Gefährlicher Tumor

Eierstockkrebs: Symptome meist erst im Spätstadium

Er gehört zu den Krebsarten, die in den meisten Fällen erst sehr spät erkannt werden: der Eierstockkrebs. Dadurch hat das Karzinom Zeit, sich im Körper auszubreiten und Gewebe zu zerstören. Sie können aber Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

Frau hat Unterleibsschmerzen
Eierstockkrebs kann sich durch unerklärliche Magenschmerzen bemerkbar machen.
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Der auch als Ovarialkarzinom bezeichnete Tumor ist nach dem Gebärmutterschleimhautkrebs die zweithäufigste bösartige Erkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane. Jedes Jahr trifft es etwa 7.300 Frauen neu. Im Jahr 2012 waren es 7.380 Patientinnen, 5.646 davon starben am Eierstockkrebs.

Die hohe Sterblichkeit liegt daran, dass mehr als zwei Drittel der Erkrankungen erst in einer weit fortgeschrittenen Phase entdeckt werden. Der Grund dafür ist das weitgehend symptomlose Frühstadium. Wird der Krebs allerdings frühzeitig entdeckt, gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten mit hohen Erfolgsaussichten.

Alltagstipps: Gesund durch die Wechseljahre

Oft werden die Karzinome in den Eierstöcken, Eileitern und dem Bauchfell zusammengefasst, da sie auf ähnliche Weise entstehen und sich in ihrem tumorbiologischen Verhalten gleichen.

Alter und Gene als Hauptrisikofaktoren für Eierstockkrebs

Das mittlere Erkrankungsalter bei Eierstockkrebs liegt bei 69 Jahren. Daher ist einer der Risikofaktoren für den Tumor zunehmendes Alter. Außerdem scheinen sich Umwelt, Ernährung, Unfruchtbarkeit und Kinderlosigkeit negativ auszuwirken. Als risikosenkend bewerten Wissenschaftler dagegen Schwangerschaften sowie die Einnahme der Pille.

Neben höherem Alter ist vor allem eine genetische Vorbelastung ein starker Risikofaktor für Eierstockkrebs: So kommen in manchen Familien die "Brustkrebsgene" (von englisch BReast CAncer) BRCA-1 beziehungsweise BRCA-2 gehäuft vor. Bis zu 60 Prozent der Frauen mit veränderten Formen dieser Gene erkranken schließlich auch an bösartigen Ovarial- oder Brusttumoren.

Eierstockkrebs: Meist unspezifische Symptome

In der Regel merken Betroffene aber lange nichts von dem Karzinom. Denn in den Eierstöcken haben die bösartigen Zellen viel Platz zu wachsen, ohne der Trägerin Beschwerden zu verursachen. Dennoch kommt es im Lauf der Erkrankung zu bestimmten Symptomen:

  • Vergrößerung des Bauchumfangs, allerdings ohne Gewichtszunahme
  • unerklärliche Gewichtszunahme
  • unbestimmte Verdauungsbeschwerden, Magenschmerzen, Völlegefühl, Blähungen
  • unerklärliche Müdigkeit und Erschöpfung
  • unregelmäßige Blutungen: außerhalb der Monatsregel, nach den Wechseljahren oder besonders heftige und lang anhaltende Blutungen

Die hier genannten Symptome können natürlich auch viele andere, harmlosere Gründe haben. Wenn die Krankheitszeichen aber

  • generell ungewöhnlich sind,
  • erst seit kurzer Zeit auftreten,
  • intensiver sind als gewöhnliche Zyklusbeschwerden,
  • nach kurzer Zeit nicht mehr selbstständig verschwinden,

sollten Sie aufmerksam werden, einen Arzttermin vereinbaren und Ihre Symptome abklären.

Gesicherte Diagnose nur durch Gewebeanalyse

Absolut sicher sagen, ob es sich nun um Eierstockkrebs handelt oder nicht, können Mediziner aber erst nach einer Operation. Trotzdem gibt es einige Untersuchungen, die bei Verdacht auf den Tumor durchgeführt werden können. Neben einem Gespräch (Anamnese) wird Sie der Arzt körperlich untersuchen und abtasten. Dabei fühlt der Mediziner auch die Eierstöcke und kann so feststellen, ob diese vergrößert sind.

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Weiterhin kann er den Brustraum röntgen sowie eine Ultraschalluntersuchung durch die Scheide und über den Bauch durchführen. So kann er sehen, ob die Eierstöcke vergrößert sind beziehungsweise der Tumor bereits auf andere Organe übergegriffen und Metastasen gebildet hat. Durch den Bauchultraschall kann er außerdem erkennen, ob sich dort Flüssigkeit angesammelt hat.

Auch mittels Laboruntersuchungen (zum Beispiel Tumormarker im Blut), Spiegelungen (Darm, Blase), CT oder MRT kann der Arzt feststellen, ob sich der Krebs auf andere Organe ausgebreitet hat.

Unbehandelt breitet sich Eierstockkrebs aus

Zunächst wächst er jedoch in den Eierstöcken und Eileitern. Wird das Karzinom größer, kann es auch auf die Gebärmutter oder den Darm übergreifen, sich schließlich im gesamten Bauchraum ausbreiten und Metastasen bilden. Darüber hinaus befällt das Ovarialkarzinom auch die Lymphbahnen und -knoten.

Die einzelnen Stadien des Eierstockkrebses werden gemäß TNM- beziehungsweise FIGO-Klassifikation folgendermaßen definiert:

TNM FIGO Beschreibung
T1 I Der Tumor ist auf einen Eierstock/beide Eierstöcke (oder Eileiter) begrenzt.
T2 II Der Krebs sitzt in einem Eierstock/beiden Eierstöcken (oder Eileitern) und greift auf die Becken-/Bauchfellregion über.
T3 III Der Krebs sitzt in einem Eierstock/beiden Eierstöcken (oder Eileitern), greift auf das Bauchfell außerhalb des Beckens über und/oder bildet Metastasen in hinter dem Bauchfell liegenden Lymphknoten.
T4 IV Der Tumor hat Fernmetastasen gebildet (mit Ausnahme des Bauchfells).

Therapie: Meist keine Alternative zur Eierstockentfernung

Wird der Eierstockkrebs frühzeitig entdeckt, kann er durch eine minimalinvasive Operation entfernt werden. Häufig ist das aber nicht der Fall und ein deutlich größerer Eingriff ist nötig: Zunächst entnimmt der behandelnde Mediziner den befallenen Eierstock und gibt diesen noch während der Operation direkt an einen Pathologen zur feingeweblichen Untersuchung weiter. Stellt dieser fest, dass es sich tatsächlich um Eierstockkrebs handelt, wird der Eingriff fortgesetzt.

Laut den Leitlinien für Onkologie, die von der AWMF, Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und Deutschen Krebshilfe herausgegeben werden, sollten die Operateure neben beiden Eierstöcken in der Regel auch die Eileiter, Gebärmutter, das große Bauchnetz, Teile des Bauchfells sowie alle Lymphknoten im betroffenen Bereich entfernen. Es kann zusätzlich nötig sein, Teile des (Blind-)Darms herauszuoperieren.

Eierstockentfernung vor den Wechseljahren hat gravierende Folgen für die Frau

Zwar ist der Eingriff an sich nicht mehr gefährlich, die Folgen für die Frau sind nach einer Eierstockentfernung aber einschneidend. Denn sie wird vom einen Moment auf den nächsten in die Wechseljahre versetzt: Die Eierstöcke, die vor allem das Hormon Östrogen produzieren, beenden mit Erreichen der Menopause ihre Aktivität. In der Regel dauert dieser Prozess mehrere Jahre. Werden die Hormonproduzenten plötzlich entfernt, leidet die betroffene Frau auch unmittelbar und viel intensiver als normal an Wechseljahresbeschwerden wie etwa:

So zeigen sich die Wechseljahre

Folgen der Operation können außerdem Vernarbungen oder Verklebungen im Bauchraum und daraus resultierende Schmerzen in der Bauch- oder Rückenregion beziehungsweise beim Geschlechtsverkehr sein. Nur selten bis sehr selten besteht eine vorübergehende Harninkontinenz oder die Scheide wurde durch die Operation verengt oder verkürzt. Ist bei einem stark fortgeschrittenen Tumor die (teilweise) Entfernung von Blase oder Bereichen des Darms erforderlich, kann ein künstlicher Blasen- oder Darmausgang (Uro-/Kolostoma) nötig sein.

Unterstützend zum chirurgischen Eingriff soll eine Chemotherapie helfen, eventuell noch im Körper befindliche Tumorzellen abzutöten. Diese findet sechsmal statt, wobei zwischen den einzelnen Sitzungen drei Wochen Pause eingehalten werden. Eine Antikörpertherapie mit Bevacizumab kann die Krebsbehandlung noch ergänzen, denn der Stoff hemmt die Bildung neuer Blutgefäße im Tumorgewebe.

Nachsorge: Regelmäßige Kontrollen nötig

Um die Genesung voranzutreiben, können Betroffene nach der Therapie zur Anschlussheilbehandlung oder Kur gehen. Der wichtigste Bestandteil der Krebsnachsorge ist aber, dass die behandelten Frauen regelmäßig zu den Kontrolluntersuchungen gehen. Neben Anamnese und körperlicher Untersuchung macht der Arzt dabei einen Ultraschall von Scheide und Nieren.

Bei symptomfreien Patientinnen finden die Kontrolluntersuchungen zunächst alle drei Monate, später halbjährlich und schließlich nur noch einmal im Jahr statt.

Genanalyse bei genetisch vorbelasteten Patientinnen

Bislang gibt es noch keine Möglichkeit, das Ovarialkarzinom frühzeitig zu entdecken. Deshalb sollten Frauen die jährliche Tastuntersuchung der inneren Genitalien (inklusive der Eierstöcke) wahrnehmen.

Kommen außerdem Eierstock- oder Brustkrebs familiär gehäuft vor, können sich die betroffenen Frauen genetisch beraten lassen. Um eine Genanalyse durchführen zu können, müssen in den Familien (egal ob väterlicher- oder mütterlicherseits) laut Onkologie-Leitlinien mindestens betroffen sein:

1) Unabhängig vom Alter:

  • drei Frauen mit Brustkrebs
  • eine Frau mit Brustkrebs und eine Frau mit Eierstockkrebs
  • zwei Frauen mit Eierstockkrebs
  • eine Frau mit Eierstock- und Brustkrebs
  • ein Mann mit Brustkrebs und eine Frau mit Eierstock- oder Brustkrebs

2) Abhängig vom Alter

Anzahl Geschlecht Krebsart Alter
2 Frauen Brustkrebs eine davon schon vor ihrem 51. Lebensjahr
1 Frau Brustkrebs mit 35 Jahren oder früher
1 Frau beidseitiger Brustkrebs mit 50 Jahren oder früher

Trifft eine der oben genannten Situationen auf Ihre Familie zu, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, dass auch Sie irgendwann einen bösartigen Tumor entwickeln. Daher sollten Sie sich in Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs beraten lassen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. Dezember 2017
Quellen: Deutsche Krebsgesellschaft, abgerufen unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/eierstockkrebs.html; Robert Koch Institut, Zentrum für Krebsregisterdaten: Krebs in Deutschland 2015, abgerufen unter: http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2015/kid_2015_c56_eierstoecke.pdf?__blob=publicationFile; Charité Universitätsmedizin Berlin: Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom): Symptome, Diagnose, Behandlung, abgerufen unter: https://frauenklinik.charite.de/behandlung/eierstockkrebs/; J. Prat and FIGO Committee on Gynecologic Oncology: FIGO's staging classification for cancer of the ovary, fallopian tube, and peritoneum: abridge republication, in: Journal of gynecologic oncology, 2015, abgerufen unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4397237/; AWMF et al.: S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren, Version 2.0, 2016

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