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Bioidentische Hormone: Wirkung, Sicherheit und Risiken

Bioidentische Hormone sind den körpereigenen Hormonen identisch. Studien zeigen, dass eine Behandlung von Wechseljahresbeschwerden mittels bioidentischer Hormon-Präparate effektiv ist. Doch Vorteile, Nutzen und Risiken, auch im direkten Vergleich zur klassischen Hormonersatztherapie, werden in Fachkreisen diskutiert.

Bioidentische Hormone
Bioidentische Hormone können Wechseljahresbeschwerden nebenwirkungsarm lindern.
© iStock.com/Wavebreakmedia

Im Überblick:

Natürliche Helfer in den Wechseljahren

Was sind bioidentische Hormone?

Bioidentische Hormone, auch "körperidentische" oder "naturidentische" Hormone genannt, sind Hormonpräparate, die in ihrer molekularen Struktur und Funktion den körpereigenen Botenstoffen entsprechen. Das ist zum einen 17-Beta-Estradiol, also das körpereigene Östrogen, und zum anderen Progesteron, das natürlich vorkommende Gelbkörperhormon.

Körperidentische Hormone können zur Behandlung von Beschwerden der Wechseljahre eingesetzt werden.

Bioidentische Hormone lindern Wechseljahresbeschwerden

Bioidentische Hormone sind zur Linderung von Beschwerden, die durch einen Mangel an Östrogen ausgelöst werden. genauso effektiv wie synthetisch hergestellte Präparate. Sie können etwa Hitzewallungen, Konzentrationsprobleme, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen sowie depressive Verstimmungen mindern.

Studien haben außerdem gezeigt, dass eine Therapie mit bioidentischen Hormonen, welche innerhalb der ersten zehn Jahre nach der Menopause (= Zeitpunkt der letzten Menstruation) und vor dem 60. Lebensjahr begonnen wird, eine schützende Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem hat.

Sind bioidentische Hormone verträglicher?

Zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden sehen viele Frauen in bioidentischen Hormonen eine "natürlichere" Alternative zur klassischen Hormonersatztherapie mittels künstlich hergestellter Hormone. Die Beliebtheit rührt vor allem daher, dass Befürworter der Anwendung bioidentischer Hormone Vorteile hinsichtlich der Verträglichkeit propagieren. Sie begründen das mit der besonderen "Natürlichkeit" der Hormone.

Fakt ist aber, dass auch die synthetischen Hormone der Struktur der körpereigenen Hormone entsprechen. Im Falle von Progesteron ist auch der Ausgangsstoff der selbe: Sowohl künstlich hergestelltes als auch natürliches Progesteron werden aus der Yamswurzel gewonnen.

Studien zeigen, dass beide Therapieoptionen Wechseljahresbeschwerden effektiv lindern können und Vorteile für die Gesundheit bezüglich Erkrankungsrisiken haben können. Doch ist eine Therapie von Wechseljahresbeschwerden mittels bioidentischer Hormone nun risikoärmer und verträglicher? Wissenschaftler*innen und Ärzt*innen sind sich hierin bislang nicht einig.

Die Verstoffwechslung im Körper ist bei beiden Formen jedenfalls vergleichbar. Sie sind allerdings beide nicht frei von Nebenwirkungen. Auch die Anwendung bioidentischer Hormone bringt Risiken mit sich. Die Risiken sind größtenteils mit denen einer klassischen Hormonersatztherapie, also mittels synthetischer Hormone, vergleichbar.

Bezüglich Wirkung und Nebenwirkungen ist letztlich nämlich nicht das Herstellungsverfahren der Präparate entscheidend. Vielmehr machen die Darreichungsform, Zusammensetzung und Dosierung der jeweiligen Produkte entscheidende Unterschiede. Welche Darreichungsformen es gibt, können Sie hier nachlesen.

Sicherheit und Risiken bioidentischer Hormone

Bioidentische Hormonpräparate, die individuell durch einen Apotheker zusammengemischt werden, sind keine standardisierten Produkte, haben keine Zulassung als pharmazeutisches Produkt und werden nicht streng medizinisch kontrolliert. Risiken und Nebenwirkungen sind deshalb nicht bestimmt, die Daten zur Wirksamkeit, Qualität und Sicherheit sind unzureichend, weshalb Fachgesellschaften wie die Deutsche Menopausen Gesellschaft (DMG) vom Einsatz solcher Produkte abraten. Auch unerwünschte Nebenprodukte können nicht sicher ausgeschlossen werden. Vorsichtig sollten Frauen vor allem bei frei im Internet erhältlichen Präparaten bioidentischer Hormone sein.

Im Gegensatz dazu haben zugelassene Produkte der Hormonersatztherapie eine nachgewiesene Wirksamkeit zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden. Oft wird von ärztlicher Seite eine transdermale Darreichungsform empfohlen, da diese nachweislich risikoärmer ist. Dabei werden die Hormone mittels Spray, Creme, Gel oder Pflaster über die Haut aufgenommen. Ein Vorteil dieser Applikation besteht darin, dass die Leber bei der Verstoffwechselung umgangen wird – anders als bei der oralen Einnahme von Hormontherapie mit Tabletten. Außerdem ist die Dosierbarkeit der Gabe über die Haut individueller dosierbar, denn es gilt die Regel: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Eine Datenanalyse aus dem Jahr 2012, bei der 3,3 Millionen Frauen nachverfolgt wurden, zeigte kein erhöhtes Risiko für Thromboembolien bei der transdermalen Anwendung im Gegensatz zur oralen Einnahme. Deshalb gilt die Gabe von bioidentischen Hormonen über die Haut als erste Wahl. Das gilt besonders für Frauen mit einem BMI über 30, da für sie das Risiko mit der oralen Einnahme deutlich steigt.

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