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Estradiol: synthetisches Östrogen für die Wechseljahre

Estradiol ist ein Wirkstoff, der gegen Wechseljahresbeschwerden und zur Empfängnisverhütung eingesetzt wird. Er ist ein synthetisches Hormon, das dem natürlichen Östrogen entspricht. Alles zur Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen von Estradiol in den Wechseljahren.

Frau mittleren Alters
Estradiol kann bei Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen helfen.
© Westend61/Getty Images

Der Wirkstoff Estradiol (auch Östradiol) ist dem körpereigenen Hormon Östrogen nachempfunden und kommt vor allem in der Hormonersatztherapie der Wechseljahre zum Einsatz.

Wirkung von Estradiol

In den Wechseljahren sinkt der Estradiol-Spiegel im weiblichen Körper. Damit verbunden kann es durch den Östrogenmangel zu vielfältigen Symptomen kommen, die als typische Wechseljahrsbeschwerden gekennzeichnet sind. Außerdem wirkt sich der Hormonabfall ungünstig auf die Knochendichte aus und kann langfristig zu Osteoporose führen.

Präparate mit Estradiol können verschiedene Beschwerden, deren Ursache die Wechseljahre sind und die die Lebensqualität deutlich beeinflussen, lindern. Hierzu gehören:

  • Hitzewallungen

  • vaginale Trockenheit und Reizungen

  • Schlafstörungen

  • Erschöpfung

  • Stimmungsschwankungen

Estradiol erhöht zudem nachweislich die Knochendichte und dient somit der Prävention von Osteoporose.

Im Gegensatz zu früheren Präparaten sind die heute auf dem Markt erhältlichen Hormonpräparate niedrig dosiert. Es gibt Estradiol-Präparate für die orale (Tabletten), für die transdermale (Spray, Gel, Pflaster) und für die vaginale Anwendung.

estradiol anwendungsformen
Die verschiedenen Anwendungsformen von Estradiol
© lifeline.de

Sicherheit

Für eine Hormontherapie mit Estradiol ist bei der oralen Gabe in Tablettenform ein etwa zweifach erhöhtes Thromboserisko bekannt. Bei der transdermalen Gabe mittels Spray oder Gel hingegen ergaben Studien kein erhöhtes Thromboserisiko.

Eine Hormonersatztherapie wird immer wieder mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko in Verbindung gebracht. Allerdings hängt dies davon ab, mit welchen Hormonen die Behandlung erfolgt und wie lange sie stattfindet. Das Risiko für Brustkrebs steigt leicht an, wenn eine Kombination aus Östrogen und Gestagen verordnet wird. Bei alleiniger Gabe von Östrogenen hingegen scheint das Brustkrebsrisiko sogar leicht gesenkt zu werden. In einer französischen Studie konnte gezeigt werden, dass bei einer kombinierten Gabe von Östrogen und Progesteron für einen Zeitraum von fünf Jahren das Brustkrebsrisiko nicht erhöht war. Wird Östrogen mit synthetischen Gestagenen kombiniert, steigt das Risiko jedoch an.

Nebenwirkungen von Estradiol

Die Nebenwirkungen von Estradiol können vielfältig sein, da es sich um ein hormonelles Präparat handelt. Grundsätzlich sind bei der transdermalen und vaginalen Anwendung weniger Nebenwirkungen zu erwarten als bei der oralen Einnahme.

Nebenwirkungen können unter anderem sein:

  • Regelbeschwerden mit Blutungen
  • leichte allergische Reaktionen
  • Kopfschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Ödeme
  • psychische Veränderungen wie Stimmungsschwankungen, Unruhe, Nervosität oder Depressionen
  • Steigerung oder Abnahme des sexuellen Verlangens

Kontraindikationen von Estradiol

Estradiol hat aufgrund seiner hormonellen Wirkung auch Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten. Dazu gehören Medikamente, die bei epileptischen Anfällen verordnet werden (Antikonvulsiva), bestimmte Medikamente bei Infektionen (Antiinfektiva) und Präparate mit Johanniskraut. Die Wechselwirkungen treten vor allem bei der oralen Anwendung auf. Bei der vaginalen Anwendung sind Wechselwirkungen unwahrscheinlich, bei der transdermalen Anwendung schwächer, da sie nicht direkt über die Leber verstoffwechselt werden.

Bestimmte Vorerkrankungen führen dazu, dass eine Hormontherapie mit Estradiol nicht angewendet werden darf. Dazu gehören unter anderem:

  • Brustkrebs (akut oder in der Vergangenheit) sowie andere östrogenabhängige, bösartige Tumoren
  • frühere Thrombosen oder Embolien
  • Gerinnungsstörungen
  • ungeklärte Vaginalblutungen
  • Lebererkrankungen (akut oder in der Vergangenheit)
  • Schwangerschaft/Stillzeit

Daneben gibt es noch einige Vorerkrankungen, die eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung erfordern. Dazu gehören beispielsweise Hypertonie (hoher Blutdruck), Diabetes, Migräne und Asthma.

Ob ein Präparat mit Estradiol zur Hormontherapie in den Wechseljahren infrage kommt, sollten Frauen mit ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen besprechen.