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Hormonell bedingt

Haarausfall: Wechseljahre als Ursache für dünnes Haar

Das Haar wird zunehmend dünner, die Kopfhaut schimmert besonders am Scheitel durch: Haarausfall gehört zu den häufigen Wechseljahresbeschwerden, über 30 Prozent der Frauen sind betroffen. Welche Ursachen es gibt und was gegen den Haarverlust hilft.

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© Getty Images/Westend61

Nicht nur bei Männern wird das Haar mit dem Alter dünner, auch Frauen leiden ab Beginn der Wechseljahre (Klimakterium) zunehmend an Haarausfall. Die Hormonumstellung im Körper ist häufig der Grund. Lässt sich dem Verlust der Haarpracht vorbeugen und was hilft den Haarverlust aufzuhalten?

Artikelinhalte im Überblick:

Wechseljahre erkennen: Typische Symptome

So entsteht Haarausfall in den Wechseljahren

Haarausfall (Alopezie) ist bis zu einem gewissen Grad normal, rund 100 Haare pro Tag verliert jeder Mensch. Werden es mehr, macht sich dies zunächst meist erst einmal über mehr Haare in der Bürste nach dem Kämmen oder viele Haare auf dem Boden und Kopfkissen bemerkbar.

Bleibt der Haarausfall über einen längeren Zeitraum hinweg bestehen, kann sich dies auch am optischen Erscheinungsbild zeigen. Während sich bei Männern Haarausfall vor allem durch Geheimratsecken und einen nach hinten wandernden Haaransatz äußert, lichtet sich bei Frauen in den Wechseljahren das Haar insbesondere um den Scheitel herum. Die Kopfhaut schimmert dann weißlich durch, auch wirkt das Haar in den Längen ausgedünnt. Nur selten kommt es zu Geheimratsecken und einer hohen Stirn.

Die Wechseljahre gehen oftmals mit einer Vielzahl von Beschwerden einher, neben Haarausfall sind etwa Schlafstörungen und Hitzewallungen typisch. Ursache sind Veränderungen im Hormonhaushalt. Zu Beginn der Wechseljahre beginnt der Körper die Produktion von Östrogen und Progesteron nach und nach einzustellen, die Hormone (vorwiegend das Östrogen Estradiol) wirken an den Haarwurzeln und verlängern ihre Wachstumsphase. Durch den Östrogenmangel wird diese verkürzt, zudem können männliche Geschlechtshormone besser an der Haarwurzel wirken. Der Überschuss an Androgenen wie Testosteron (hauptsächlich das Dihydrotestosteron DHT) kann den Haarverlust in und nach den Wechseljahren zusätzlich begünstigen. Fachleute sprechen deshalb auch von androgenetischer Alopezie (Alopecia androgenetica).

Darüber hinaus scheint das Enzym Aromatase an dem Haarausfall bei Frauen beteiligt zu sein. Das Enzym wandelt männliche Geschlechtshormone in Östrogene um. Ist die Aktivität von Aromatase im Körper gering, unterstützt dies das hormonelle Ungleichgewicht in den Wechseljahren.

Zu Beginn der Wechseljahre sind weniger Frauen von dem hormonbedingten Haarausfall betroffen als nach der letzten Monatsblutung (Menopause): Dann ist der Östrogenspiegel besonders niedrig.

Diagnose und Untersuchungen bei Haarausfall in den Wechseljahren

Erste Anlaufstelle bei Haarausfall sollte der*die Hautarzt*Hautärztin sein, auch wenn sich viele Frauen erst einmal an ihre gynäkologische Praxis wenden. In einem Anamnesegespräch fragt der*die Dermatolog*in in der Regel, wie lange der Haarausfall schon besteht, ob er plötzlich oder schleichend aufgetreten ist und ob es in der Familie bereits Fälle mit Haarausfall gibt. Auch Vorerkrankungen und Stress sind für die ärztliche Einschätzung wichtig. Es folgt meist eine körperliche Untersuchung, in der Haare und Kopfhaut eingehender begutachtet werden. Häufig wird Blut abgenommen und im Labor untersucht.

Neben dem Klimakterium können eine Vielzahl körperlicher Ursachen hinter dem Haarausfall stecken, weshalb ein übermäßiger Haarverlust immer ärztlich abgeklärt werden sollte.

Mögliche weitere Ursachen für den Haarausfall sind:

  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Zink- oder Eisenmangel
  • Einnahme bestimmter Medikamente (etwa Betablocker, Antidepressiva, Ibuprofen, Blutverdünner, hochdosierte Vitamin-A-Präparate)
  • Vergiftungen
  • Starker Gewichtsverlust
  • Systemischer Lupus erythematodes

Fallen Haare an einer Stelle gezielt aus, kann auch kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) dahinter stecken. Die Ursachen für diese Art von Haarausfall sind bislang nicht bekannt.

Haarausfall in den Wechseljahren behandeln: Was tun?

Haarausfall in den Wechseljahren ist keine Erkrankung, es ist eine natürliche Folge der hormonellen Umstellung. Aus medizinischer Sicht behandlungsbedürftig ist die androgenetische Alopezie demnach nicht. Allerdings stellt ein massiver Haarausfall bei vielen Frauen eine emotionalen und psychische Belastung dar. Manche Betroffene empfinden den Verlust der Haarpracht als Verlust der Weiblichkeit, da für viele mit Weiblichkeit und Attraktivität mit langem, gesunden Haar verknüpft ist.

Während es im Internet, in Drogerien und Apotheken zahlreiche Mittel gibt, die helfen sollten, fragen sich viele Menschen, was wirklich hilft, den Haarausfall zu stoppen beziehungsweise die alte Haarfülle zurückzugewinnen. Wichtig ist vor allem, schnell zu handeln. Denn: Eine Haarwurzel, die einmal zugrunde gegangen ist, kann nicht wieder hergestellt werden oder sich regenerieren.

Zur Behandlung von Haarausfall können verschiedene Methoden und Mittel zum Einsatz kommen. Besteht zeitgleich zum Haarausfall eine Indikation für eine bioidentische Hormonersatztherapie, so kann diese den Hormonhaushalt stabilisieren und den verursachenden hormonellen Schwankungen entgegenwirken.

Daneben hat sich die Therapie mit Eigenserum, auch PRP-Behandlung (Platelet-Rich Plasma), bewährt. Dafür wird das eigene Blut abgenommen und in einer Zentrifuge aufgereinigt. Es enthält viele Wachstumsfaktoren, die in die Kopfhaut injiziert, das Haarwachstum in den Follikeln anregend können. Auch wird die Durchblutung und Versorgung mit Nährstoffen verbessert.

Zudem gibt es Tinkturen, die regelmäßig aufgetragen das Haarwachstum verbessern und den Haarausfall beschleunigen sollen. Bewährt hat sich vor allem der Wirkstoff Minoxidil. Dabei handelt es sich ein Blutdrucksenker, dessen Nebenwirkung unter anderem vermehrtes Haarwachstum ist. Wird die Lösung zweimal täglich auf die Kopfhaut aufgetragen, kann die Arzneimittellösung den Haarausfall eindämmen. Der Wirkstoff erweitert die Gefäße und fördert so die Durchblutung der Kopfhaut.

Auch gibt es die Möglichkeit einer Laserbehandlung (Low-Level-Laser-Therapie). Dabei wird die Kopfhaut mit energiereichem Laserlicht behandelt. Die Lasertherapie soll das Haarwachstum anregen und den Haarausfall stoppen, die Evidenz für eine positive Wirkung ist gering.

Tipps und Hausmittel bei Haarausfall in den Wechseljahren

Neben den gängigen Medikamenten und medizinischen Behandlungsmethoden von Haarausfall gibt es weitere Tipps, die bei Haarausfall helfen können. Zudem werden zahlreiche Produkte und Hausmittel empfohlen, die das Haarwachstum anregen sollen. Nicht alle sind wissenschaftlich gut belegt.

Tipps bei Haarausfall:

  • Bürsten: Wichtig ist es bei Haarausfall das Haar regelmäßig zu entwirren und von Knoten zu befreien. Dabei kann auch mit den Borsten die Kopfhaut massiert werden, das fördert lokal die Durchblutung. Empfohlen wird, auf Bürsten zu achten, die das Haar schonen und nicht noch zusätzliche Haare aus der Kopfhaut reißen. Auch sollte dabei nicht allzu fest an den Haaren gezogen werden: Seien Sie vorsichtig.

  • Koffein: Koffein macht wach, auch das Haarwachstum soll der Stoff anregen. Im Handel gibt es zahlreiche Tinkturen und Shampoos mit Koffein gegen Haarausfall. Die Wirkung ist allerdings bislang eher schlecht wissenschaftlich belegt.

  • Haarlänge: Ein kürzerer Haarschnitt kann helfen, das Haar voluminöser und kraftvoller erscheinen zu lassen, ausgedünntes Haar fällt bei Langhaarsfrisuren besonders stark auf.

  • Ausgewogene Ernährung: Die richtige Ernährung ist wichtig, um den Körper mit allen Nährstoffen zu versorgen, die er braucht. Auch die Haare leiden unter einer Mangelernährung. Sie brauchen vor allem viele Spurenelemente wie Eisen und Zink. Zudem sollten genügend Proteine aufgenommen werden.

  • Brennnessel:  Ein Sud aus Brennnesseln soll das Haarwachstum anregen. Hierfür werden Brennnesselblätter mit kochendem Wasser und etwas Apfelessig aufgegossen. Der abgekühlte Sud soll als Spülung über die Haare gegeben das die Haarwurzeln zum Wachstum anregen. Die Wirkung ist bislang nicht nachgewiesen.

  • Stress reduzieren: Haarausfall kann durch Stress und psychische Belastung verstärkt werden, deshalb ist es wichtig, den Stresspegel zu reduzieren und regelmäßig für Entspannung zu sorgen.

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