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Hormonell bedingte Migräne

Migräne: Besserung in den Wechseljahren?

Unerträgliche Kopfschmerzen, Erbrechen und teilweise neurologische Ausfälle: Migräne kann die Lebensqualität Betroffener stark einschränken, insbesondere bei oft wiederkehrenden Attacken. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer, die Migräneanfälle können hormonell bedingt sein und zyklisch auftreten. Ist eine Besserung in den Wechseljahren zu erwarten?

Migräne in den Wechseljahren
© Getty Images/Kateryna Onyshchuk

Bei Migräne handelt es sich um eine neurobiologische Störung des Gehirns, die mit Veränderungen der Durchblutung und entzündlichen Prozessen einhergeht. Das Gehirn selbst ist nicht schmerzempfindlich, die versorgenden Blutgefäße hingegen sind es. Die Blutgefäße sind bei einer akuten Attacke geweitet, es kommt zu Druck und Schmerzen. Daneben spielen eine vorübergehende Fehlfunktion der Schmerzregulation und eine damit einhergehende Überempfindlichkeit eine Rolle bei der Entstehung von Migränekopfschmerz.

Im Überblick:

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Hormonell bedingte Migräne: Warum die Kopfschmerzen zyklisch auftreten

Bis zum Einsatz der Pubertät sind Jungen und Mädchen gleichermaßen von Migräne betroffen. Dieses Verhältnis verändert sich mit der Geschlechtsreife. Frauen leiden dann rund dreimal häufiger an Migräne als Männer. Ursache sind die hormonellen Schwankungen während des Menstruationszyklus und ein Abfall des Geschlechtshormons Östrogen vor der Monatsblutung. Auch der Rückgang von Migräneattacken während der Schwangerschaft spricht für den Zusammenhang zwischen dem weiblichen Hormonhaushalt und Migräne.

Kommt es zwei Tage vor bis zwei Tage nach der Menstruation häufig zu Migräneattacken, sprechen Fachleute auch von einer menstruellen Migräne. Rund sieben bis acht Prozent aller Frauen mit der Schmerzerkrankung leiden an dieser Form. Prophylaktisch kann dann ein Hormonpflaster mit Östrogenen vor der Menstruationsblutung aufgeklebt werden, um den Hormonhaushalt zu stabilisieren und einer Attacke vorzubeugen.

Hormonell bedingte Migräne: Was verändert sich in den Wechseljahren?

In manchen Fällen bessert sich die Migräne in den Wechseljahren oder verschwindet ganz. In mehr als 50 Prozent der Fälle bleibt die menstruelle Migräne auch nach der Menopause (also der letzten Blutung) noch bestehen, also selbst wenn keine Periode mehr kommt und die zyklischen Hormonschwankungen ausbleiben. Wie Studien zeigen, kommt es bei 47 Prozent der Patientinnen sogar zu einer Verschlechterung nach Beginn der Wechseljahre. Ein Neuauftreten von Migräne in den Wechseljahren oder nach der Menopause ist eher untypisch, beim überwiegenden Teil der Patientinnen besteht die Erkrankung schon Jahre vorher.

Zur Behandlung einer schweren Migräne wird Frauen teilweise immer zu massiven Eingriffen geraten, wie etwa der Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter. Die Organe sind für die Bildung von Östrogen verantwortlich, eine operative Entfernung soll den Hormonhaushalt stabilisieren und die Migräneattacken reduzieren. Diese migräneprophylaktischen Eingriffe gelten als wissenschaftlich überholt und wirkungslos, sie bergen mehr Risiken als Vorteile für die Patientinnen. Wissenschaftler*innen konnten sogar eine Verschlechterung der Migräne nach den Eingriffen beobachten.

Hormontherapie bei Migräne in den Wechseljahren

Der Zyklus wird während der Perimenopause unregelmäßiger und der Körper stellt die Bildung von weiblichen Geschlechtshormonen nach und nach ein. Es kommt zu einem hormonellen Ungleichgewicht im Körper und zu zahlreichen Beschwerden wie:

In vielen Fällen kann eine Hormonersatztherapie helfen, die Wechseljahresbeschwerden zu lindern und den Hormonhaushalt zu stabilisieren. Wichtig ist dabei, die Behandlung mit Hormonen genau auf die jeweiligen Beschwerden und den Hormonstatus der Frau sowie ihre individuellen Bedürfnisse inklusive Vorerkrankungen anzupassen.

Die Hormonersatztherapie hat viele Vorteile. Bei Migränepatientinnen kann die Behandlung allerdings in manchen Fällen eine Verschlimmerung der Symptome nach sich ziehen und die Anfallshäufigkeit erhöhen. Weitere Untersuchungen zeigen jedoch, dass ein stabil gehaltener Hormonspiegel auch prophylaktisch wirken, also weiteren Migräneattacken vorbeugen kann. Deshalb empfiehlt sich im Falle von Migräne in den Wechseljahren und einer Hormonersatztherapie insbesondere die transdermale Darreichungsform, also eine Hormongabe über die Haut als Spray, Gel oder Creme. Sie sorgt für eine besonders kontinuierliche Hormonaufnahme und einen stabilen Östrogenspiegel. Dabei ist die Dosierung von zentraler Bedeutung: Ein zu hoher Östrogenspiegel kann ebenfalls weitere Migräneattacken auslösen und ist deshalb zu vermeiden.

Die genaue Dosierung und ob etwa eine zusätzliche Progesterongabe erfolgen sollte, ist mit der*dem behandelnden Gynäkolog*in abzustimmen. Progesteron wird etwa eingesetzt um Gebärmutterkrebs und Osteoporose vorzubeugen.

Migräne in den Wechseljahren: Was hilft dagegen?

Die Behandlung einer Migräne in den Wechseljahren sollte in enger Abstimmung von gynäkologischem und neurologischem Fachpersonal erfolgen. Im Falle eines akuten Anfalls ist die frühzeitige Einnahme von Schmerzmitteln wie Ibuprofen anzuraten, in schwerwiegenden Fällen helfen Triptane. Wer unter starker Übelkeit und Erbrechen leidet, kann sich auch ein Antiemetikum (Mittel gegen Übelkeit) von einem*einer Arzt*Ärztin verschreiben lassen. Dieses ist bei Bedarf stets vor dem Schmerzmittel beziehungsweise dem Triptan einzunehmen. Auch helfen Dunkelheit, Koffein, Ruhe sowie körperliche Schonung bei einer Migräneattacke. Manchmal kann ein Kühlpack auf den Augen die Schmerzen etwas lindern.

Um weiteren Migräneattacken vorzubeugen, sollte Stress vermieden und auf ausreichend Schlaf geachtet werden. Auch ein geregelter Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten kann vorbeugend wirken und das Risiko für eine Attacke senken. Daneben werden häufige Bewegung an der frischen Luft und Entspannungstechniken sowie Akupunktur empfohlen.

In schwerwiegenden Fällen mit mehr als drei Migräneattacken pro Monat kann auch eine medikamentöse Migräneprophylaxe erfolgen. Hierbei kommen etwa Blutdrucksenker wie Betablocker oder Kalziumantagonisten infrage. Auch Antiepileptika, Antidepressiva sowie Injektion mit Botulinumtoxin haben sich als Prophylaxe bewährt, insbesondere bei chronischen Fällen.

Frauen, die besonders häufig unter den Kopfschmerzen leiden, sollten zusätzlich ein Kopfschmerztagebuch führen, in dem sie die Anfälle dokumentieren. Ebenso relevant für die Aufzeichnungen sind etwa:

  • Schlafdauer
  • Nahrungsmittel
  • Alkohol-, Nikotin und Koffeinkonsum
  • eingenommene Medikamente
  • Stresssituationen

So lassen sich mögliche Trigger (Auslöser) für die Schmerzattacken identifizieren, im weiteren Verlauf meiden und damit das Leben von Betroffen verbessern.

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