann seinem Körper nachhaltig schaden. Denn: Übergewicht kann schlimme Folgen, wie etwa Diabetes mellitus haben.

Frauen in und nach den Wechseljahren nehmen oft schnell zu – daraus kann sich auch Diabetes entwickeln.
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Übergewicht gilt mittlerweile als Volkskrankheit, einige Experten sprechen sogar von einer "Epidemie". Zwei Drittel aller Männer und mehr als die Hälfte aller Frauen in Deutschland sind übergewichtig, jeder fünfte Bundesbürger ist bereits fettleibig. Im Alter nimmt die Häufigkeit von Übergewicht zu: Von den über 60-Jährigen weist knapp ein Drittel eine Fettleibigkeit auf.

Alltagstipps: Gesund durch die Wechseljahre

Der Grund: Der Energieverbrauch lässt mit dem Alter nach. So benötigt eine 50-jährige Frau täglich rund 400 Kalorien weniger als eine 25-jährige, ältere noch weniger. Die Folgen von Übergewicht sind gravierend, denn es droht zum Beispiel eine chronische Diabetes-Erkrankung. Auch Herzleiden, Bluthochdruck oder Arteriosklerose können durch zu viele überschüssige Pfunde entstehen.

Übergewicht und Diabetes durch falsche Ernährung

Der Nationalen Verzehrsstudie der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel zufolge ist der häufigste Grund für Übergewicht die falsche Ernährung. Demnach schätzt nur jeder zehnte Teilnehmer dieser Studie seinen täglichen Energiebedarf realistisch ein. Die überwiegende Mehrheit glaubt, sich mehr Kalorien zuführen zu müssen, als es in Hinblick auf ihre Aktivitäten tatsächlich nötig ist.

Diäten bringen meist wenig. Dr. Detlef Pape, Internist und Ernährungsmediziner weiß, warum das so ist: "Abnehmen heißt eben nicht hungern. Wer abnehmen will, muss essen – aber die Nahrungsmittel klug auswählen." Sein Geheimrezept lautet: "Das Insulin in Schach halten".

Wurstbrot und Co. fördern Diabetes

Insulin ist ein körpereigenes Hormon. Die Bauchspeicheldrüse schüttet es insbesondere bei der Aufnahme von Kohlenhydraten aus. Insulin senkt schnell den Blutzucker, der nach dem Essen ansteigt, auf die Ausgangswerte und stellt außerdem den Körperzellen Nährstoffe zur Verfügung. Zugleich blockiert Insulin die Fettverbrennung.

Daher ist vor allem eine Kombination von Kohlenhydraten (zum Beispiel in Brot, Nudeln, Kartoffeln, Zucker) und tierischen Fetten (beispielsweise in Käse, Quark, Joghurt, Wurst, Fleisch) gefährlich: Die Bauchspeicheldrüse wird maximal stimuliert und reagiert darauf mit viel Insulin. Die tierischen Fette werden dadurch nicht verwertet, sondern in Depots eingelagert.

Wechseljahre: Mehr Bauchfett & hohes Diabetesrisiko

Nicht nur schlechte Ernährung und höheres Alter generell können das Gewicht in die Höhe treiben. Bei Frauen spielen vor allem die Wechseljahre eine entscheidende Rolle: In der Menopause stellen die Eierstöcke ihre Funktion ein und produzieren kein Östrogen mehr. Dadurch kommt es zu einem leichten Überschuss an männlichen Sexualhormonen. In der Folge lagert sich vermehrt Fett am Rumpf, vor allem am Bauch und um die inneren Organe wie Leber, Niere oder Bauchspeicheldrüse, ab.

Natürliche Helfer in den Wechseljahren

Im Gegensatz zu den üblichen Fettpolstern an Hüfte, Taille, Oberschenkeln und Po und bildet eine Reihe unerwünschter Signalstoffe. Diese führen letztendlich zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels und dadurch einer erhöhten Insulinausschüttung. Ein Teufelskreis, aus dem leicht chronischer Diabetes entstehen kann.

Diabetes vor allem in Industrienationen

Beim Diabetes liegt eine Störung des Glukosestoffwechsels vor, die schließlich eine dauerhafte Erhöhung der Zuckerkonzentration im Blut (Hyperglykämie) begünstigt. Beim Typ-2-Diabetes besteht ein relativer Insulinmangel: Insulin kann an den Körperzellen nicht mehr seine volle Wirksamkeit entfalten, weil sich – meist infolge eines dauerhaften Überangebots – eine Resistenz gegen das Hormon entwickelt hat.

Die Erkrankung ist vor allem in den Industrienationen weit verbreitet: Weltweit sollen die Zahlen auf 366 Millionen Erkrankte im Jahr 2030 ansteigen. Zum Vergleich: 2000 waren es noch rund 170 Millionen. In Deutschland leiden aktuell etwa 6,7 Millionen Menschen daran, wie aus dem Gesundheitsbericht „Diabetes 2017“ hervorgeht. Mehr als 95 Prozent leiden an einem Typ-2-Diabetes, früher auch "Altersdiabetes" bezeichnet, denn er kommt besonders häufig im höheren Lebensalter vor.

Erblindung bis Nierenversagen: Folgen von Diabetes

Die Symptome von Diabetes sind oft nur unspezifisch (wie etwa Müdigkeit, starker Durst, häufiges Wasserlassen), sodass die Erkrankung häufig erst spät entdeckt wird. Die Folgen eines nicht oder nur unzureichend behandelten Diabetes können allerdings schwerwiegend sein:

Hormone schützen vor Übergewicht und Diabetes

Frauen, die sich aufgrund starker Wechseljahresbeschwerden einer Hormontherapie unterziehen, beugen nebenbei Übergewicht und Diabetes vor. Denn: Östradiol, ein Östrogen-Abkömmling, soll die Zellen schützen und Insulin-Reserven verbessern.

Auch dickmachen soll das Hormon nicht: Stattdessen soll es die Fettverbrennung und -mobilisation steigern. Obendrein glauben einige Wissenschaftler, dass es den Appetit zügelt. Östradiol kann zusätzlich dem sogenannten metabolischen Syndrom effektiv entgegenwirken: dem Herz- und Gefäßfeind Nummer eins aus dem verhängnisvollen Trio erhöhte Blutfette, Bluthochdruck und Diabetes.

Hormonfreie Alternative: Sport und gute Ernährung

Es gibt aber auch andere – medikamentenarme – Methoden, Übergewicht und Diabetes vorzubeugen: . Internist und Ernährungsmediziner Pape empfiehlt Betroffenen auf süße oder fettige Snacks zwischendurch weitgehend zu verzichten. Auch schnell verwertbare Kohlenhydrate in Wurst und Käse mit hohem Fettgehalt sowie Limonaden, Fruchtsäfte, Süßigkeiten, die Fruktose enthalten, aber auch Obst wie Bananen und Äpfel sollten Tabu sein.

Stattdessen rät Pape zu drei richtigen Mahlzeiten:

Mit zusätzlicher regelmäßiger sportlicher Betätigung sind Betroffene gut gegen Übergewicht und Diabetes aufgestellt.

Autor: Kathrin Sommer, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 10. September 2018
Quellen Deutscher Gesundheitsbericht. Diabetes 2017. Hrsg. Deutsche Diabetes-Union (DDU); Wenderlein, M.: Hormonersatztherapie zur Prävention. Diabetes, KHK und Co. – vieles spricht für die HRT. gynäkologie + geburtshilfe, 2009, 10: 69-72; de Lauzon-Guillain, B. et al.: Menopausal hormone therapy and new-onset diabetes in the French Etude Epidemiologique de Femmes de la Mutuelle Générale de l’Education Nationale (E3N) cohort. Diabetologia 2009, 52: 2092-2100; Newsletter Prävention, 01/2008, Hrsg. Dr. Kade/Besins Pharma GmbH; Nationale Verzehrsstudie II. Hrsg. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz; D. Pape et al. Satt - Schlank ? Gesund. Das Ernährungs-Praxisbuch nach dem Insulinprinzip. Deutscher Ärzte-Verlag 2003
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