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Knochenschwund

Osteoporose und Wechseljahre: So beugen Sie brüchigen Knochen vor

Mit zunehmendem Alter wird die Knochensubstanz dünn und brüchig. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer – besonders in und nach den Wechseljahren. Schuld an dem erhöhten Risiko hat ein Hormon.

ältere Frau trinkt Milch
Calciumreiche Lebensmittel, zum Beispiel Milch, stärken die Knochen.
iStock

In jungen Jahren wird die Knochensubstanz des Menschen ständig erneuert. Auf- und Abbauprozesse halten sich dabei ungefähr die Waage – und die Knochen bleiben in den ersten vier Lebensjahrzehnten weitgehend stabil. Mit zunehmendem Alter ändert sich dies aber und eine Osteoporose droht.

Alltagstipps: Gesund durch die Wechseljahre

Osteoporose: Frauen in Wechseljahren besonders gefährdet

Bei der Osteoporose kommt es zum schrittweisen Abbau von Knochensubstanz, wodurch betroffene Stellen an Masse verlieren und sich dann die Architektur des Knochens krankhaft verändert. Dadurch verlieren die Skelettbausteine ihre Festigkeit, die Gefahr für Brüche steigt. Schon ein kleiner Sturz verursacht dann unter Umständen einen Wirbelkörper- oder anderen Knochenbruch.

In Deutschland sind fast acht Millionen Menschen davon betroffen – besonders Frauen in oder nach den Wechseljahren, die meist älter als 50 Jahre sind. Schuld daran ist die Hormonumstellung in den Wechseljahren mit sinkenden Spiegeln an Östrogen und Progesteron im Blut. Vor allem die ausbleibende Wirkung des Östrogens spielt dabei eine Rolle: Der Knochenaufbau kann sich verlangsamen, der Abbau beschleunigen. Die Folge: Knochenmasse nimmt schnell ab. Meist um ein bis drei Prozent pro Jahr, in manchen Fällen aber sogar um bis zu zehn Prozent.

Symptome: Knochen- und Rückenschmerzen

Aus diesem Grund erkranken Frauen in den Wechseljahren deutlich häufiger an Osteoporose. Sind es bei Frauen nach der letzten Regelblutung (Menopause) im Alter von 55 Jahren nur sieben Prozent, liegt die Erkrankungsrate im Alter von 80 Jahren schon bei 19 Prozent. Auch die Häufigkeit von Wirbelkörper- und anderen Knochenbrüchen steigt mit dem Lebensalter an.

So zeigen sich die Wechseljahre

Die Veränderungen der Knochensubstanz sind zunächst kaum spürbar. Erst im fortgeschrittenen Stadium machen sich mitunter allgemeine Knochen- oder Rückenschmerzen bemerkbar. Die Diagnose Osteoporose wird meist erst dann gestellt, wenn der erste Ermüdungsbruch, also ein Bruch ohne vorangegangene Verletzung, festgestellt wird. Bei jeder dritten Frau stellt sich nach den Wechseljahren eine Osteoporose ein. Wenn Brüche auftreten, ist die Lebensqualität durch lang anhaltende Schmerzen, Haltungsschäden oder Aktivitätseinschränkungen deutlich beeinträchtigt.

Risikofaktoren: Wechseljahre, Calcium- und Vitamin-D-Mangel

Neben höherem Alter, Wechseljahren und sinkenden Östrogenspiegel sind auch andere Faktoren für die Entstehung einer Osteoporose verantwortlich:

  • Mangel an Calcium und/ oder Vitamin D
  • wenig Bewegung
  • genetische Veranlagung
  • Rauchen
  • Alkoholkonsum
  • lange Medikamenten-Einnahme (zum Beispiel Kortison, bestimmte Antidepressiva  oder Arzneien zur Behandlung von Diabetes)
  • Erkrankungen, beispielsweise rheumatoide Arthritis, Schilddrüsenüberfunktion, Colitis ulcerosa

Osteoporose vorbeugen: Bewegung und gute Ernährung

Der allmähliche Rückgang der Knochendichte ist ein natürlicher Vorgang, der das Altern begleitet. Ob dieser Vorgang schneller oder langsamer abläuft, lässt sich durch eine gesunde Lebensweise in hohem Maße beeinflussen. Da die Stabilität der Knochen von vielen Faktoren abhängt, ist es unter anderem sehr wichtig auf eine gesunde Ernährung zu achten: So stärken beispielsweise viele Vitamine und ausreichend Calcium die Knochen. Außerdem fördert Milchzucker (Laktose) die Aufnahme von Calcium im Darm.

Calcium ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Knochen – deshalb ist das Mineral so wichtig in der Therapie und Vorbeugung von Osteoporose. Ist es nicht in ausreichender Menge vorhanden, kann dieser Mangel Osteoporose begünstigen. Calcium steckt zum Beispiel in:

  • Milch und Milchprodukten
  • Sesamsamen
  • Sojabohnen
  • Ölsardinen
  • Mandeln
  • Grünkohl
  • Schnittlauch
  • Petersilie
  • Mineral- und Heilwässern

Calciummangel ausgleichen mit Milch, Käse und Co.

Schon zwei Scheiben Käse und ein Glas Milch täglich reichen Experten zufolge, um den Bedarf zu decken. Nehmen Betroffene dennoch nicht genügend Calcium über die Nahrung auf, können sie auf spezielle Calciumpräparate zurückgreifen.

Eine tägliche Zufuhr von 1.000 Milligramm (mg) sehen Experten als ausreichend an. Eine Überdosierung ist aber möglich: Mehr als 1.500 mg Calcium pro Tag gelten als bedenklich, weil dadurch besonders Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion eventuell einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgesetzt sind.

Vitamin-D-Mangel erhöht das Sturz- und Bruchrisiko

Eine entscheidende Rolle im Knochenstoffwechsel spielt neben Calcium auch das Hormon Vitamin D, das für feste Knochen sorgt. Doch nicht nur das: Auch die Muskulatur und die Koordinationsfähigkeit der Muskeln werden dadurch beeinflusst. Ein Mangel an Vitamin D führt daher nicht nur zu weniger festen Knochen, sondern auch zu einem erhöhten Risiko für Stürze. Zudem reagieren Betroffene bei einem Sturz weniger gut, stützen sich oft nur unzureichend ab und fallen deshalb ungünstig.

"Sonne tanken" begünstigt Vitamin-D-Haushalt

Unser Körper kann Vitamin D selbst herstellen. Dazu braucht er aber ausreichend Sonnenlicht: UV-B-Strahlen sind es, die unsere Haut dazu bringen, das "Sonnenhormon" zu produzieren. UV-A-Strahlen haben diese Fähigkeit nicht, weshalb Besuche im Solarium mit den dortigen UV-A-Strahlen keine Alternative zum Aufenthalt in der Sonne sind. Experten empfehlen, Gesicht und Arme eine halbe Stunde pro Tag der Sonne auszusetzen.

Natürliche Helfer in den Wechseljahren

Im Winter ist das häufig nicht möglich, weshalb sich unser Organismus in den kalten Monaten an körpereigenen Depots bedient. Die Leber und das Fettgewebe können Vitamin D speichern. Dennoch kann es zu Mangelzuständen kommen. Ältere Menschen sind gefährdeter: Bei gleicher UV-Bestrahlung bilden sie deutlich weniger Vitamin D als jüngere Menschen.

Fisch, Eier, Käse – Vitamin-D-Zufuhr über die Nahrung

Nicht nur durch die Sonne, sondern zu einem kleineren Maß auch über die Ernährung können wir unseren Körper mit Vitamin D versorgen. Lieferanten sind zum Beispiel:

  • Seefisch wie Hering, Makrele oder Lachs
  • Eier
  • Champignons
  • Hartkäse

Reichen weder Sonnenbestrahlung noch die Zufuhr über die Ernährung aus, empfehlen Mediziner die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten. Niedrig dosierte Nahrungsergänzungsmittel beheben leichte Mangelzustände. Bei einem akuten Mangel verschreibt der Arzt hochdosierte Produkte.

Knochenschwund vorbeugen mit Bewegung

Auch körperliche Aktivität spielt eine maßgebliche Rolle: Alle Sportarten, die die Betätigung von Knochen, Gelenken und Muskeln fördern, tragen maßgeblich zur Verhütung der Osteoporose bei. Besonders effektiv ist eine Kombination aus kraftbetontem Training (beispielsweise Gymnastik) und Ausdauertraining (etwa Schwimmen, Radfahren, Joggen oder Wandern). Aber auch Spazierengehen, Gartenarbeit oder ähnliches unterstützen den Knochenaufbau.

Denn: Regelmäßige körperliche Betätigung regt den Knochenstoffwechsel an, strafft das Bindegewebe, stärkt die Muskulatur und fördert die Flexibilität und Dehnfähigkeit. Die Koordinationsfähigkeit verbessert sich und die Muskelkraft nimmt zu, was einen gewissen Schutz vor Stürzen und gefährlichen Verletzungen bietet.

Bei Osteoporose: Möglichst wenig Fleisch und Cola

Negativ auf die Stabilität wirken sich dagegen übermäßiger Kaffee- und Alkoholkonsum aus. Auch Fleisch, Wurst und Cola sollten Betroffene nicht in zu großen Mengen genießen: Das darin enthaltene Phosphat hemmt die Aufnahme von Calcium.

  • zum Test

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Unter bestimmten Umständen kommen Östrogene zur Vorbeugung der Osteoporose infrage, so zum Beispiel bei Frauen mit zusätzlich sogenannten vasomotorischen Symptomen wie Hitzewallungen oder Nachtschweiß. Ein sorgfältiges Abwägen von Nutzen und Risiko ist hierbei notwendig.

Osteoporose mit Medikamenten behandeln

Liegt bereits eine Osteoporose womöglich mit Knochenbrüchen vor, können unter bestimmten Voraussetzungen medikamentöse oder operative Therapien begonnen werden.

Eine medikamentöse Behandlung der Osteoporose empfehlen Fachleute, wenn das Risiko für einen Knochenbruch eines Wirbelkörpers oder des Oberschenkelhalses innerhalb der nächsten zehn Jahre einen bestimmten Wert überschreitet oder wenn bereits ein osteoporotisch bedingter Wirbelkörperbruch besteht. Das Risiko für einen Knochenbruch kann der behandelnde Arzt aus dem Lebensalter und der aktuell ermittelten Knochendichte bestimmen.

Was gegen Wechseljahres-Blues hilft

Zur Behandlung stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, zum Beispiel die Bisphosphonate Alendronat, Ibandronat und Risedronat sowie Raloxifen. Sie können langfristig das Risiko für Wirbelkörperbrüche senken, einige auch das Risiko für andere Knochenbrüche. Voraussetzung ist allerdings, dass die Medikamente langfristig eingenommen werden.

Wirbelkörperbrüche: Bewegung hilft

Wirbelkörperbrüche kommen bei fortgeschrittener Osteoporose häufig vor. Sie sind oft mit starken Schmerzen verbunden, sodass die Betroffenen sich weniger bewegen. Dadurch bessert sich die Situation langfristig allerdings keineswegs – im Gegenteil: Die Gelenke werden steif und verlieren ihre Funktionsfähigkeit und die Osteoporose schreitet beschleunigt fort mit dem Risiko für weitere Wirbelkörperbrüche.

Schmerzstillende Medikamente und ein spezielles physiotherapeutisches Bewegungsprogramm sollen deshalb helfen, die Beweglichkeit der Betroffenen nach einem Wirbelkörperbruch schnellstmöglich wiederherzustellen.

OP's bei Wirbelkörperbrüchen: Vertebro- und Kyphoplastie

Zwei gängige Verfahren zur Behandlung von über Monate anhaltenden Schmerzen bei Wirbelkörperbrüchen sind die minimal-invasive Verfahren Vertebro- und Kyphoplastie.

  1. Vertebroplastie: Der Operateur spritzt – meist unter lokaler Betäubung – einen Kunststoff (medizinischer Zement) in den gebrochenen Wirbelkörper. Der Zement verteilt sich in dem erkrankten Wirbelkörper, erhärtet und stabilisiert diesen dadurch von innen. Der Eingriff dauert höchstens eine Stunde und kann auch ambulant durchgeführt werden.
  2. Kyphoplastie: Die Kyphoplastie findet meist unter Vollnarkose statt. Dabei schiebt der Arzt einen Ballon in den gebrochenen Wirbelkörper vor und bläst ihn auf, wodurch sich der Wirbelkörper aufrichtet. Anschließend lässt er den Ballon ab und entfernt ihn. In den dadurch entstandenen Hohlraum wird ein medizinischer Zement eingebracht, der den Wirbelkörper von innen stabilisiert.

Beide Verfahren, die Vertebro- und die Kyphoplastie, können die gebrochenen Wirbelkörper stabilisieren, rasch Schmerzen lindern oder sogar beseitigen und die Bewegungsfähigkeit der Betroffenen wiederherstellen.

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