M. Basedow und Östrogenersatztherapie

Kategorie: Hormontherapie-wechseljahre.de » Expertenrat Hormontherapie | Expertenfrage

12.02.2017 | 17:51 Uhr

Guten Tag und vorab schonmal ein großes Lob, dass es die Möglichkeit des Experten-Kontaktes über dieses Forum gibt, da es leider sehr schwierig ist, adäquate Fachärzte zu dem Thema zu finden.

Ich bin 37 Jahre alt und nehme seit 10 Jahren Östradiol (zunächst Merimono, jetzt Gynokadin) oral 2 mg pro Tag ein, nachdem mir Uterus und Eierstöcke aufgrund eines Karzinoms 2007 entfernt wurden. Ich kam mit der Ersatztherapie bis vor kurzem recht gut klar. Vor ca 3 Jahren kam dann aber noch eine Schilddrüsenfehlfunktion hinzu mit 2 hyperthyreoten Phasen und erhöhten Antikörpern. Es wurde ein M. Basedow (ohne Augenbeteiligung) diagnostiziert und ich habe vor ca 2 Jahren eine Radiojodtherapie erhalten. In der Zeit der mal zu hohen, mal zu niedrigen Schilddrüsenwerte habe ich natürlich diverse Symptome durchlebt. Das meiste hat sich eingespielt. Was mir jedoch weiterhin auffällt, ist eine deutlich unter der Norm ausgeprägte Libido, die mittlerweile auch meine Partnerschaft belastet. Ich bin insgesamt ein bisschen "gefühlsgedämpft", d.h. empfinde wenig Freude an Dingen und bin oft gefühlsmäßig eher gleichgültig. Außerdem kommt es mir vor, als sei ich nicht mehr so leistungsfähig wie vor ein paar Jahren. Ich werde viel schneller müde. Ich habe auch das Gefühl, dass meine Konzentrationsfähigkeit nachgelassen hat und ich leichter Dinge vergesse. Hinzu kam ein häufiges Brustspannen, welches ich eigentlich nicht mehr hatte, seitdem ich meine Menses nicht mehr habe.

Meine letzte Medikation war: 

Euthyrox 88 ug 1-0-0

Gynokadin 2 mg 1-0-0

Vigantoletten 500 IE 1-0-0

Ich bin kürzlich aus o.g. Gründen zu einem gynäkologischen Endokrinologen gegangen, der sehr viele Blutwerte bestimmt hat. Ich führe hier einmal die wichtigsten auf:

TSH 0,11 mlU/l (norm 0,25-4 mlU/l)

fT4 1,26 ng/dl (norm 0,9-1,9 ng/dl)

fT3 2,78 ng/l (norm 2,3-4,2 ng/l)

Thyreoglobulin-AK/TAK 468 U/ml (norm <60)

Thyreo-Peroxidase-AK >2500 U/ml (norm <60)

TSH-Rez-AK 0,9 IU/l (norm <0,55)

Östradiol 172 pg/ml (norm lt. Facharzt für mich: 30-60)

SHBG 207,74 nmol/l

freier Androgen-Index 0,3 

Androstendion 0,24 ng/ml (norm 0,6-2,86)

DHEAS 0,34 ug/ml (norm 0,6-3,37)

Östron 1096 pg/ml 

Vit D 36,4 ug/l (norm 30-60)

C-Peptid 4,77 ng/ml (norm 0,81-3,85)

Insulin 50,8 uU/ml (norm 3-25)

IGF-1 (Somatomedin) 88,6 ng/ml (norm 109-284)

Die Empfehlungen des Facharztes lauteten:

- Thyroxin von 88 ug auf 75 ug pro Tag reduzieren

- Gynokadin von 2 mg auf 1 mg pro Tag reduzieren

- zusätzlich DHEA 50 mg 1-0-0

- Vigantoletten absetzen

Außerdem sagte er, ich sei gefährdet, einen Diabetes zu entwickeln aufgrund der leicht erhöhten Insulin und C-Peptid - Werte. Diese Aussage hat mich sehr stutzig gemacht, da die Werte doch meines Wissens nach nüchtern gemessen werden sollten, die Blutentnahme bei mir jedoch am späten Nachmittag stattfand. 

Ich habe die Medikamente nun seit ca 2 Wochen nach seiner Empfehlung umgestellt. Das Brustspannen hat nachgelassen, jedoch habe ich nun häufiger Hitzewallungen und was das Thema Libido und allgemeine Stimmungslage angeht, kann ich bisher noch keine Änderung feststellen.

Ich finde das Thema wahnsinnig komplex und hätte einfach gerne wieder mehr Lebensqualität und -freude. Daher hoffe ich, dass sie mir durch eine zweite Meinung ggf. weiterhelfen können.

Vielen herzlichen Dank und beste Grüße!

LaHa

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Bisherige Antworten
Experte-Bohnet
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13.02.2017, 01:35 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Danke für Ihre netten Worte!

Leider haben Sie ja schon viel mit gemacht! Das muss auch psychisch verarbeitet sein!?

Wurde das Blut nüchtern abgenommen? Ihr Körpergewicht?

Es ist immer ein (großes) Problem, von einer sehr hohen Östrogendosis auf eine niedrige zu gehen. - Auch wenn Sie wg der GBM-Entfernung grunds. kein Progesteron brauchen, könnte es hilfreich sein, wenn Sie eine 100 mg Kaps. zum Abendbrot einnehmen. Es könnte Ihre Schlaf-qualität verbessern. - Ich nehme nie 2 Therapieänderungen auf einmal vor, d.h. Reduktion der Östrogendosis und gleichzeitig der L-T-Dosis. Würde letzteres auch nicht für sofort notwendig erachten, d.h. könnte mann zu einem späteren Zeitpunkt erwägen.

Die Einnahme von DHEA ist keine etablierte Therapie; das leichte Androgen (wg. Libido) schadet sicher nicht; aber ich gehe nie über 25 mg hinaus. 

 

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14.02.2017, 06:49 Uhr
Kommentar

Vielen Dank für Ihre Antwort!

Ich bin 1,78 m groß und wiege 80 kg. 

Das Blut wurde nachmittags abgenommen, ich war nicht nüchtern. Den C-Peptid und Insulinwert kann man dann doch gar nicht verwerten, oder?

 Ich schlafe eigentlich sehr gut, fast zu gut.. d.h. ich kann mich abends kaum wach halten, auch am Wochenende oder im Urlaub nicht. 

Könnten Sie mir zu den abweichenden Hormonwerten einige Erläuterungen geben? Ich würde gerne die Hintergründe besser verstehen. Kann die Symptomatik (fehlende Libido, Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme) durch die Werte erklärt werden? Bzgl des erhöhten SHBG-Wertes habe ich zB nachgelesen dass eine Korrelation zur Libido besteht. Habe ich durch die med. Umstellung eine Chance, den Wert zu senken? 

Vielen Dank für Ihre Mühe und viele Grüße,

LaHa

Experte-Bohnet
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15.02.2017, 00:21 Uhr
Antwort von Experte-Bohnet

Ein hohes SHBG führt in der Tat zur Abnahme des freien Testo. Aber dann dürften Frauen unter der Pille auch keine Libido haben und in den WJ werden fast keine Androgene gebildet. Ein Testo-Pflaster, was die Libido steigern sollte, wurde wg. Ineffektivität wieder vom Markt genommen. - Ich denke, dass Sie eher alles noch nicht verarbeitet haben, was natürlich zu Problemen führen kann. Ich will Ihnen keine Probleme einreden, aber vielleicht sollten Sie Einiges für sich zum Ausgleich machen, u.a. Entspannungsübungen, Gesprächskreise etc.

Was sagt denn Ihr Mann zu alledem?

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