Sanella
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24.04.2013 | 18:15 Uhr | Von Sanella

Depression und Utrogest

Sehr geehrter Herr Prof. Bohnet!

Bin fast 48, schlank, Nichtraucherin, mässig sportlich. Seit 6 Monaten mache ich HET, 2 Hübe Gynokadin Gel und erstmal 100mg Utrogest, vor zwei Monaten habe ich Utrogest auf 200mg vaginal erhöht. Mein letzter Östrogenwert war 51, die FÄ meinte, es könnte noch etwas höher werden, um mich vor Osteoporose zu schützen und meine WJ-Symptome weiter zu verbessern. Seit ich in den WJ bin, bin ich leicht depressiv, nicht ständig, ich habe auch gute Zeiten, vor allem in der ersten Zyklushälfte, danach kriege ich extremes PMS mit Traurigkeit und Weinerlichkeit. Bin seit einem Jahr auch in psychologischer Behandlung, weil ich ab und zu auch Angstzustände habe, die aber seit HET fast verschwunden sind, bzw. viel milder und seltener geworden sind! Ich nehme auch Valdoxan 25m, wegen Schlafstörungen.
Jetzt, wo ich 200 mg Utrogest nehme, sind die depressive Verstimmungen viel stärker geworden, vor allem in der zweiten ZH und auch während der Periode. In diesem Zyklus war es extrem, jetzt bin ich ZT 7 und immer noch ziemlich traurig und weinerlich, obwohl es mir zwischendurch auch mal wieder gut geht. Aber ich habe große Angst, dass ich richtig depressiv werde, auf dem Beipackzettel steht Vorsicht bei Depressionen und Depression ist bei häufigen Nebenwirkungen aufgezählt. Auch habe ich in verschiedene Internetforen von Frauen gelesen, die auch depressiv unter Utrogest geworden sind. Ich werde meine FÄ und den Psychiater, der mir Valdoxan gegeben hat, erst in ein Paar Wochen sehen, bis dahin mache ich mir aber große Sorgen und traue mir nicht wieder mit Utrogest anzufangen.
Was soll ich bloß tun? Gynokadin hilft mir bei meinen anderen Beschwerden sehr gut, so dass ich nicht aufhören will, aber ohne Utrogest geht HET gar nicht, oder? Kann ich wenigstens für einen Zyklus Pause mit Utrogest machen, um zu sehen, ob es deprimässig besser wird?
Meine SD ist gut eingestellt ( habe leichte UF), Vitamin D-spiegel sehr gut, ich habe nur niedrigen Ferritinwert, 23.
Was würden Sie mir raten?
Danke!

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Bisherige Antworten
Experte-Bohnet
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25.04.2013, 07:40 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Die HT stellt man nicht nach Hormonwerte ein! Noch mehr E-Gel ist aus meiner Sicht kontraindiziert! Denn es passiert genau das, was Sie erleben: Sie brauchen mehr Prog, damit die GBM-SH nicht zu stark proliferiert; aber so macht man eine PMS!!!!
Wenn Ihre Eierstöcke erschöpft sind, würde ich eher raten nur einen Hub aufzubringen und 2 Prog. kontinuierlich, sodass Sie keine Blutungen bekommen und eine stabile hormonelle Lagen kommen.
Es ist aber immer schwer, von einer hohen Dosis auf eine niedriger zu gehen. Deshalb müssten Sie einige Tage Pause machen.
Versuchen Sie vor dem Schlafengehen power walking zu machen, da dann die sog. Glückshormone ausgeschüttet werden.
Gegen die Entwicklung einer Osteoporose hilft am besten Muskelaufbautraining = progressive resistence training.

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25.04.2013, 16:43 Uhr
Kommentar von Sanella

Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort! Also ist es doch zu viel Progesteron was mich so depri und weinerlich macht? Meine Therapeutin hat mir heute versichert, dass ich keine echte Depression habe, was mich schon sehr beruhigt hat.
Ich finde es verwirrend, dass es offensichtlich keine einheitliche Empfehlungen bezüglich der Dosierung von Gynokadin gel gibt. Meine FÄ nimmt selbst seit einigen Jahren 3 Hübe täglich, weil sie sich am wohlsten fühlt, wenn ihr Östrogenwert zwischen 80 und 100 liegt, wie sie es zu mir sagte. Sie sagte auch, jede Frau muß ihre individuelle Wohlfühldosis finden, wir sind alle individuell.
Mit einem Hub habe ich noch keine Besserung meiner WJ Symptome verspürt, erst mit 2 Hüben gingen meine Beschwerden um ca. 50% zurück, also hat vorher die HET noch nichts gebracht..
Was halten Sie davon, wenn ich zurück auf 100mg Prog. gehe und die FÄ überprüft regelmässig die GBM-SH? 200mg kann ich echt nicht länger nehmen..

Experte-Bohnet
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26.04.2013, 08:54 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Das Problem mit einer niedrigen Dosis (z.B. 1 Hub) ist, dass viele Frauen zu ungeduldig sind! Die WJ entwickeln sich in einem Zeitraum von meist 10 Jahren. Wenn dann der Körper mit E verarmt ist, wird dann "schnell" behandelt und es wird ein vollkommenes Verschwinden der Symptome innerhalb von 4 Wo erwartet. Das funktioniert einfach nicht!.
Man muss relativ früh den beginnenden Mangel ausgleichen und der Therapie Zeit geben, zu wirken, auch wenn es manchmal schwer fällt.
Wenn Ihr FÄ sagt, Sie fühle sich mit 3 Hüben erst wohl, wenn der Spiegel bei 100 liegt, dann hat Sie in der Nacht, wenn sie das Gel abends aufträgt, mindestens einige Stunden eine E-Konzentration von 300! Und das ist auf die Dauer zu viel. Nun, das ist Ihre Sache!
Natürlich kann man so vorgehen, wie Sie es sich überlegt haben. Aber wenn dann die Schleimhaut "gewuchert" ist, dann brauchen Sie einen "Hammer" an PROG bzw. ein Gestagen!
Ich meine es ehrlich und habe nichts davon, ob eine Frau eine hohe oder eine
niedrige Dosis anwendet! Aber ich habe mehr als 30 Jahre Erfahrung. Deshalb weiß ich auch, dass viele gar nicht aufgeklärt sind, dass Pflanzenestrogene zus. über die Nahrung aufgenommen werden sollten, weil sie u.a. einen sog. anti-proliferativen Effekt haben!
z.B. 1 L grünen Tee pro Tag; Brokkoli, 1 Teel. gemahlene Kürbiskerne, 1/8 L Sojamilch o.ä.
Alles Gute!

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26.04.2013, 11:17 Uhr
Kommentar von Sanella

Vielen Dank für Ihre ehrliche Meinung und ausführliche Erklärung! Ich höre gerne immer noch eine zweite Meinung und ich werde mit meiner Ärztin demnächst darüber sprechen. Ich benutze das Gel morgens und abends, also nie 2 Hübe auf einmal, um einen regelmässigen Spiegel aufzubauen . ( meine FÄ nimmt das Gel sogar 3mal täglich).
Als Vegetarierin esse ich sehr viel Gemüse, Nüsse und Sojaprodukte, jedoch war mein Östrogenspiegel vor HET weniger als 10 und scheinbar absorbiert meine Haut das Gel nicht so gut, weil mein Ö-wert mit zwei Hüben eigentlich schon so um 80 oder sogar höher sein sollte (laut Hersteller).
Ich werde versuchen die Dosis erstmal auf 1.5 Hübe zu reduzieren.
Herzliche Grüße!

Experte-Bohnet
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27.04.2013, 08:31 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Entgegen der allgemeinen Meinung hat es wenig Sinn, die Dosis zu fraktionieren. Denn dann haben Sie 2 x (bzw. 3 x) am Tag ein Auf und ein Ab!
Die gewählte Dosis sollte auf einmal abends vor dem Schlafengehen aufgetragen werden, da die Hormon-Anflutung den Tiefschlaf fördert und sich metabolisch günstig auswirkt!

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