Östrogene über die Haut zuführen

Art der Hormonzufuhr senkt Thrombose

Mehrere Risikofaktoren begünstigen Thromboembolien

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Das Thromboserisiko lässt sich bei einer Hormontherapie durch die Wahl der Wirksubstanzen senken

Die Sicherheit der Hormontherapie kann durch eine individuell angepasste Wahl der Wirksubstanzen und der Anwendungsform erhöht werden. Besteht ein Risiko für die Entstehung von Thrombosen ist vor allem die Östrogengabe über die Haut günstiger als die Einnahme von Tabletten.

Die Hormontherapie (HT) gilt als wirksame Behandlung, um Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche oder Schlafstörungen zu behandeln. Doch kann mit der HT das Risiko für Gerinnselbildungen in venösen Gefäßen vor allem der Beine (tiefe Bein- und Beckenvenenthrombosen, TVT) zunehmen. Diese Gerinnsel können mit dem Blutstrom mitgerissen werden und an anderen Stellen im Körper Gefäße verschließen (Embolien). Davon sind besonders die Lungen betroffen (Lungenembolie).

Dabei gelten TVT und Lungenembolien als zwei Formen der venösen Thromboembolien. Thromboembolien können schwerwiegende Folgen haben, etwa Durchblutungsstörungen an den Beinen oder schwere Atemnot bei Lungenembolien, auch Todesfälle sind möglich.

Die Angaben zur Häufigkeit venöser Thromboembolien sind nicht ganz einheitlich. Beispielsweise ergab eine Untersuchung, dass jährlich ungefähr 18 venöse Thromboembolien unter 10.000 Personen auftreten können.

Risikofaktoren für Thromboembolien

Doch nicht nur die HT kann das Risiko für Thromboembolien erhöhen. So nimmt die Gefahr auch mit steigendem Alter und/oder Gewicht sowie bei Rauchern zu. Weitere Risikofaktoren sind beispielsweise Bettlägerigkeit, Verletzungen, Krebserkrankungen oder Operationen. Daneben gibt es erbliche Faktoren, die mit einer erhöhten Neigung zur Gerinnselbildung einhergehen, wie bestimmteGenveränderungen. Betroffene, bei denen schön häufiger ungeklärte Thrombosen aufgetreten sind, sollten sich deshalb einer Gerinnungsdiagnostik unterziehen.

Zusammenspiel mehrerer Faktoren

Häufig kommen mehrere Risikofaktoren zusammen, so auch bei Frauen in und nach den Wechseljahren. Sie sind älter und neigen eher zu Übergewicht oder gar sehr starkem Übergewicht bis hin zur Fettsucht (Adipositas). Laut einigen Untersuchungen soll das Thromboembolierisiko ab 60 Jahren um das Vier- bis Achtfache zunehmen, bei Übergewicht und Adipositas um das Vier- bis Sechsfache.

Erhalten Frauen aufgrund von Wechseljahresbeschwerden eine HT, kann die Gefahr für Thromboembolien weiter steigen. Allerdings spielt hier die Art der Hormonzufuhr eine wichtige Rolle.

Östrogenzufuhr über die Haut günstiger

So erhöht die Zufuhr des Östrogens als Tablette, also die Einnahme über den Mund (oral), offenbar das Risiko für venöse Thromboembolien. Dagegen geht die Gabe des Östrogens über die Haut (transdermal) mit einer deutlich geringeren Gefahr für Gerinnselbildungen einher, wie Studien zeigen.

Wenige Untersuchungen gibt es bislang zum Einfluss des Gestagens bei kombinierter HT auf venöse Thromboembolien. Sie zeigen, dass bestimmte Substanzen vermutlich günstiger wirken als andere. Doch ist hierbei das letzte Wort noch nicht gesprochen.

HT bei Frauen mit erhöhtem Risiko für venöse Thromboembolien

Welche Möglichkeiten hat nun eine Frau in den besten Jahren mit einer erhöhten Gefahr für venöse Thromboembolien, weil sie raucht, übergewichtig und/oder erblich vorbelastet ist, ihre belastenden Wechseljahresbeschwerden zu lindern?

Prinzipiell bietet eine HT mit einer transdermalen Östrogenzufuhr für diese Frauen offenbar Vorteile. Doch spielen bei der Entscheidung für oder wider eine bzw. eine bestimmte Form der HT verschiedene Faktoren eine Rolle. Zusammen mit der betroffenen Frau wird der behandelnde Frauenarzt daher die Möglichkeiten prüfen und Nutzen und Risiken einer HT sorgfältig gegeneinander abwägen, bevor sich Arzt und Patientin entscheiden. Zudem können Veränderungen des Lebensstils wie Ernährungsumstellung, viel Bewegung, Gewichtsabnahmen und/oder Rauchstopp das Risiko für venöse Thromboembolien ebenfalls mindern.

Autor: Springer Medizin
Letzte Aktualisierung: 07. März 2011
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause (HAT). Interdisziplinäre S3-Leitlinie. September 2009. URL: http://www.dggg.de/fileadmin/public_docs/Leitlinien/2-1-4-ht-lang-hp1.pdf (Stand 08.02.2011) Canonico, M.; Scarabin, P. Y.: Hormone therapy and risk of venous thromboembolism among postmenopausal women. In: Climacteric 12(Suppl 1) (2009), S. 76-80 Lambrinoudaki, I. et al.: EMAS position statement: Managing obese postmenopausal women. In: Maturitas 66 (2010), S. 323-326 Uxa, S.; Kneussl, M.: Venöse Thromboembolien. In: Wiener Klinische Wochenschrift Education 3-4 (2009), S. 123-139 Windler, E. et al.: Herz-Kreislauf-Risiko und Hormontherapie in der Postmenopause. In: Der Gynäkologe 43 (2010), S. 301-307 Deutschen Gesellschaft für Angiologie: Interdisziplinäre S2-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie. VASA S/78 (2010), S. 1-39. URL: http://www.dga-gefaessmedizin.de/uploads/media/S2-LL.TVT_LE.Aug.2010.pdf (Stand 08.02.2011)

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